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Wie Marokko um seine Religionsfreiheit ringen muss | BR24

© picture-alliance/photononstop

Minarett der Koutoubia Moschee in Marrakesch

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    Wie Marokko um seine Religionsfreiheit ringen muss

    Das Land steht für das friedliche Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen. Doch kurz vor dem Papstbesuch steht es vor einer Zerreißprobe.

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    Juden, Christen und Muslime, Afrikaner und Europäer, Berber und Araber leben in dem mehrheitlich sunnitischen Land seit Generationen friedlich zusammen. Doch in jüngster Zeit setzen islamistische Extremisten den König zunehmend unter Druck und instrumentalisieren soziale Spannungen für ihre eigenen Machtinteressen. 2011 wurde in Marrakesch ein spektakulärer Anschlag auf ein mondänes Café verübt. Seither blieb es dort ruhig. Touristen und Teilnehmer internationaler Konferenzen haben der Stadt Wohlstand gebracht. Dennoch wächst die fundamentalistische Propaganda.

    König Mohammed VI. versteht sich als Vertreter eines liberalen Islam. Auf seinen Wunsch hin ist ein Institut entstanden, in dem Christen, Juden und Muslime zusammen interreligiöse Themen erforschen. Es geht um gemeinsame Lösungen aktueller Probleme. Die Muslima Aisha Haddou findet: "In solchen Projekten liegt meiner Ansicht nach die Zukunft."

    Der König setzt auf die religiösen Minderheiten

    Mehr als 90 Prozent der rund 35 Millionen Einwohner Marokkos bekennen sich zur sunnitischen Richtung des Islam. Nur knapp 1 Prozent der Bevölkerung gehört zu jüdischen Gemeinden oder christlichen Kirchen. Doch König Mohammed VI. setzt auf die religiösen Minderheiten, um im Land Frieden und Stabilität zu erhalten.

    König Mohammed fördert den interreligiösen Dialog

    2016 lud König Mohammed sogar führende muslimische Gelehrte aus 120 Ländern nach Marrakesch ein, um die Lage religiöser Minderheiten in islamisch geprägten Staaten zu diskutieren. In einer Erklärung, die alle Teilnehmer verabschiedeten, heißt es: "Wer die Religion missbraucht, um in muslimischen Ländern gegen Minderheiten Gewalt anzuwenden, steht im Widerspruch zum Islam." Vertreter verschiedener Religionen und Konfessionen müssten gemeinsam dem Fanatismus entgegentreten.

    Reformen im Islam: Bei Glaubenswechsel keine Todesstrafe

    Früher konnte ein marokkanischer Muslim, der seine Religion wechselt und damit "vom Glauben abgefallen war", mit dem Tod bestraft werden. Im Frühjahr 2017 beschloss der oberste "Rat muslimischer Gelehrter" Marokkos offiziell, einen Glaubenswechsel nicht mehr unter Strafe zu stellen. Gegen den Willen fundamentalistischer Kreise schuf König Mohammed damit mehr Religionsfreiheit und setzte zugleich ein Zeichen gegenüber anderen arabischen Ländern, meint Erzbischof Christobal Lopez: "Im Blick auf die Gewissensfreiheit bewegt sich etwas in Marokko, vor allem in weltoffenen und intellektuellen Kreisen. Theoretisch darf ein Marokkaner heute seine Religion frei wählen! In der Praxis kann es aber weiterhin passieren, dass die Familie oder die Gesellschaft Muslime im Fall eines Religionswechsels ächten."

    Hoffnung setzt der katholische Bischof auf den Besuch des Papstes Ende März: "Papst Franziskus kommt nach Marokko, in ein überwiegend muslimisches Land, um den Dialog zu unterstützen und uns ein Beispiel zu geben, dem wir weiterhin folgen können."

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