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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Sebastian Willnow

Die Autorin Anja Kampmann wird mit einer Hälfte des Rainer-Malkowski-Preises ausgezeichnet.

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Lyrikerin Anja Kampmann erhält Rainer-Malkowski-Preis

Die Welt in einem Gedicht zu beschwören, ist eine große Kunst. Die Hamburgerin Anja Kampmann versteht sich auf diese Zaubersprache. Deswegen erhält sie heute die Hälfte des Rainer-Malkowski-Preises der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

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Von
  • Martina Boette-Sonner

"Der Hund ist immer hungrig." So beginnt das titelgebende Gedicht der Lyrikerin Anja Kampmann. "Manchmal denk ich an den Hund von Michael aus Alberta. Noch nicht lange her, da wurde er geröntgt. Die Kugel aus dem Lauf stammt aus dem reservat. Tja, raue Sitten. Wasser gibt es keins. Tja "

Das "Tja" in diesem Gedicht, sagt Anja Kampmann, könnte einem gleichgültig sein, könnte Wut sein oder eine Leerstelle, an der man eigentlich weiterreden müsste und es nicht tut. Eine Beobachterin der Welt und der Zeit ist Anja Kampmann, die mit ihrem ersten Gedichtband "Proben von Stein und Licht" vor fünf Jahren sozusagen ins Rampenlicht trat. Zwei Jahre später folgte ein Roman "Wie hoch die Wasser steigen", mit dem sie für den Leipziger Buchpreis nominiert wurde und es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises schaffte, der Konkurrenzveranstaltung in Frankfurt.

Gedichte voller Musikalität

Eine Vielschreiberin ist Anja Kampmann dennoch nicht, sie lässt sich Zeit, sie betrachtet Phänomene der Zeit und des Alltags, große wie kleine Themen, bringt sie in einen Zusammenhang. Die Supernova mit dem Geruch eines Brotes vor der Bäckerei zum Beispiel.

Urteilen will Anja Kampmann, die in Hamburg und am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig studiert hat, nicht, sondern Themen eröffnen. Einen ganz eigenen Ton hat sie für sich dafür gefunden und macht damit neue, literarische Räume auf.

Gedichte von hoher Musikalität sind es, die Anja Kampmann gleichsam komponiert, in denen sie das Lyrische Ich in der Welt mit all ihren Problemen verortet. Abgehoben ist das nicht.

Politische Lyrik 2.0

Vielleicht kann man Anja Kampmanns Dichtung als "Das politische Gedicht 2.0" bezeichnen: Es wiegelt nicht auf, es ruft nicht nach seinem Publikum, es schreit nicht. Es beschreibt die Dinge leise und stellt die Dichtkunst, stellt sich in den Dienst der Sache. Die Dichterin versteht sich eher als Weltbeobachterin.

In den Gedichten geht es auch um Landschaften und Natur, um ihre Bedrohung, Verwüstung und Zerstörung, um Fracking und Klonen zum Beispiel und eben auch um einen Hund.

An diesem Montag werden Anja Kampmann sowie der Dichter Norbert Hummelt mit dem Rainer-Malkowski-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste Preis geehrt. Er ist mit einem Preisgeld von 30 000 Euro einer der höchstdotierten deutschen Literaturpreise.

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