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Bildrechte: Friedrich Kern/Picture Alliance

Empfang der Bayerischen Filmförderung in der Berliner Vertretung

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    "Man muss lieb sein": Böhmermann kritisiert Filmförderung

    Deutsche Filme wollen nicht mal die Finanziers sehen, so der ZDF-Satiriker, dafür seien sie regional "ausgewogen", so divers wie La Brass Banda und ein "sexy Verwaltungsakt". Eine langjährige Filmförderin und Juristin hat es ihm besonders angetan.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Viele Fragen und nur eine Antwort hatte Jan Böhmermann im neuen ZDF-"Magazin Royale" parat: "Warum sind deutsche Filme so selten für die Oscars nominiert, warum ist der deutsche Film so scheiße?" Das liege vor allem an den Bürokraten von den Filmförderanstalten, so die wenig originelle Vermutung des Satirikers. Diese Behörden verteilten Jahr für Jahr rund 400 Millionen Euro. Das sei in erster Linie ein "sexy Verwaltungsakt". Immer die drei gleichen Rezepte würden bei Drehbüchern abgefragt: "Arschloch mit Herz aus Gold findet die große Liebe, junge Leute kriegen tragische Diagnose und machen eine Reise, und - unser deutsches Oscar-Rezept - Nazi, Weltkrieg, DDR." Und die Plakate für deutsche Filme seien in etwa so „abwechslungsreich wie ein Besuch im Sackmuseum Nieheim", das übrigens mehrfach als "Sponsor" genannt wurde.

    "Sechs bis sieben Jahre in der Fördermaschine"

    Böhmermann will einen fatalen Männerüberschuss an den Schaltstellen der Filmbranche ausgemacht haben: "Deutsche Filme sind so divers wie ein Feature-Konzert von Querbeat, La Brass Banda und Moop Mama – wo sind die Mädels?" Zwar behaupteten die Stars Matthias Schweighöfer und Florian Fitz ("100 Dinge", 2018), Filme mit Frauen in den Hauptrollen hätten es an den deutschen Kino-Kassen schwer, doch Böhmermann konterte mit erfolgreichen US-Produktionen, bei denen durchaus Heldinnen auftreten.

    Durchschnittlich drei Millionen Euro koste ein Film aus heimischer Produktion: "Man muss lieb sein, immer schön nett sein zur deutschen Filmförderung, sonst gibt's kein Geld. Das ist richtig harte Arbeit." Zumal so ein Förderantrag oft "sechs bis sieben Jahre in der Fördermaschine des deutschen Films" fest stecke. Filmprojekte müssten hierzulande "überzeugen, aber nicht inhaltlich, sondern wirtschaftlich". Was das konkret bedeutet, erklärte die Filmjournalistin Ellen Wietstock: Es werde "das reproduziert, was an der Kasse schon mal erfolgreich war". Leider führe das aber nicht zum gewünschten Erfolg: Der Marktanteil des deutschen Films liege bei 21,3 Prozent (2019), die geförderten Filme wolle "niemand sehen", und das, wo Deutschland nach Frankreich das meiste Geld ausgibt: "Niemand hat Bock auf deutsche Filme, nicht mal die, die dafür verantwortlich sind."

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    Bildrechte: Soeren Stache/Picture Alliance

    Kirsten Niehuus

    Hiesige Filme seien "nicht nur scheiße, sondern auch noch ziemlich teuer". Das liege auch an den Filmförderungsstellen der Bundesländer: "Wenn Fernsehsender mit einer Schubkarre voller Geld vor der Tür stehen, dürfen die natürlich auch mitbestimmen, welche Filme gefördert werden." Besonders kritisch ging Böhmermann mit dem Medienboard Berlin Brandenburg ins Gericht, wo die dortige Geschäftsführerin Kirsten Niehuus jährlich 27 Millionen Euro im Alleingang nach dem "Intendanten-Prinzip" verteilen könne: "Das ist so viel Geld wie Marcus Prinz von Anhalt tut, das er hat." Für Böhmermann ein Unding, das die mächtige Managerin mehr oder weniger freihändig schalten und walten kann: "Seit 17 Jahren muss Deutschland den persönlichen Filmgeschmack von Kirsten Niehuus ertragen, einer Juristin aus Hamburg."

    "Je mehr Leute mitreden, desto besser die Filme"

    Zwar billigte der Satiriker zu, dass die Drei-Stunden-Komödie "Toni Erdmann" 2017 für einen Oscar nominiert war, doch in Deutschland gelte nach wie vor: "Kunst und kreative Werke werden immer besser, je mehr Leute mitreden." Im Übrigen verlange zum Beispiel die Bayerische Filmförderung in ihren Richtlinien, das "150 % des Darlehensbetrags in Bayern Verwendung finden" müsse. Ähnlich sehe es in den anderen Bundesländern aus, sodass die Drehbücher oft in absurder Weise regionale Bezüge herstellen müssten.

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    Bildrechte: Sven Hoppe/Picture Alliance

    Jan Böhmermann

    Zum Start des Bundestagswahlkampfs lobte Böhmermann CDU-Urgestein Friedrich Merz als "Stimme der Straße" mit einer besonderen Abneigung gegen Gender-Sternchen: "Nach der ersten Frau im Kanzleramt will Armin Laschet als erster Onkel in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland Kanzler werden. Toi, toi, toi. Und auf seinem Weg zum Onkel-Kanzler Armin hat Laschet jetzt seine nächste Raketenstufe gezündet. Er holt die sauerländische CDU-Mutante Friedrich Merz in sein Power-Rangers-Team. Ausgerechnet Merz! Schon wieder eine Riesen-Enttäuschung für Smudo, der hätte die Zeit gar nicht gehabt."

    Aktion gegen Micro-Targeting der Parteien

    Unter der Webadresse whotargets.me/de ("Wir setzen uns für transparentere politische Werbung ein.") könnten Interessierte ab sofort prüfen lassen, ob und von welcher Partei Facebook-Accounts für Netz-Werbung ins Auge gefasst werden. Die Rede ist vom "Micro-Targeting", also der werblichen Feinabstimmung auf Zielgruppen, die der eigenen Partei besonders gewogen sein sollen. Britische Programmierer haben eine Software entwickelt, die diesem Marketing-Instrument auf die Schliche kommen soll.

    Die "Top drei" der "Corona-Arbeiterlieder" sang Böhmermann schließlich auch noch mit bemerkenswerter Wandlungsfähigkeit der Stimme: "Welt hinter Plexiglas" im Sound von The Weeknd, "Arbeitgeber" nach der Erfolgsmasche des Filmmusicals La La Land und "Der Tester" im Stil von Silbermond.

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