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Bildrechte: dpa// Weingartner

Nach dem Ende der dritten Corona-Welle in Italien haben am Montag die Vatikanischen Museen in Rom wieder geöffnet - Pandemie-bedingt aber mit strengen Auflagen:

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Mäßiger Andrang: Vatikanische Museen in Rom öffnen wieder

Nach dem Ende der dritten Corona-Welle in Italien haben am Montag die Vatikanischen Museen in Rom wieder geöffnet - Pandemie-bedingt aber mit strengen Auflagen. Die Verantwortlichen öffnen mit gemischten Gefühlen.

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Von
  • Jörg Seisselberg

Monsignore Paolo Nicolini sitzt in seinem Büro oberhalb der Vatikanischen Museen. Der stellvertretende Direktor ist hin- und hergerissen: Einerseits sei die Freude riesig, dass es wieder losgehe, sagt er, aber es sei auch eine Freude, bei der Vorsicht mitschwinge. Denn alle hätten in den vergangenen Monaten gesehen, dass sich die Situation auch wieder ändern könne. "Wir öffnen mit großer Hoffnung, müssen aber weiterhin vorsichtig sein", so Nicolini. Darum gilt Masken- und Abstandspflicht für sämtliche Besucherinnen und Besucher, nur kleine Gruppen von maximal 20 Personen sind zugelassen, am Eingang wird Fieber gemessen.

Weil die Touristen fehlen, hält sich der Andrang in Grenzen

Noch ist das Interesse der Kunst-Liebhaber verhalten: Nur etwa 1000 Voranmeldungen gibt es für den Premierentag, Tickets waren online problemlos erhältlich, dabei kamen in Vor-Corona-Zeiten täglich bis zu 25.000 Besucherinnen und Besucher. Die wären derzeit aus Infektionsschutzgründen zwar nicht erlaubt – sechs- bis siebentausend dürften es aber schon werden, so Direktor Nicolini, das wäre immerhin ein Drittel. Er spricht von einem langsamen Neustart.

„Man muss Geduld haben. Die Entwicklung wird von der weltweiten Impfentwicklung und den Reiseregelungen abhängen. Ab Juni rechne ich mit wieder mehr Gästen. Aber es wird ein schrittweiser Anstieg sein.“

Noch haben Italienerinnen und Italiener die wieder geöffneten Museen des Landes mehr oder weniger für sich allein. Sie dürfen sich seit einer Woche wieder frei bewegen, ausländische Touristen sind dagegen noch kaum unterwegs, auch EU-Bürger unterliegen Quarantäne-Beschränkungen. Der Inzidenzwert in Italien liegt landesweit noch bei rund 150, die Lust auf Reisen und Kultur ist daher begrenzt, die Vorsicht überwiegt.

Exklusive Leere statt Massengedränge bringt finanzielle Verluste

Die wenigen Besucher zum Neustart in den Vatikanischen Museen können die Fresken in der Sixtinischen Kapelle und den Stanzen des Raffael in einer Ruhe genießen, die in Vor-Coronazeiten undenkbar war. Was auf der anderen Seite allerdings bedeutet, dass das Museum zunächst kaum Geld verdient: Bereits 2020 kamen pandemiebedingt 85 Prozent Besucher weniger - statt vorher rund 7 Millionen, waren es im vergangenen Jahr nur noch rund 1,3 Millionen Besucherinnen und Besucher. Für den Haushalt des Vatikans ist das ein schwerer Schlag. Der kleinste Staat der Welt erhebt keine Steuern, die Museen sind eine wichtige Finanzquelle. Weil dort Einnahmen in geschätzt mittlerer zweistelliger Millionenhöhe fehlen, musste der Vatikan seinen Haushalt in diesem Jahr kräftig zusammenstreichen.

Als Konsequenz hat der Papst Kardinälen und anderen leitenden Führungskräften die Gehälter gekürzt, Gehaltserhöhungen von Angestellten wurden ausgesetzt. Alle Arbeitsplätze im Vatikan aber blieben auf ausdrücklichen Wunsch des Papstes erhalten, auch die in den Vatikanischen Museen. Direktor Monsignore Nicolini kommentiert das gelassen: Der Einnahmeeinbruch schmerze, aber ein Museum sei am Ende des Tages kein Ort des Geldes, sondern der Schönheit:

„Die Statuen, die Bilder, die Fresken, die wir hier haben: Wenn sie reden könnten, so habe ich es mir in den vergangenen Monaten häufig vorstellt, haben sie in der Leere miteinander gesprochen und sich gesagt, dass auch sie die Blicke vermissen, mit der Menschen fasziniert die Schönheit von Kunst bewundern. Die Museen sind ein Ort, am dem die Menschen gerade in dieser schwierigen Zeit ein bisschen Glück empfinden können.“ Monsignore Paolo Nicolini