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Marrakesch-Ansicht: Angelina Jolie lässt "Churchill" versteigern | BR24

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Bildrechte: Ian West/Picture Alliance

Wertvoller Churchill: Gemälde bei Christie´s

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    Marrakesch-Ansicht: Angelina Jolie lässt "Churchill" versteigern

    Es ist das einzige Bild, das der frühere britische Premierminister Winston Churchill im Zweiten Weltkrieg gemalt hat und erzielte spektakuläre acht Millionen Euro. Das aufsehenerregende Werk hatte Brad Pitt einst an seine Ex-Frau verschenkt.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Schauspielerein Angelina Jolie und ihre Familie sind über Nacht rund acht Millionen Euro reicher. Bei einer "Christie´s"-Versteigerung am Montagabend in London erwies sich ein von ihr eingeliefertes Gemälde des früheren britischen Premierministers und Weltkriegs-Helden Winston Churchill als Kassenmagnet. Statt wie ursprünglich geschätzt bei 1,5 bis 2,5 Millionen britischen Pfund wurde die Marrakesch-Ansicht "Der Turm der Koutoubia-Moschee" bei sagenhaften sieben Millionen Pfund zugeschlagen, mit Aufgeld bezahlt der Käufer umgerechnet fast zehn Millionen Euro.

    Winston Churchill war ein leidenschaftlicher Hobby-Maler und soll mehr als 500 Werke hinterlassen haben, aber während des Zweiten Weltkriegs hatte er keine Zeit zum Pinselschwingen. Mit einer einzigen Ausnahme: Als er sich im Januar 1943 mit dem amerikanischen Präsident Franklin D. Roosevelt in Casablanca zur Konferenz traf, auf dem als Kriegsziel die bedingungslose Kapitulation Deutschlands beschlossen wurde, hängten die beiden kurzerhand noch einen Tag dran und pilgerten in Churchills Lieblingsstadt Marrakesch. Das magische Abendlicht der romantischen Wüsten-Metropole hatte beide Politiker dermaßen bezaubert, dass Churchill beschloss, die Szene für Roosevelt auf Leinwand festzuhalten. Die Geschichte des Gemäldes mit dem Titel "Turm der Koutoubia Moschee" ist in diesem Fall also aufregender als das Motiv.

    War Churchill vom Militär-Erfolg motiviert?

    Insgesamt malte Churchill 45 Bilder mit marokkanischen Motiven, seit ihn sein Zeichenlehrer Sir John Lavery 1935 in das nordafrikanische Land geschickt hatte, um dort Licht- und Landschaftsstudien zu betreiben. Aber keines der anderen Gemälde ist für Nick Orchard vom Auktionshaus "Christie´s" in London so bedeutend wie das, was jetzt zur Versteigerung ansteht: "Vielleicht war Churchill damals vom Vorrücken der alliierten Streitkräfte in einem der schönsten Länder der Erde motiviert. Was die persönliche Bedeutung für den Maler angeht, ist es gewiss sein bestes Werk. Es ist ein Zeichen für die Bedeutung der Freundschaft zwischen den beiden Politikern."

    Roosevelt schenkte das Bild einst seinem Sohn Elliott, der es offenbar nicht so recht zu schätzen wusste und schon 1950 bei einem Kunsthändler in Nebraska einlieferte. Zu den weiteren Eigentümern gehörte Filmproduzent Norman G. Hickman, der 1964 den Churchill-Film "The Finest Hours" produzierte. Hickmans Nachkommen schienen den Wert des Gemäldes nicht erkannt zu haben und ließen es fünfzehn Jahre unangetastet, bis sie es schließlich an den Kunsthändler M.S. Rau abstießen.

    Darum ist Brad Pitt Churchill-Fan

    "Christie´s" nannte im Katalog als bisherigen Eigentümer des Gemäldes die "Familie Jolie". Die Schauspielerin Angelina Jolie soll das Werk einst von ihrem damaligen Ehemann Brad Pitt geschenkt bekommen haben. Der wiederum erwarb die Ansicht von Marrakesch 2011 in New Orleans für umgerechnet knapp 2,5 Millionen Euro, nachdem er seit seinem Auftritt im Weltkriegsdrama "Inglourious Bastards" (2009) Fan von Churchills Kunst sein soll. Pitt und Jolie sind seit September 2016 geschieden, die Ehe dauerte nur gut zwei Jahre.

    Bei der Auktion in London wurden auch zwei weitere Bilder von Churchill überraschend hoch gehandelt: Eine Ansicht der St. Paul´s Cathedral in London war auf 300.000 Pfund geschätzt und erzielte umgerechnet 1,2 Millionen Euro, bei einer weiteren Landschaft von Marrakesch fiel der Hammer erst bei knapp 2,2 Millionen Euro.

    Der Hobbymaler Churchill erzielte mit seinen Werken übrigens schon früher Höchstpreise. 2014 kostete ein Gemälde des Goldfischbeckens auf seinem Landsitz Chartwell bei "Sotheby´s" 1,8 Millionen Pfund. Das Werk stammte aus dem Besitz seiner verstorbenen Tochter Mary Soames. Und ein Stillleben aus den Dreißigerjahren mit seinem Lieblings-Whisky Johnny Walker kam 2020 auch auf gut eine Million Euro, obwohl die Fachleute die Taxe bei 280.000 Euro gesehen hatten.

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