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Bühne beim Max Ophüls Preis
© Max Ophüls Festival

Autoren

Knut Cordsen
© Max Ophüls Festival

Bühne beim Max Ophüls Preis

Heute beginnt in Saarbrücken das Festival Max-Ophüls-Preis – jenes Festival, das vor allem für den filmischen Nachwuchs wichtig ist. Der Max-Ophüls-Preis gilt als die wichtigste Auszeichnung für das junge deutschsprachige Kino. Zum 40. Mal findet der Wettbewerb heuer statt. Knut Cordsen hat zum Auftakt mit der Leiterin des Festivals, Svenja Böttger, gesprochen.

Knut Cordsen: Ihr Festival ist nach dem in Saarbrücken geborenen Filmregisseur Max Ophüls benannt. 1980 ging es los mit dem Festival, da waren Sie noch gar nicht geboren.

Svenja Böttger: Richtig, da war ich noch nicht mal in Planung, ich bin Jahrgang 1988.

Sie sind mit 27 Jahren Chefin des Max-Ophüls-Festivals geworden und leiten das Festival bereits im dritten Jahr. Haben Sie den Eindruck, dass das Kino in Ihrer Generation, der Generation der Um-die-30-Jährigen, noch die Rolle spielt, die es in der Zeit vor Netflix, Amazon Prime & Co. gespielt hat?

Das ist eine gute und wichtige Frage. Ich glaube, das wird sich erst zeigen in den nächsten Jahren bzw. in den nächsten ein, zwei Jahren – dadurch, dass das so schnelllebig ist. Das Kino ist immer noch sehr wichtig, und es hat auch seinen Stellenwert, es behauptet sich gegen YouTube, Netflix, Amazon und Co. Aber natürlich, gerade meine Generation ist halt mit Computern, mit Technik aufgewachsen, und wir haben meistens die Qual der Wahl und lernen dann zu entscheiden: Was möchte ich wo gucken?

Das heißt: Die Lust auch junger Filmemacher fürs Kino zu arbeiten – und nicht gleich für die derzeit so populären Streaming-Portale – ist nach wie vor groß?

Auf jeden Fall, weil das nach wie vor die Königsklasse ist. Das ist immer noch ein spannendes Feld. Man kann gut beobachten, dass es wichtiger wird, dass man Sachen parallel machen kann. Das zeigen wir auch im dritten Jahr, dass man neben dem Kinofilm auch die anderen Spielwiesen gut nutzen kann. Da wird die Frage immer wichtiger: Welche Geschichte möchte ich erzählen und was ist der richtige Kanal dafür?

Haben Sie bei der Vorbereitung dieses Jubiläums-Festivals über die 40-jährige Geschichte des Filmfestivals Dinge erfahren, die Ihnen bisher unbekannt waren?

Total. Es war sehr schön zu sehen, wer in den letzten 40 Jahren hier war, was für Filme gezeigt wurden, was alles passiert ist. Wir haben eine Festschrift vorbereitet und 78 Mitwirkende, ehemalige Preisträger, Filmemacher gefragt, was denn so ihr persönlicher Moment auf dem Festival war. Wir haben alte Presseartikel herausgesucht und fanden es sehr spannend, dass die Situation für den Filmemacher 1981 in ganz vielen Punkten eine ähnliche war wie heute. Auch nach 40 Jahren wird immer noch darüber diskutiert, ob wir zu viel oder zu wenig Nachwuchs haben, ob zu viel im Kino gezeigt wird oder zu wenig. Da gibt es einen schönen Artikel vom ehemaligen Leiter der Berlinale, Wolf Donner, der auf das Max-Ophüls-Festival eine Lobeshymne geschrieben hat darüber, warum dieses Festival so wichtig ist. Auch 38 Jahre später ist es immer noch aktuell, darüber zu diskutieren.

Inwiefern wird denn die Festival-Geschichte Thema sein dieses Jahr in Saarbrücken?

Wir haben eine Jubiläums-Reihe, in der wir parallel zum Wettbewerb zeigen, was in den letzten Jahren bei uns gelaufen ist und wer hier war. Wir werden Dienstag bis Samstag jeweils zweimal abends Filme aus den letzten 40 Jahren zeigen und haben Gäste dazu eingeladen. Die Regisseurin Barbara Albert kommt und stellt ihre Filme vor. Dominik Graf wird da sein, ebenso Wieland Speck. Wir reden darüber, was passiert ist und wo es hingeht.

Das Festival hat sich ja von Anbeginn an mit gesellschaftlich gleichermaßen relevanten wie brisanten Themen befasst. Man konnte schon 2016, um in die jüngere Vergangenheit zu gehen, Filme von Geflüchteten sehen. Im vergangenen Jahr ging es im Rahmen von #MeToo um Geschlechtergerechtigkeit, in diesem Jahr wird es um Diversität gehen. Heißt das, die Auswahl der in den Wettbewerb gelangten Filme richtet sich nach den Themen aus, mit denen sich diese Filme befassen, oder sind das lediglich Schwerpunktthemen?

Das sind Schwerpunktthemen. Uns geht es darum zeigen zu können, was die Filmemacher gerade bewegt, was sie interessiert, welche Geschichten sie erzählen wollen und aufgreifen. Wir wollen in diesen Schwerpunktthemen aufgreifen, was den Nachwuchs im Filmbereich, aber auch was die Branche im Moment bewegt und betrifft.

Was sind das für Filme. die sich mit Diversität, unterschiedlichen Geschlechtsidentitäten auseinandersetzen?

Im Wettbewerb 2019 ist beispielsweise der Film "Nevrland" (sic) von Gregor Schmidinger, 2017 war "Siebzehn" von Monja Art unser Gewinner – auch das eine Coming-of-Age-Geschichte über eine Liebesbeziehung zwischen zwei Mädchen. Bei Schmidinger geht es um zwei junge Männer. Das wird immer wieder aufgegriffen. Für uns ist auch interessant, dass im jungen Film gerade Genre-Elemente wieder sehr stark verwendet werden und die jungen Filmemacher immer wieder Film-Genres mixen, um auch tiefere Ebenen aufgreifen, um die Gesellschaft beschreiben und kritisieren zu können. Da spielt natürlich auch die eigene Identität oder die Identität innerhalb der Familie eine große Rolle.

Der Eröffnungsfilm heute Abend ist ein Politthriller im Geheimdienstmilieu, "Das Ende der Wahrheit". Gedreht hat ihn der 39-jährige Philipp Leinemann. Worum geht es darin?

Da geht es auch darum, ein sehr aktuelles Thema aufzugreifen: Welche Rolle hat der BND für sich, auch für seine Mitarbeiter und welche Rolle spielt er eigentlich in der Gesellschaft? Wie geht der Bundesnachrichtendienst mit Flüchtlingen um, mit Informationen? Das sind aktuelle Themen, wenn man zum Beispiel die Causa des ehemaligen Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maaßen nimmt. Wir wissen kaum, welches Selbstverständnis der BND hat und wie er auch wahrgenommen werden kann.

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Autoren

Knut Cordsen

Sendung

kulturWelt vom 14.01.2019 - 08:30 Uhr