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Trauer um Schauspieler Max von Sydow | BR24

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Zahlreiche Filme mit Ingmar Bergman, dazu Kultrollen in "Der Exorzist" und "Game of Thrones": Max von Sydow hat sich in seiner langen Schauspielkarriere nicht auf ein Filmgenre festlegen lassen. Nun ist der große Mann mit der tiefen Stimme gestorben.

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Trauer um Schauspieler Max von Sydow

Zahlreiche Filme mit Ingmar Bergman, dazu Kultrollen in "Der Exorzist" und "Game of Thrones": Max von Sydow hat sich in seiner langen Schauspielkarriere nicht auf ein Filmgenre festlegen lassen. Nun ist der große Mann mit der tiefen Stimme gestorben.

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Max von Sydow war ein junger Theaterschauspieler in Malmö, als er Ingmar Bergman kennenlernte – oder der ihn. Der Beginn einer langen und fruchtbaren Zusammenarbeit: Bergman besetzte den schlaksigen Sydow für die Hauptrolle in "Das siebente Siegel" (1957), den Ritter Antonius Block, der in Zeiten der Kreuzzüge und der Pest dem Tod begegnet und ihn zu einem Schachspiel um sein Leben bringt.

Bergman, Horror und Fantasy

Ein starker Auftritt, in dem von Sydow sich als Charakterdarsteller zeigen konnte. "Bergman zu treffen, war das wichtigste Ereignis meines Lebens", sagt von Sydow später der dänischen Zeitung "Berlingske": "Ich habe ihn bewundert und große Verantwortung gegenüber den Aufgaben gespürt, die er mir gegeben hat."

Max von Sydow dreht 13 Filme zusammen mit Bergman, unter anderem ist er in "Wilde Erdbeeren" (1957), "Die Stunde des Wolfes" (1967) und "Schande" (1968) zu sehen. Bergman macht Sydow zum Spezialisten gebrochener, vielschichtiger Figuren.

© picture alliance/Everett Collection

Max von Sydow im Bergman-Fim "Schande", zusammen mit Liv Ullmann (1968)

Auch international arbeitete Max von Sydow mit großen Regisseuren zusammen: Woody Allen, Wim Wenders, Martin Scorsese, Steven Spielberg. Hollywood besetzte ihn besonders gern für die düsteren Rollen, die zwielichtigen und unzugänglichen Charaktere. Unvergessen sein Auftritt im Horror-Klassiker "Der Exorzist" 1973 als Jesuit, der einen Exorzismus an einem Mädchen vollzieht, um einen Dämon auszutreiben. Noch so ein Grenzgang zu den dunklen Seiten der menschlichen Seele.

Zweimal für den Oscar nominiert

Max von Sydow, geboren 1929 im südschwedischen Lund, war schon als Gymnasiast in einer Theatergruppe, die Schauspielerei war sein Leben. Und er arbeitete bis ins hohe Alter, auch wenn er sich einmal gegenüber dem Guardian darüber beklagte, die Rollen würden mit der Zeit nicht interessanter: "Wenn du älter wirst, bekommst du die alten Charaktere angeboten, und sehr oft sterben alte Leute mitten im Drehbuch. Es ist traurig, aber nicht sehr interessant." Trotzdem stand Max von Sydow auch mit über 80 noch vor der Kamera, das jüngere Fantasy-Publikum kennt ihn zum Beispiel aus dem Star Wars-Kinofilm "Das Erwachen der Macht" (2015) und der TV-Serie "Game of Thrones".

Eine Oscar-Nominierung als bester männlicher Nebendarsteller brachte von Sydow sein Part als stummer Mann in "Extrem laut & unglaublich nah" (2011) nach dem Bestseller von Jonathan Safran Foer ein. Allerdings ging von Sydow leer aus, wie schon zwei Jahrzehnte zuvor, als er für seine Darstellung eines alten, gedemütigten Bauern in "Pelle, der Eroberer" von Bille August als bester Hauptdarsteller ins Rennen um die begehrte Auszeichnung gegangen war.

Den Oscar bekam Max von Sydow also nicht, wurde aber dennoch für seine Arbeit vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Grimme-Preis und dem Europäischen Filmpreis. 2002 wurde er auf dem Filmfestival von Cannes für sein Lebenswerk geehrt.

© picture-alliance / KPA

Max von Sydow in "Der Exorzist" (1973)

Der Wahlfranzose aus Schweden

1997 heiratete Max von Sydow in zweiter Ehe die Filmemacherin Catherine Brelet, seither lebte er viel in Frankreich, 2002 nahm er die französische Staatsbürgerschaft an. Seine Frau war es auch, die nun den Tod ihres Mannes am Sonntag bestätigte. Mit "gebrochenem Herzen und unendlicher Traurigkeit" gebe man den Abschied von Max von Sydow bekannt, sagte Brelet dem französischen Magazin "Paris Match".

Mit Material der dpa