BR24 Logo
BR24 Logo
Kultur

Das macht Max Klingers Kunst nach 100 Jahren noch sehenswert | BR24

© graphische-sammlung.mwn.de

Adam trägt Eva: Aus einem Grafikzyklus von Max Klinger

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Das macht Max Klingers Kunst nach 100 Jahren noch sehenswert

Er war Bildhauer und Maler. Doch berühmt wurde Max Klinger, dem die Pinakothek der Moderne in München 100 Jahre nach seinem Tod eine Ausstellung ausrichtet, durch seine Grafik-Zyklen. Die Ausstellung zeigt auch bisher unbekannte erotische Arbeiten.

Per Mail sharen
Teilen

Die frühen Radierzyklen von Max Klinger aus den 1880er Jahren machen die Bedeutung dieses Künstlers sofort augenscheinlich: In "Der Handschuh" zeigt der vor 100 verstorbene Klinger, wie ein junger Mann den Handschuh aufhebt, den eine junge Frau beim Rollschuhfahren verloren hat. Und wie dieser danach zum Fetisch dieses Finders wird.

Max Klinger - ein einflussreicher Künstler

Sofort versteht man, dass diese fantasievollen Druckgrafiken das Werk von Alfred Kubin, Max Ernst und das anderer Surrealisten sehr beeinflusst haben. Im Zyklus "Dramen" demonstriert Klinger die sozialen Notlagen seiner Zeit – an Einzelschicksalen wie auch an Bildern von großen Demonstrationen. Von hier führt ein direkter Weg zu Käthe Kollwitz oder Ernst Barlach. Kurator Andreas Strobl konnte bei seiner opulenten Ausstellung gleich auf zwei Quellen zurückgreifen: Die Sammlungen des Kunsthändlers Carl Beyer und der Chemnitzer Unternehmerfamilie Vogel befinden sich inzwischen in der Staatlichen Graphischen Sammlung. Strobl sieht Max Klinger als Ausgangspunkt der Kunst des 20. Jahrhunderts: "Er hat ungeheuer eindringliche Bilder erfunden zu Themen, die bis dahin noch keine wirklichen Themen in der bildenden Kunst gewesen sind: Das sind zum einen traumhafte Szenen, die auch alptraumhaft natürlich sein können. Und das sind zum anderen aber auch sozialrealistische Themen."

"Zelt", der letzte Radierzyklus des Grafikers Max Klinger, den er kurz vor seinem Tod beendet hat, wird eher selten gezeigt. Auf den 46 Blättern geht es um schöne, oft nackte Frauen und um Ritter, die diese Frauen jagen. Das Ganze spielt in einem märchenhaften Orient. Auf Blatt 8 "Vergewaltigung" sieht man etwa einen Mann, der eine entblößte Frau unerbittlich an den Armen packt und auf dem Bett festhält. Max Klinger war ein Symbolist, ihm ging es also auch um das Unterbewusste, Alptraumhafte. Auf seinen Blättern erblickt man also noch einmal die schwüle erotische Atmosphäre des Fin de Siecle um 1900.

Umstrittenes Spätwerk von Klinger

Trotzdem: Diese späten Werke von Max Klinger demonstrieren vor allem inhaltlich, dass spätestens 1915 die Zeit an ihm vorbeigegangen war. Allerdings blieb er rein handwerklich zeitlebens ein überragender Künstler. Bei allen Zyklen zeigen in der Ausstellung verschiedene Druckzustände der einzelnen Blätter anschaulich, wie Max Klinger immer wieder ergänzte, wegließ, oder auch einzelne Blätter sogar wieder neu angefangen hat. Erstaunlicherweise machte der Künstler aber, auch im Interesse seiner fanatischen Sammler, wirklich von jedem dieser Zustände mindestens einen Abzug, sogenannte Probedrucke.

Max Klinger ist auch Bildhauer und Maler gewesen. Doch seine wichtigsten Resultate hat er auf dem Gebiet der Druckgrafik erzielt. Auflagenkunst, heute nennt man das auch Multiples. So gesehen war Max Klinger ein ganz moderner Künstler. Andreas Strobl fasst zusammen: "In seiner Zeit, um 1900 herum, war er unumstritten der bedeutendste deutsche Künstler, lebende. Und dann ist er aber auch wieder in Vergessenheit geraten. Er ist immer wieder herausgeholt worden und ist jetzt ein Künstler, der sozusagen regelmäßig wiederentdeckt wird, kurioserweise."

Die Ausstellung "Max Klinger - Zelt und andere Zyklen" ist bis zum 10. Mai 2020 in der Pinakothek der Moderne München zu sehen.

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

Aktuelle Debatten, neue Filme und Ausstellungen, aufregende Musik und Vorführungen ... In unserem kulturWelt-Podcast sprechen wir täglich über das, was die Welt der Kultur bewegt. Hier abonnieren!