BR24 Logo
BR24 Logo
BR24

Massive Vorwürfe: Wie korrupt ist Hollywoods Auslandspresse? | BR24

© Chris Pizello/Picture Alliance

Schwerarbeit: Aufbau zur einer Golden-Globes-Verleihung

Per Mail sharen

    Massive Vorwürfe: Wie korrupt ist Hollywoods Auslandspresse?

    Ganz schlechte Presse vor der Verleihung der "Golden Globes": Der Verband der Auslandsjournalisten in der US-Filmmetropole gilt als dringend reformbedürftig. Kritiker bemängeln, der Verein sei mehr an Einladungen als an Filmkunst interessiert.

    Per Mail sharen
    Von
    • Peter Jungblut

    Kurz vor der Verleihung ihrer prestigeträchtigen "Golden Globes"-Filmpreise am kommenden Sonntag sieht sich die Hollywood Foreign Press Association (HFPA) mit sehr unliebsamen Schlagzeilen konfrontiert. Der kleine Verein, der nach eigenen Angaben "rund 90" Mitglieder hat, wird in der "Los Angeles Times" als Selbstbedienungsladen dargestellt, in dem es weniger um Filme geht als um schicke Einladungen in Nobelhotels und Luxusrestaurants, vor allem aber um üppige Geldzahlungen.

    Gleichzeitig werden die Nominierungen für die "Golden Globes" als teilweise bizarr kritisiert, besonders in diesem Jahr. "Die einen feiern den Verband, die anderen halten ihn für einen Witz", so das Online-Fachblatt "Deadline", und mit dem "Zeitgeist" habe die HFPA schon lange keinen Kontakt mehr.

    "Ich würde sagen, eine kleine Gruppe bei uns hat begriffen, dass wir uns ändern müssen, um zu überleben", so ein ungenanntes HFPA-Mitglied gegenüber der "Los Angeles Times": "Es geht darum, dass wir uns selbst ernst nehmen müssen, um ernst genommen zu werden." Das aber scheint nicht gerade wahrscheinlicher geworden zu sein, ganz im Gegenteil. Die HFPA machte bereits in der Vergangenheit immer wieder mit Skandalen Schlagzeilen, doch das, was das die größte örtliche Zeitung jetzt zusammengetragen hat, verdüstert die Zukunft ganz erheblich.

    "Sie behandelten uns wie Könige"

    Die Liste der eigennützigen Ausflüge und Partys ist lang. So sollen rund dreißig HFPA-Journalisten 2019 nach Frankreich gejettet sein, um dort eine neue Fernsehserie anzuschauen. Standesgemäß logierte die Gruppe auf Kosten von Paramount in einem Pariser Luxushotel: "Sie behandelten uns wie Könige und Königinnen", erinnert sich ein Teilnehmer. Selbstredend wurde die dort vorgeführte Serie hinterher trotz mittelmäßiger Kritiken zwei Mal für einen "Golden Globe" nominiert.

    Ein ebenfalls anonymer Informant aus dem Filmgeschäft wird mit dem Satz zitiert, die Auslandsjournalisten in Hollywood lebten "mehr für die Events als für die Filme" und seien auf "nette Einladungen an eleganten Orten" fixiert: "Wenn du ihnen das nicht bietest, beschweren sie sich, dass es nicht großartig war, und zwar sehr deutlich."

    Offiziell dürfen HFPA-Mitglieder keine Geschenke annehmen, die teurer sind als 125 Dollar, aber die Filmindustrie findet offenbar gleich wohl jede Menge Wege, dem kleinen Kreis von derzeit 87 Stimmberechtigten Wohltaten zukommen zu lassen. Das sei allemal billiger, so die "Los Angeles Times", als die über 10.000 Mitglieder der Academy gewogen zu halten, die die Oscars vergibt. Es ist auch davon die Rede, dass einzelne HFPA-Vertreter gern bereit seien, gegen üppige Zahlungen bei ihren Kollegen gute Stimmung für Filme zu machen. Anders als bei der Academy werden die Vorstandsmitglieder der HFPA bezahlt, teilweise fünfstellig, und für Textbeiträge auf der Homepage des Verbands sollen Mitglieder im Steuerjahr 2019/20 knapp 600.000 Dollar erhalten haben.

    Fernsehvertrag bringt jährlich 28 Millionen Dollar

    Generell sei der Verein mehr und mehr zu einer Versorgungseinrichtung für Senioren geworden, so der geäußerte Hauptvorwurf, denn die meisten Mitglieder könnten mit ihrer Arbeit längst nicht mehr ihren Lebensunterhalt bestreiten: Interviews mit Hollywoodstars aus der zweiten und dritten Reihe brächten inzwischen wenig Geld. Haupteinnahmequelle der HFPA ist der Fernsehvertrag mit NBC, wo die "Golden Globes"-Gala übertragen wird. Die "Los Angeles Times" spricht von knapp 28 Millionen Dollar jährlich.

    Nach dem Tod des Präsidenten Lorenzo Soria (68) im vergangenen August wird die HFPA für den verbleibenden Rest von dessen Amtszeit bis zum 1. Juli 2021 von Stellvertreter Ali Sar geleitet, der aus Istanbul stammt und neben türkischen auch argentinische Medien bedient, sowie für die "Moscow Times" arbeitet. Außerdem war er zwanzig Jahre für die "Los Angeles Daily News" tätig. Sar ist seit 35 Jahren Mitglied der HFPA.

    Im vergangenen November hat ein Richter dem Verband in einem Streit um eine abgelehnte Neuaufnahme rechtgegeben. Die norwegische Journalistin Kjersti Flaa wollte dem Verein beitreten und schimpfte nach ihrer Abfuhr, es handle sich um ein "Kartell", das qualifizierten Kräften den Zugang verweigere. Das Gericht urteilte jedoch, Flaa habe keinerlei berufliche Nachteile dadurch, dass sie kein HFPA-Mitglied sei.

    Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

    Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, Events, Debatten und auch großes Vergnügen. Hier geht's lang