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"Manchmal tut's weh": "Salzburger Stier" für Moritz Neumeier | BR24

© Lukas Schulze/BR Bild

Moritz Neumeier

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    "Manchmal tut's weh": "Salzburger Stier" für Moritz Neumeier

    Er spricht gern über das "ständige Scheitern an selbstgesetzten Ansprüchen": Dafür erhält der Poetry-Slammer und Comedian Moritz Neumeier jetzt den Radio-Kabarettpreis "Salzburger Stier". Weitere Preisträger sind Thomas Stipsits und Lara Stoll.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Die Nutzer von funk, dem jungen Medienangebot von ARD und ZDF, kennen ihn vielleicht noch von seinem Videoblog "Auf eine Zigarette mit Moritz Neumeier", der nach der 100. Folge umbenannt wurde und dann deutlich "gesünder" klang: "Auf einen Kaffee mit Moritz Neumeier". Auf seinem Youtube Kanal geht es bis heute um aktuelle gesellschaftliche Themen wie Rassismus, Sexismus und Fremdenhass. Der Comedian ist also keineswegs immer gewollt witzig, sondern gelegentlich tiefernst: "Nur manchmal tut es weh", heißt es in der Begründung der Jury, die dem 1988 in Schleswig-Holstein geborenen Künstler jetzt den "Salzburger Stier" zuerkannte. Der mit 6.000 Euro dotierte Internationale Radio-Kabarettpreis gehört zu den wichtigsten Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum.

    "Hintersinnig, provokant, zum Nachdenken"

    Die Fachleute verweisen darauf, dass Neumeier sich an Vorbildern aus dem "angloamerikanischen Raum" orientiert: "Eine selbstverständliche Mischung von Privatem und Persönlichem, gepaart mit politischen Unkorrektheiten und einem unverkrampften Umgang mit heiklen Themen. Er hat eine entwaffnende Art, sie anzusprechen und beim Namen zu nennen. Für Probleme, die er aufs Korn nimmt, bietet er keine Lösungen an. Aber wie er sie präsentiert, hintersinnig, provokant, zum Nachdenken herausfordernd – das ist von ungeheurer Lässigkeit, die alles andere als eine bloße Attitüde ist."

    © SWR/BR Bild

    Thomas Stipsits

    Über den österreichischen "Stier" darf sich der gebürtige Steirer Thomas Stipsits freuen. Er sei ein "Geschichtenerzähler der neuen Generation", urteilte die Jury, und stehe in der Tradition des "Schmähführens": "Als bekennender Freund von Massenszenen entwickelt Thomas Stipsits in seinen Programmen sehr einprägsame Charaktere, die gleichsam das Sittenbild des österreichischen Mikrokosmos widerspiegeln. Scheinbar harmlose Zeitgenossen, deren emotionale Basisausstattung auf naive Weise Charme, Niedertracht und Unbedarftheit vereint. Diese spezifische Gemengelage versteht der Kabarettist mit viel Witz und Geschick auf der Bühne umzusetzen."

    "Punkerin der Schweizer Poetry-Slam-Szene"

    Für die Schweiz wurde Lara Stoll ausgezeichnet, die, wie es in der Begründung heißt, als "Punkerin der Schweizer Poetry-Slam-Szene" gilt. Auf der Bühne sei sie "laut und anarchistisch": "Ihre Texte sind oft ein einziges, kunstvoll gebautes Crescendo. Doch dann, plötzlich und unerwartet, zeigt die Exzentrikerin ihre Zerbrechlichkeit. Diese spannungsvolle Mischung macht die junge Ostschweizerin zu einer unverwechselbaren Figur auf den deutschsprachigen Bühnen. Dass sie neben ihren Bühnen-Programmen auch mit Filmen und Musik von sich reden macht, rundet das Bild dieser vielfach begabten Künstlerin ab."

    © SWR/BR Bild

    Lara Stoll

    Den "Ehrenstier", der nicht jedes Jahr verliehen wird, erhält der "Großmeister der skurrilen Rituale und wunderlichen Denkmanöver", der in St. Gallen geborene Joachim Rittmeyer. Er wurde bereits beim allerersten Mal, 1982, mit einem "Salzburger Stier" bedacht - für ihn schließt sich also gewissermaßen ein Kreis: "Sein Genre ist das detailgenaue Figuren-Kabarett. Mit verblüffender Leichtigkeit wechselt er auf der Bühne von einer Rolle in die andere. Zu seinen dienstältesten und bekanntesten Figuren zählen der Schwerenöter Hanspeter Brauchle mit dem gelben Strick-Pulli und der Welterklärer Theo Metzler mit der verrückten Brille."

    Die Preise werden am 7. und 8. Mai 2021 im Kulturzentrum Tollhaus in Karlsruhe vergeben.

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