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Mariä Empfängnis: Fest zur Unterdrückung der Frau? | BR24

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Maria als Mutter Gottes spielt in der katholischen Kirche eine zentrale Rolle und wird am Hochfest der unbefleckte Empfängnis Mariens geehrt. Allerdings sehen manche Katholikinnen in diesem Fest den Anfang für die Unterdrückung der katholischen Frau.

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Mariä Empfängnis: Fest zur Unterdrückung der Frau?

Maria als Mutter Gottes spielt in der katholischen Kirche eine zentrale Rolle und wird am Hochfest der unbefleckten Empfängnis Mariens geehrt. Allerdings sehen manche Katholikinnen darin den Anfang für die Unterdrückung der katholischen Frau.

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Nach katholischer Lehre ist Maria eine besondere Heilige, was sie für viele Gläubige zu einer "Superheldin" mit fast schon übermenschlichen Eigenschaften macht. Jungfräulich, rein und dann auch noch selbst unbefleckt, also ohne Erbsünde gezeugt und geboren. Daran erinnert auch das Hochfest Mariä Empfängnis.

Stärkung männlicher Herrschaft?

Doch manch gläubige Katholikin tut sich schwer mit dem Dogma, den Beschluss, den Papst Pius IX. im Jahr 1854 verkündet hat. Schon zuvor galt Maria als die asexuelle Jungfrau. Durch das Dogma der unbefleckten Empfängnis sei das Frauenbild Mariens noch stärker idealisiert worden, sagt Sabine Demel, Professorin für katholisches Kirchenrecht an der Universität Regensburg. Maria sei damit als Vorbild für Frauen in quasi unerreichbare Höhen gerückt worden – und zwar von Männern.

"Mit der Dogmatisierung der unbefleckten Empfängnis Mariens ist so etwas wie ein männliches Herrschaftssystem perfektioniert worden, ein männliches Herrschaftssystem, das als Weiblichkeitsmodell verschleiert wird." Sabine Demel, Theologin

Ein Modell, das die katholische Frau zu Kindern und Küche steckt, dem Ehemann treusorgend zur Seite - in der katholischen Kirche für sie aber nur die Kirchenbänke vorhält. Eine Interpretation also, der zufolge Frauen am Altar und Weiheämtern nichts zu suchen hätten: Entsexualisierung und Demut als Frauentugenden, wie Sabine Demel ausführt: "Frau sein in der katholischen Kirche heißt: sich an der einen Frau, der verklärten und erhabenen Jungfrau und Mutter Gottes, Maria, zu orientieren ohne dieses Ideal jemals erreichen zu können."

Maria 2.0: Proteste für Gleichberechtigung von Frauen

Gegen dieses Frauenbild aber regt sich spätestens seit den Protesten der Organisation "Maria 2.0" Widerstand. Im Frühjahr hatten Katholikinnen Kirchen bestreikt, die Aktivistinnen fordern Mitsprache und mehr Rechte und Gleichberechtigung von Frauen in der katholischen Kirche.

Braucht das Bild von der Gottesmutter ein Update wie es die Aktivistinnen fordern? Hat das Fest Mariä Empfängnis vielleicht sogar ausgedient? Den meisten jungen Frauen und Männern sei dieses Marienbild heute jedenfalls nicht mehr zu vermitteln, sagt Sabine Demel. "Aber es gibt auch eine Reihe anderer Heiligenpersönlichkeiten" - und andere Feste in der katholischen Kirche, an denen man sich orientieren könne.