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Maria und Jesus: Eine komplizierte Mutter-Sohn-Beziehung? | BR24

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Jungfrau und Kind, Bild von Sassoferrato

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    Maria und Jesus: Eine komplizierte Mutter-Sohn-Beziehung?

    Jesuskind, Maria und Josef - die Heilige Familie ist gar nicht so heil. Schließlich hat Josef ein Kuckuckskind in der Krippe liegen und auch das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn ist nicht immer harmonisch.

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    Die Beziehung zwischen Mutter und Sohn sei etwas ganz Besonderes, sagen viele. Und es gibt nicht wenige Ratgeber, die Mütter davor warnen, Söhne den Töchtern vorzuziehen, die Jungen mehr zu verwöhnen, als die Töchter. Frei nach dem Motto: Achtung Muttersöhnchen! Die berühmteste Mutter-Sohn-Beziehung der Menschheitsgeschichte ist wohl die zwischen Maria und Jesus.

    "Es ist eine nicht unproblematische Beziehung", sagt der evangelische Theologe Torsten Jantsch im Hinblick auf das Verhältnis von Maria und Jesus in der Bibel. Er hat sich intensiv mit dem Neuen Testament befasst. Neben der Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium, in der Maria als Glaubensvorbild dargestellt wird, gäbe es Texte, die auf eine komplizierte Beziehung zwischen Mutter und Sohn hindeuten: "Im Markusevangelium gibt es eine Geschichte, in der Maria mitsamt der Verwandschaft Jesus nach Hause holen will, weil sie denken er ist verrückt."

    "Das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir. Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter." Markus 3,35

    Aus diesem Text könne man herauslesen, dass Jesus einen Bruch gegenüber seinen Eltern, seiner Mutter vorgenommen hat. Ein Bruch, der auch in einer anderen Geschichte im Johannesevangelium angedeutet wird, so Jantsch: "Jesus sagt zu Maria: 'meine Stunde ist noch nicht gekommen, Frau' - eine schroffe Abweisung. Also, Jesus ist kein Muttersöhnchen, sondern jemand, der seinen eigenen Weg gehen muss."

    "Und seine Mutter sprach zu ihm: Kind, warum hast du uns das angetan? Siehe, dein Vater und ich haben dich unter Schmerzen gesucht." Lukas 2,48

    Maria und Jesus sind ein beliebtes Motiv in der Kunst, das Mutter-Sohn-Gespann schlechthin, obwohl man eigentlich so wenig über diese Beziehung weiß. Der Neutestamentler Torsten Jantsch schreibt Maria die Rolle einer einfachen Frau und sorgenden Mutter zu: "Sie stammt aus einem frommen, jüdischen Haus, war sehr jung, die Frauen wurden damals mit etwa 12 oder 13 Jahren verlobt." Jantsch stellt sich Maria als eine Frau aus der Unterschicht vor. "Man wird wohl sagen können, dass sie sicher keine gebildete Frau gewesen ist, auch nicht feministisch orientiert, vielleicht eine demütige Frau, eingepasst in das Rollenmuster der Antike."

    Von der einfachen Frau zum Glaubensvorbild

    Als Mutter war sie für die Kindererziehung zuständig, die religiöse Erziehung wurde vom Vater übernommen. Wahrscheinlich habe sie im Haus handwerklich gearbeitet, so Jantsch. Viele der Annahmen sind reine Mutmaßungen. Und Torsten Jantsch weist darauf hin: die Evangelisten zeichnen jeweils ein ganz unterschiedliches Bild von Maria. Spielt sie bei Matthäus eine eher passive Rolle, wird sie für Lukas in der Weihnachtsgeschichte zur zentralen Figur. Und bei Johannes ist sie als Mutter schließlich diejenige, die Jesus im Glauben nachfolgt, auch in seiner Todesstunde bei ihm ist – Jesus also sehr nah zu sein scheint, so der Theologe: "Die frühchristlichen Texte machen eine Entwicklung durch: von einer Frau, die keine große Bedeutung hat, hin zu Maria als Glaubensvorbild."