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Asiatische Passionsgeschichte: Martin Scorseses Film "Silence" | BR24

© Concorde

Filmausschnitt "Silence"

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    Asiatische Passionsgeschichte: Martin Scorseses Film "Silence"

    Seit 30 Jahren will US-Regisseur Martin Scorsese diese Geschichte erzählen - über Jesuiten und die Christenverfolgung in Asien. Im Mittelpunkt des nun produzierten Films stehen zwei junge Priester im Japan des 17. Jahrhunderts. Von Kirsten Martins

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    Martin Scorsese wurde in eine streng katholische Familie sizilianischer Einwanderer hineingeboren. Schon mit 14 Jahren wollte er Priester werden, flog jedoch vom Seminar. Gewalt, Schuld und Erlösung aber sind die großen Themen des US-amerikanischen Regisseurs geblieben.

    Gewalt, Schuld, Erlösung

    In "Silence" geht es um die Passions-Geschichte des Padre Rodrigues, der sich nach dem brutalen Tod eines anderen Jesuiten als Jesusfigur sieht. Die christlichen Bauern sind seine Jünger, ein japanischer Judas verrät ihn für ein paar Silberlinge, und irgendwann kräht ein Hahn im Morgengrauen. In einem hölzernen Käfig gefangen, erlebt Rodrigues wie im Hof des Inquisitors japanische Christen getötet werden, die ihrem Glauben nicht entsagen wollten. Der Missionar beginnt, an seinem schweigenden Gott zu zweifeln.

    Bilder wie von Hokusai

    Bilder wie von dem Japaner Hokusai gemalt: gebirgige Landschaften in verwaschenen, erdigen Grün- und Brauntönen, armselige Dörfer, Menschen in Schilfumhängen. Versteckt hinter Felsen und Büschen, sehen die Padres hilflos zu, wie die japanischen Gläubigen enthauptet und verbrannt werden. Drei Männer werden am Meer gekreuzigt, die tosenden Wellen der heran nahenden Flut ertränken sie.

    Missionarische Anmaßung

    Nur zaghaft kritisiert Scorsese in "Silence" die missionarische Anmaßung, einem unbekannten Land die christliche "Wahrheit" zu bringen. In der Romanvorlage ist der Inquisitor ein klug reflektierender Herrscher, der dem unbedarften Jesuiten in langen Gesprächen die Unterschiede zwischen Europa und Asien erklärt. Scorsese ließ diese Rolle von einem japanischen Komiker darstellen, der einen grinsenden Sadisten spielt und sich überraschend am Ende als scharfer Denker erweist. Ebenso fehlbesetzt die Rolle des Rodrigues mit Andrew Garfield, der sonst den Spiderman gibt.

    Ein überlanger, visuell berauschender Film, der jedoch die vielen Fragen, die sich bei diesem Thema stellen, bestenfalls andeutet.