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Elfriede Schießleder ist stellvertretende Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern. Sie findet es beeindruckend, dass Kardinal Reinhard Marx einen Amtsverzicht in Aussicht stellt. Es zeige, wie ernst er sein Amt nehme, betonte sie.

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Marx' Rücktrittsangebot: Laienvertreterin sieht positive Seite

Elfriede Schießleder, stellvertretende Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, findet es beeindruckend, dass Kardinal Marx seinen Amtsverzicht angekündigt hat. Es zeige, wie ernst er dieses nehme, sagte Schießleder im BR-Interview.

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Von
  • Birgit Harprath
  • Robert Scharold

Nach dem gestern bekannt gewordenen Rücktrittsgesuch von Kardinal Reinhard Marx hat die Theologin Elfriede Schießleder im Bayern 2-Interview betont, dass sie diesem Schritt auch etwas Positives abgewinnen kann. Schießleder ist stellvertretende Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern.

"Es ist vielleicht die Erfüllung einer meiner kühnsten Träume, dass es einen Bischof gibt, der sein Amt so ernst nimmt zu sagen: 'Ich übernehme Verantwortung auch für das, was geschehen ist und nicht schon justiziabel nachweisbar ist'", so Schießleder. "Das fand ich unglaublich stark."

Marx hatte gestern erklärt, er wolle mit einem Amtsverzicht ein Zeichen setzen für eine "Erneuerung der Kirche" und Verantwortung für den Missbrauchsskandal übernehmen. Gleichzeitig hatte er aber auch betont, "nicht amtsmüde" zu sein.

Marx' Rücktritt wäre "ewig schad"

Aus Sicht der promovierten Theologin habe Marx durch den Schritt der Kirche eine neue Dimension eröffnet. Marx verfolge ihrem Eindruck nach keine Salami-Taktik und sage sich nicht, "was ist strafbar, wo muss ich wen aus dem Amt entfernen, sondern ich gehe als Bischof in diesem Falle meiner Kirche voran und sage: Leute, wir haben gesehen und wir, das bin auch ich". Sie empfinde einen Rücktritt von Marx aber als "ewig schad", so Schießleder.

Schießleder: Kölner Kardinal Woelki hätte zurücktreten müssen

Ob nun auch der umstrittene Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki zurücktreten muss, dazu äußerte sich Schießleder offen. "Ganz ehrlich: Meinem Gewissen folgend hätte er das längst tun müssen. Er hat sein eigenes Gewissen, er hat seine eigenen Beweggründe, da haben wir Katholiken untereinander auch eine gewisse Beißhemmung. Aber tatsächlich ist es so, dass es in Köln aussieht, als sei jetzt soviel Porzellan zerbrochen, als dass Hirt und Herde wieder zusammenfinden."

💡 Landeskomitee der Katholiken in Bayern

Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern ist von den Bischöfen anerkannt und repräsentiert die gut 6,4 Millionen Katholiken im Freistaat. Die meisten Mitglieder des Gremiums kommen aus den Räten der sieben Bistümer, aus kirchlichen Verbänden, Organisationen und Initiativen.

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Dass ein amtierender Bischof wie Reinhard Marx sich selbst in die Verantwortung nimmt für sexuelle Gewalt gegen Kinder in der katholischen Kirche und für Vertuschung und zögerliche Aufarbeitung, das ist ein starkes Signal.

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