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Max Uthoff: "Corona ist extrem unergiebig für Kabarett" | BR24

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Kabarettist Max Uhhoff erhält den Bayerischen Kabarettpreis 2020, ein Gespräch mit dem Preisträger.

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Max Uthoff: "Corona ist extrem unergiebig für Kabarett"

Mit 17 stand er schon auf er Bühne, dann folgte der Bruch: ein Jurastudium in Wien. Warum Max Uthoff danach wieder zum Kabarett zurückkehrte – und vermutlich nur die Meerschweinchen-Besitzer unter seinen Fans noch nicht verärgert hat.

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Von
  • Judith Heitkamp

Max Uthoff macht schnelles Kabarett, auf der Bühne und als Gastgeber in der ZDF-Satire-Sendung "Die Anstalt". Er wird unter anderem für "atemberaubendes Tempo von These, Antithese, Synthese" ausgezeichnet mit dem Bayerischen Kabarett-Preis, vergeben vom Bayerischen Rundfunk und dem Münchner Lustspielhaus. Judith Heitkamp hat mit Max Uthoff gesprochen.

Judith Heitkamp: Wir erwischen Sie zwischen Tournee-Auftritten, wie schön, dass Sie weiter auftreten. Haben Sie schon Erfahrungen mit maskiertem Publikum gesammelt?

Max Uthoff: Ja, ich hatte maskiertes Publikum, unmaskiertes Publikum, Masken am Eingang, Masken bei der Garderobe, in der Pause und hab auch völlig ohne Pause gespielt. Man hat einiges durch, nur vor Autos hab ich noch nicht gespielt, habe ich mich nicht getraut.

Autokino-Kabarett?

Autokino-Kabarett. Hazel Brugger hat das zum Beispiel gemacht. Ich bin kein leidenschaftlicher Autofahrer. Für mich hat Hupen nur eine Bedeutung, und ich wollte nicht angehupt werden.

Man kann viel weniger Reaktion wahrnehmen, wenn die Gesichter großenteils durch Masken verborgen sind. Und dann reagieren die Leute, die jetzt so vereinzelt sitzen und dann auch noch Masken tragen, wahrscheinlich sowieso verhaltener. Macht es das für Ihr Fach nicht besonders schwer?

Doch. Ich glaube, dass die Reaktionen des Publikums verhaltener sind aufgrund dieser Maßnahmen. Die Masken wirken sich da eigentlich weniger aus als die Vereinzelung. Ich habe mal in Stuttgart gespielt und jeder Zuschauer saß einzeln, mit einem Mindestabstand zum Nachbarn. Das ist für die Stimmung extrem schlecht, wenn nicht mal mehr Pärchen nebeneinander sitzen. Aus langer Kabarett-Erfahrung kann ich sagen, dass es häufig Frauen sind, die eher ein bisschen aus sich herausgehen und ihren Partner mit sich ziehen und begeistern. Wenn diese Interaktion untereinander wegfällt, dann wird es relativ hart.

Wie ist es inhaltlich mit dem Thema? Ist Corona ein gutes Thema für Kabarett?

Nein. Für mich nicht. Ich halte Corona für extrem unergiebig. Wir werden uns am Ende des Jahres vielleicht mit einem kleinen Jahresrückblick in der "Anstalt" damit beschäftigen. Die Maßnahmen, ja Gott, manchmal wirken sie eben dilettantisch, es geht drunter und drüber, man muss dem Virus auch zugestehen, dass es so erfolgreich ist, weil es nicht jeden Tag dasselbe macht, sondern sich verändert. Es ist, finde ich, wenig politisch und deswegen für mich auch nur wenig interessant.

Kabarett funktioniert oft so, dass der auf der Bühne lustig sagt, wie er es politisch so findet. Und die im Publikum fühlen sich dann bestätigt. Aber Sie verbünden sich jetzt nicht direkt mit ihrem Publikum … im aktuellen Programm beispielsweise teilen Sie erst gegen Hundebesitzer aus und dann gegen Katzenbesitzer. Da bleibt nicht mehr so viel übrig.

Das ist extrem demokratisch. Ich habe eigentlich nur noch Fans auf der Meerschweinchen-Besitzer-Seite bei mir.

Die sind dann halt schon im Bett.

Die sind schon im Bett, richtig. Es wird immer schwieriger für mich. Tatsächlich mache ich mir vorher keine großen Gedanken, ob ich die Meinung von irgendjemandem einfange. Das sollte Kabarett doch vielleicht auch beinhalten, ohne Marketing einfach zu sagen, was man sagen will über die Zustände und das in die eigene Art und Form passen, ohne sich vorher Gedanken über die Rezeption des Publikums zu machen. Ich bin ja ohnehin keiner, der Schenkelklatscher aneinanderreiht, sondern ich fordere die Leute häufig durch ein etwas höheres Tempo … und, dass ich es mir mit den Hundebesitzern verscherze bei dem Programm, das liegt ein bisschen natürlich am Titel, der wieder mit der Anekdote über Straßenhunde in Moskau zusammenhängt, die ich am Ende des Programms auflöse … es gibt tatsächlich fantastische Hundebesitzer, großartige, tolle Hunde, aber im Allgemeinen nehme ich wenig Rücksicht auf die Befindlichkeiten der einzelnen Zuschauer.

Maren Kroymann und Tahnee kriegen den Ehrenpreis und den Senkrechtstarter-Preis beim Bayerischen Kabarettpreis. Beide waren gerade noch beim Comedy-Preis dabei. Wie sehen Sie das Verhältnis Kabarett und Comedy?

Völlig entspannt, das sind Bezeichnungen. Wir sollten aufhören, darüber nachzudenken und die Schwierigkeit dem Veranstalter überlassen, der das Plakat schreiben muss. Ich bin ja eh fein raus, diese Klassifizierungen bedeuten ja eher Probleme für die Journalisten, die sich da Begrifflichkeiten ausdenken müssen. In Österreich ist alles Cabaret, in England, Amerika ist alles Comedy, weil es da den Begriff Kabarett nicht gibt. Die Übergänge sind fließend. Mir ist intelligente Comedy, wenn man es so nennen will, immer noch lieber als maues Kabarett. Wie soll man jemanden wie Rainald Grebe beschreiben? Ist das Comedy, ist das Kabarett oder einfach nur Rainald Grebe? Das gilt für Helge Schneider, für Ringsgwandl. Wir haben so viele Leute, die genre-übergreifend tätig sind. Das ist gut so, weil es wahrscheinlich beide Seiten befruchtet.

Ich dachte, Sie hätten vielleicht gesagt – Kabarett ist moralischer?

Nicht unbedingt. Ich glaube, dass wir gerade im Kabarett in der letzten Zeit eine kleine Spaltung sehen von Kollegen, die sich mit der Moral nicht mehr beschäftigen wollen und eher beklagen, dass man im Kabarett immer von der moralischen Seite oder aus der linken Perspektive argumentiert. Und das ist auch völlig in Ordnung. Warum sollte Kabarett nicht auch den Pluralismus einer Gesellschaft widerspiegeln? Ich tatsächlich habe es ganz gerne mit der Moral. Ich halte Moral-Kritik grundsätzlich für ein Zeichen der Reaktion. Man sieht das beim Begriff "Political Correctness". Das ist letztlich ein Kampfbegriff, der von den Rechten aufgebaut worden ist, um eben nicht mehr aus der Perspektive von Ethik und Moral auf die Gesellschaft zu schauen.

Mehr dazu im aktuellen Programm, auch was einzelne Kollegen betrifft.

Na ja, also den einen oder anderen Seitenhieb kann ich mir leider im Moment nicht verkneifen. Vielleicht ist es auch eine Bemerkung oder eine Kommentierung. Ich halte nichts von diesem Gehorsam, den wir ja woanders auch anprangern. Bei Soldaten, Polizisten oder dergleichen beklagen wir, wenn Kollegen auf Biegen und Brechen gestützt werden. Und im Kabarett ist das die letzte Form der Haltung, die mir einfällt.

Wie kommt es, dass Sie erst Jurist werden wollten und gar nicht auf die Bühne, im Gegensatz zu Ihren Eltern – beide Theatermenschen – und dann aber doch?

Nein, das ist nicht ganz richtig, ich habe schon mit 17 auf der Bühne gestanden und noch vor dem Abitur abends mitgespielt. Ich bin im Theater groß geworden, im Kabarett bei meinen Eltern, und habe von der Pike auf alles gemacht, Garderobe, Technik, Theke. Und mitgespielt, fünf, sechs Jahre lang. Und habe dann einen Bruch gemacht, weil ich mal aus München heraus musste und was anderes sehen wollte. Ich habe anderthalb Jahre in Wien gelebt und mich ums Kabarett gar nicht mehr gekümmert. Erst nach meinem Jurastudium, als ich wusste, dass die Rechtswissenschaft nichts ist, was mich auf Dauer mit Freude erfüllt, bin wieder zum Kabarett zurück.

Mögen Sie den Kabarett-"Professor", der Ihnen in der Jury-Begründung für den Bayerischen Kabarettpreis attestiert wird?

Ganz ehrlich, nicht wirklich, "professoral" klingt doch ein bisschen arg verstaubt. Ich assoziiere mit dem Begriff Professor etwas, das ich aus der Uni kenne, also etwas wenig Unterhaltsames, Verschnarchtes … und ich weiß auch nicht, ob ich überhaupt schon alt genug bin für den Begriff. Aber wie dem auch sei, man hat es ja nicht in der Hand, wenn andere das so sehen, dann mögen sie es tun. Wenn, dann wenigstens ein Professor, der halbwegs schnell unterwegs ist.

Die Verleihung des Bayerischen Kabarettpreises überträgt BR Fernsehen Donnerstag 29. Oktober ab 21:00 Uhr.

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Der Bayerische Kabarettpreis wird noch rechtzeitig vor dem teilweisen Lockdown gefeiert: Er geht dieses Jahr an die Senkrechtstarterin Tahnee, den Musiker Sebastian Krämer und an Maren Kroymann und Max Uthoff.

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