Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Der Luxus der Klosterschwester | BR24

© BR / Hermann

Sr. Katharina Merz, Ursulinenkloster Würzburg

Per Mail sharen

    Der Luxus der Klosterschwester

    Kleider, Schuhe, Schmuck – da leuchten bei so mancher Frau die Augen. Doch wie geht es den Frauen, die Armut gelobt haben? In deren Kleiderschrank gerade mal eine Ordenstracht zum Wechseln hängt? Was bedeutet Luxus für eine Klosterfrau?

    Per Mail sharen

    Als Klosterschwester hat Schwester Katharina Armut gelobt. Praktisch bedeutet das für sie ein einfaches und gar nicht luxuriöses Leben. Im Habit, in ihrem Ordensgewand zu gehen, ist für sie selbstverständlich.

    "Wir haben Sommer- und Winterkleider. Jede Schwester hat drei Stück und wir haben auch T-Shirts unter dem Kleid an, das kann man ja auch gut wechseln. Das ist kein Luxus, aber man hat genügend." Sr. Katharina Merz, Ursulinenkloster Würzburg

    Die 57-Jährige lebt seit 40 Jahren im Würzburger Konvent der Ursulinen, mitten im Stadtzentrum, zu Füßen der Festung. Seit mehr als 300 Jahren kümmern sich die Ursulinen in Würzburg um die Erziehung und Ausbildung junger Mädchen.

    Luxus ist … „Man selbst sein zu können“

    Aus der 17-jährigen Internatsschülerin von damals ist die Oberin und Schuldirektorin von Realschule und Gymnasium geworden. 40 Jahre Kloster - Ein Luxus?

    "Ich habe erlebt, wie schön es ist, wenn man sich als Mensch, als eigene Persönlichkeit entfalten darf. Mit allen Ecken und Kanten und bei allen Regeln, die es im Kloster gibt. Man konnte atmen, man konnte sagen, mit diesen Regeln habe ich meine Probleme oder das hinterfrage ich mal, aber dadurch hat man auch den tieferen Wert des Ordenslebens erfahren oder dessen, was ich im Gebet, in Meditation und in Haltungen tue. Das ist viel bewusster geworden. Das habe ich sehr geschätzt und schätze es auch jetzt noch." Sr. Katharina Merz, Leiterin der St.-Ursula-Schule Würzburg

    Schwester Katharina steht an der Spitze von mehr als tausend Schülerinnen, 120 Lehrkräften und den 13 Schwestern, die dem Würzburger Konvent angehören. Alles Geld, das die Schwestern mit ihrer Arbeit in den unterschiedlichen Berufen verdienen, kommt in die gemeinsame Kasse. Kloster und Schule wurden am Ende des Zweiten Weltkriegs komplett zerstört. Nur einige versteckte Altargeräte und die alten Zinnteller blieben erhalten.

    Luxus ist … „Erinnerungen pflegen“

    Sie weiter zu benutzen, soll an die Schwestern erinnern, die vor ihnen diesen besonderen Lebensstil gewählt haben.

    "Wir haben diese Tradition mit den alten Tellern, mit den Zinntellern, an denen wir sehr hängen und die auch sehr schön sind, aber ich kann genauso sagen, Luxus könnte auch sein, hin und wieder mal Essen zu gehen. Und wenn ich ehrlich bin, ich mache es da so wie Jesus, ich lass mich einladen, also ich habe nicht den Geldbeutel und kann sagen: Ich geh heute Abend mal wieder schön essen." Sr. Katharina Merz, Ursulinenkloster Würzburg

    Dafür kann sie sich aber auch nur selten Zeit nehmen. Im Leben einer Klosterschwester, die Armut gelobt hat, gibt es natürlich auch einen unerreichbaren Luxus.

    "Eine weite Reise machen wäre für mich Luxus, man kann sagen, man kann eine Pilgerreise machen, oder klar, Urlaub mache ich auch. Aber wenn es jetzt weiter wegginge, eine teurere Reise käme für mich nicht in Frage." Sr. Katharina Merz, Ursulinenkloster Würzburg

    Luxus ist … „Bildung und Orientierung vermitteln“

    Die Schule und den Konvent weiter gut zu führen, das ist für Schwester Katharina eine Herzenssache. Sie möchte den christlichen Glauben und ihre christlichen Werte an die Schülerinnen weitergeben, ihnen Halt und Orientierung vermitteln. Für einen so kleinen Konvent manchmal eine Herausforderung.

    "Wenn ich sagen würde, ach, ich möchte eigentlich ein bisschen gemütlicher leben, versuchen wir doch, die Schule abzugeben, das wäre dann glaub ich Luxus, aber ich glaube, es würde nicht erfüllen, ich glaub, es würde uns alle sehr traurig machen, weil wir unsere Sendung in der Schule sehen, weil wir wirklich sagen, das ist unsere Aufgabe. Und die Aufgabe um des Geldes willen aufzugeben, nein, das kommt nicht in Frage." Sr. Katharina Merz, Leiterin der St.-Ursula-Schule Würzburg