BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© picture alliance / dpa | Haus Gries
Bildrechte: picture alliance / dpa | Haus Gries

Jesuit Franz Jalics

Per Mail sharen

    Meditationsschulen-Begründer: Jesuit Franz Jalics ist tot

    Der Jesuit Franz Jalics ist im Alter von 93 Jahren verstorben. Mitte der 1970er Jahre wurde der engagierte Seelsorger von der argentinischen Militärdiktatur verschleppt. Der spirituelle Lehrer der Stille hat viele Christen in Deutschland inspiriert.

    Per Mail sharen
    Von
    • Martin Jarde
    • Matthias Morgenroth

    Der Jesuit, Theologe und Buchautor Franz Jalics ist tot. Wie sein Orden mitteilte, starb er am Samstag im Alter von 93 Jahren nach einer Corona-Infektion in einem Seniorenheim in Budapest, in dem er zuletzt gelebt hatte.

    Franz Jalics: Langes Wirken im bayerischen Wilhelmsthal

    Mitte der 1970er Jahre wurde er als politisch engagierter Seelsorger von der argentinischen Militärdiktatur (1976-1983) verfolgt und eingesperrt. Seit 1978 lebte Jalics in Deutschland und wirkte als Exerzitienleiter. Er gilt als Begründer einer eigenen Meditationsschule, die sich auch aus seinen Hafterfahrungen speist. Jalics gründete 1984 das Exerzitienhaus Gries im bayerischen Wilhelmsthal, was zum Erzbistum Bamberg gehört. Bis 2004 leitete der Pater die Einrichtung.

    Der am 16. November 1927 in der ungarischen Hauptstadt geborene Jalics trat 1947 ins Noviziat der Jesuiten ein. Er studierte in Pullach bei München und im belgischen Löwen Philosophie. Nach weiteren Studien in Chile und Argentinien wurde er dort Dozent für Fundamentaltheologie und Dogmatik.

    Welche Rolle spielte heutiger Papst Franziskus bei Verschleppung?

    Für Spekulationen sorgte die Rolle des heutigen Papstes Franziskus bei der Verschleppung und Einkerkerung Jalics' durch das Militär nach dem Putsch 1976. Jorge Bergoglio, heute Kirchenoberhaupt, war damals Leiter der Jesuitenprovinz in Argentinien. 2003 bezichtigte der argentinische Journalist Horacio Verbitsky Bergoglio, seine Ordensbrüder Jalics und Orlando Yorio im Stich gelassen zu haben.

    Eine Publikation des argentinischen Autors Aldo Duzdevich von 2019 kam zu einem anderen Urteil. Demnach hat Bergoglio mit der Verhaftung der Jesuiten nichts zu tun gehabt, sondern sich im Gegenteil um ihre Freilassung bemüht. Jalics selbst hatte unmittelbar nach der Papstwahl im März 2013 die Darstellung eines schuldhaften Verhaltens von Bergoglio zurückgewiesen. Er, Jalics, sei damals getäuscht worden und Fehlinformationen aufgesessen. Bereits in den 1990er Jahren waren er und Bergoglio zusammengetroffen; beide feierten als Zeichen der Aussöhnung die Messe.

    Interview: Hafterfahrung prägte seine Meditation

    Matthias Morgenroth aus der Fachredaktion Religion und Orientierung des Bayerischen Rundfunks hat mit dem Jesuiten-Pater Bernhard Bürgler über Franz Jalics gesprochen. Pater Bürgler ist Provinzial der Jesuiten von Österreich und übernimmt ab Ende April das Amt des Provinzials der Jesuiten in Zentraleuropa.

    Herr Bürgler, Sie kannten Franz Jalics gut und waren sein Nachfolger als Leiter des Exerzitienhauses Gries. Was hat ihn ausgemacht?

    Pater Bernhard Bürgler: Ganz wichtig bei ihm war, dass er einen Auftrag gespürt hat. Einen Auftrag, Menschen zu Gott zu führen. Und dem ist er mit großer Kraft, großer Energie und großer Kreativität nachgegangen. Er hat viele Menschen in Exerzitien begleitet und ihnen so einen geistlichen Weg gezeigt. Die Kontemplation, das Jesusgebet, das war seine große Sache, und die wollte er vermitteln.

    Meditationslehrer innerhalb der katholischen Kirche sind rar: Jalics hat eine eigene Schule gegründet und ein Stichwort ist damit verbunden, das kontemplative Jesusgebet.

    Pater Bernhard Bürgler: Er hat eine eigene Schule gegründet, das stimmt und stimmt auch nicht ganz. Denn was er den Menschen gezeigt hat, ist tief in der christlichen Tradition verwurzelt. Was er in seiner unnachahmlichen Weise konnte, ist, dass er nicht theoretisch über Kontemplation gesprochen hat. Er hat ganz praktisch die Menschen auf diesem Weg geführt. Schritt für Schritt hat er ihnen gezeigt, worum es geht, hat ihnen geholfen, wenn Hindernisse oder Widerstände aufgetaucht sind. Er hat sie sozusagen Schritt für Schritt in diese Kontemplation hineingeführt. Das, denke ich, war das Spezifische und das Neue bei Franz Jalics.

    Das Jesusgebet ist ja eine ganz alte Gebetsform. Dabei geht es um die Ausrichtung auf Jesus, auf den Namen Jesu, indem ich den Namen Jesus innerlich wiederhole. So richte ich mich und mein ganzes Wesen mehr und mehr auf ihn hin aus und komme in Kontakt mit seiner Wirklichkeit, mit seiner Präsenz, mit seiner Gegenwart, die ja da ist. Und die wird mich dann langsam verändern, letztlich in ihn - in Gott - hinein.

    Franz Jalics war in den 1970er Jahren in Argentinien tätig, wurde dort durchs Militär nach dem Putsch 1976 verschleppt – und der damalige Leiter der Jesuitenprovinz Jorge Bergolio, heute Papst Franziskus, hätte ihn vielleicht schützen können. Was ist an dieser Diskussion dran?

    Ich habe ja öfters mit Franz Jalics darüber gesprochen. Er hat auch immer wieder davon erzählt. Ich denke, die Zeit damals war eine sehr, sehr schwierige Zeit für alle, für alle Menschen in Argentinien, eben auch für die Jesuiten. Franz Jalics ist mit seinem Freund Orlando in ein Elendsviertel gezogen. Er war wie auch Orlando Professor. Sie haben in dem Elendsviertel gelebt und sind dort auch immer mehr mit den Machenschaften des Militärs konfrontiert worden.

    Ich glaube, Franz Jalics hätte sich gewünscht, mehr von den Jesuiten - auch vom Provinzial - unterstützt zu werden. Das ist zumindest seinem Eindruck nach zu wenig passiert. Das ist wohl auch sein Empfinden, das vielleicht nicht ganz der Realität entspricht. Wie man dann im Laufe der Zeit auch erfahren hat, als mehr geklärt wurde, was geschehen ist und was auch Jorge Bergoglio getan hat. Da musste auch Franz Jalics lernen oder einen weiteren Blick bekommen, dass eben Jorge Bergoglio sich schon für sie beide und auch für ihn eingesetzt hat. Mehr, als er in dieser Zeit wahrgenommen hat.

    Auch die Hafterfahrungen, so heißt es, sind eingegangen in seine Meditationspraxis, inwiefern?

    Das hat ihn sehr geprägt. Natürlich hat er schon vorher ein Gebetsleben gehabt. Er hat immer gesucht, hat er mir immer wieder erzählt, sozusagen nach einem Weg im Beten, um weiterzukommen auf dem Gebetsweg. Die Zeit in der Verschleppung war ganz prägend für ihn, weil er dort praktisch die Phasen der Meditation selbst an sich erlebt hat. Also die beiden haben auf Erlaubnis ihrer Bewacher ziemlich schnell, nachdem sie verschleppt wurden, angefangen zu meditieren. Sie haben sehr viel Zeit in Meditation verbracht. Und dadurch ist sehr vieles Ungelöstes in ihm hochgekommen, was diese brutale Situation, in der er sich befunden hat, in ihm ausgelöst hat.

    Er hat oft erzählt, dass er stundenlang geweint hat, dass er mit Hass und Wut konfrontiert wurde in sich. Und diese Dinge ist er durchgegangen, in der Ausrichtung auf den Namen Jesu, auf seine Gegenwart selbst. Er hat entdeckt, dass sich damit etwas in ihm verwandelt. Nicht gleich hat er das gemerkt, aber später in der Zeit, vor allem dann in der Zeit nach seiner Verschleppung. Er war ja dann ungefähr ein Jahr in den USA und kam dann nach Deutschland. Das war seine große Entdeckung. Und das hat er mit dem Jesusgebet in Verbindung gebracht. Und das wollte er den Menschen vermitteln.

    Sie interessieren sich für Themen rund um Religion, Kirche, Spiritualität und ethische Fragestellungen? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter. Jeden Freitag die wichtigsten Meldungen der Woche direkt in Ihr Postfach. Hier geht's zur Anmeldung.