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Wie sich Maximilian I. zum Superstar machte | BR24

© Bayern 2

Zum 500. Todestag des Habsburgers zeigt Schloss Ambras bei Innsbruck Maximilian I. als „King of Marketing“. Ziel seiner Selbstinszenierung: Unsterblichkeit und "ewiges Gedächtnis". Mit der Wahrheit nahm er es dabei nicht so genau.

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Wie sich Maximilian I. zum Superstar machte

Zum 500. Todestag des Habsburgers zeigt Schloss Ambras bei Innsbruck Maximilian I. als „King of Marketing“. Ziel seiner Selbstinszenierung: Unsterblichkeit und "ewiges Gedächtnis". Mit der Wahrheit nahm er es dabei nicht so genau.

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Hielte man sich nur an dieses Porträt, das den Ausstellungsbesucher am Ende seines Rundgangs erwartet, man käme nicht unbedingt auf die Idee, hier einem Meister der politischen Selbstinszenierung zu begegnen: Die große Hakennase, die schmollende Habsburger-Lippe - schön war er nicht, dieser Maximilian I., Erzherzog von Österreich und römisch-deutscher Kaiser. Aber schön wollte er auch nicht sein, sondern bedeutend, groß. Nein, nicht groß, sondern der Größte! Ausstellungs-Kuratorin Veronika Sandbichler: "Er hat sehr erfolgreiches Marketing und sehr erfolgreiche Politik betrieben. Nicht umsonst würden wir heute 500 Jahre nach seinem Tod europaweit und auch international mit Ausstellungen dieser Person gedenken und schauen: Was hat der eigentlich gemacht, damit er bis heute noch in unserer Erinnerung bleibt, als einer, der herausragt?"

© Schloss Ambras

Die bunten Vorfahren

Unsterblichkeit durch Erinnerung

Eben diese Frage stellt die Ausstellung. Und um deren Antwort macht sie kein großes Geheimnis: Maximilian I. war der "King of Marketing", ein unermüdlicher Propagandist in eigener Sache. Einer, dem es nicht reichte, die europäische Vorherrschaft der Habsburger durch strategische Kriegs- und Heiratspolitik zu sichern, sondern der selbst zum Mythos werden wollte. Durch die druckgrafische Verbreitung seiner Porträts, in dem er sein Antlitz auf Münzen prägen lies, durch den Entwurf einer Bildergeschichte, die seine Erfolge bei Turnierkämpfen zur Schau stellten, bis hin zur – kein Scherz – Konzeption eines Ritterepos, in dem er selbst den Helden spielte. „Ewige Gedachtnus“ – war sein erklärtes Ziel. Anders gesagt: Unsterblichkeit durch Erinnerung. Veronika Sandbichler: "Er strebte Zeit seines Lebens danach, in seinen Taten in seinen Leistungen in seinen Unternehmungen für alle Zeit, für die Ewigkeit in Erinnerung behalten zu werden."

© Schloss Ambras

Schlacht bei Regensburg, 1504

Ein Glück für Maximilian, dass der eigene Urenkel an der Erfüllung dieses Plans so eifrig mitstrickte: Ferdinand II., ebenfalls Erzherzog von Österreich und, noch wichtiger, Gründer des Museums auf Schloss Ambras. Unter anderem zu dem Zweck erbaut, dem Urgroßvater durch die Ausstellung seiner Hinterlassenschaften – Schwerter, Rüstungen, Portraits und so weiter – „ewige Gedachtnus“ zu verschaffen: "Also, ich bezeichne ihn gern als besonderen Gedächtnisträger. Er ist aber immer noch einen Schritt weitergegangen. Über dieses materielle Bewahren, Vollenden, Fertig stellen, Aufbewahren der Erbstücke in den eigenen Sammlungen, hat er auch immer dem ideell was drauf gesetzt."

Starkult und Antiken-Verehrung

Darin besteht der Clou der Sonderausstellung auf Schloss Ambras: Sie zeigt nicht nur jene Artefakte, mit denen Maximilian hoffte, der Nachwelt im Gedächtnis zu bleiben. Sie liefert den Subtext gleich mit, den Ferdinand als erster Kurator, den Erinnerungsstücken durch seine museale Inszenierung mitgegeben hat. Beispiel: Die sogenannte Helden-Rüstkammer. Eine Reihe von Holzschreinen im Antikenchic, in denen die Rüstungen von Kriegshelden wie Schaufensterpuppen posieren. Darunter natürlich auch jene von Maximilian. Eine Mischung aus Starkult und Antikenverehrung. Und durchaus zeittypisch.

© Schloss Ambras

Maximilian als Superstar

Ferdinand war eben ein Kind der Renaissance, einer Zeit, die das Individuum recht egoistisch in den Mittelpunkt stellte, auf Helden also ziemlich scharf war, und außerdem von griechischer Größe träumte. Sandbichler: "Ja, es gibt mehrere Bezugsebenen zur Antike in der Zeit Erzherzog Ferdinands II. und Maximilians natürlich. Der genealogische ist ganz offensichtlich, wenn man sich ansieht, dass er seine Abstammung, seine Herkunft auch immer in eine Reihe mit den römischen Imperatoren gestellt hat."

Wirkung vor Wahrheit

Eine Praxis, die Ferdinand dankbar aufnahm. Ahnenreihen begegnen einem auf Schloss Ambras jedenfalls allerorten. Ob in Büsten oder Wandmalereien, die Römer machten immer den Anfang. Schließlich ging es um die Legitimation der eigenen Herrschaft, da mussten schon historische Schwergewichte her: Trajan, oder besser gleich Cäsar. Für Maximilian allerdings noch immer nicht genug. Der zählte in seinem genealogischen Größenwahn sogar König Artus oder den biblischen Noah zur engeren Verwandtschaft. Da offenbart sich dann doch ein eher volatiles Verhältnis zu den Fakten. Nach dem Motto: Wirkung vor Wahrheit. Uns irgendwie vertraut, oder? Sandbichler: "Also mit Trump hätte ich Maximilian noch nie in Verbindung gebracht, aber was Sie hier im Kern ansprechen – politisches Marketing und Umgang mit Wahrheit – trifft meines Erachtens zu 100 Prozent auf Kaiser Maximilian zu. Er hat sich fiktiver Geschichten bedient, um seine Absichten durchzusetzen, in Bild und Wort."

Die Tiroler Landesausstellung über Maximilian I. "Zu Lob und ewiger Gedachtnus" läuft bis 30. Oktober.

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