BR24 Logo
BR24 Logo
BR24 - Hier ist Bayern
Der belarussische Präsident im Porträt

Alexander Lukaschenko

Bildrechte: Thomas Imo/Picture Alliance
Per Mail sharen

    Lukaschenko schimpft auf Nobelpreisträgerin Alexijewitsch

    Der belarussische Diktator wirft der Autorin "Verrat" an ihrem Heimatland vor und vermutet, sie sei nach Deutschland gegangen, weil es dort "wärmer" sei oder sie besser bezahlt werde. Eine Rückkehr nach Belarus sei allerdings nicht ausgeschlossen.

    Von
    Peter JungblutPeter Jungblut
    Per Mail sharen

    Dafür, dass sich der belarussische Präsident und Putin-Verbündete Alexander Lukaschenko (67) nach eigener Aussage nicht für Literatur-Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch (73) interessiert, ereiferte er sich in einem TV-Interview mit dem japanischen Fernsehen recht ausführlich über sie. Die vielfach preisgekrönte Autorin ("Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus") habe mit ihrer "Flucht" nach Deutschland ihr Land verraten, zitiert die russische Nachrichtenagentur TASS den Diktator.

    "Das ist eine Person, die Nobelpreisträgerin wurde – ich werde nicht sagen, wie und warum –, die in diesem Land aufgewachsen ist, es verraten hat und von hier geflohen ist. Niemand hat sie ausgewiesen, sie musste Belarus nicht verlassen. Gleichwohl ist es ihr unbenommen. Sie hat sich für Deutschland entschieden. Dort ist es wahrscheinlich wärmer."

    Lukaschenko vermutete auch, sie werde im Westen "wahrscheinlich besser bezahlt", vielleicht gebe es auch andere Gründe: "Bei uns gibt es all diese gesellschaftlichen Probleme nicht."

    "Lesen Sie Bücher wirklicher Autoren"

    Angesprochen auf mögliche Sanktionsmaßnahmen gegen die Schriftstellerin sagte Lukaschenko, sie könne "höchstwahrscheinlich wie alle anderen" zurückkehren: "Aber wenn sie gegen unsere Gesetze verstößt, wird sie sich wie alle anderen Bürger von Belarus verantworten müssen."

    Er persönlich "habe nichts mit ihr zu schaffen", so der Politiker zu seinen Interviewern: "Ich freue mich sehr, dass Sie ihre Werke lesen. Ich würde es allerdings auch begrüßen, wenn Sie die Bücher anderer belarussischer Autoren lesen würden."

    Von Journalisten erwartet Lukaschenko "Fakten" statt "Propaganda" und behauptete, die Presse sei in Belarus freier als im Westen: "Journalisten werden in Weißrussland wegen ihrer beruflichen Tätigkeit nicht strafrechtlich verfolgt. Aber wenn sie gegen ihren eigenen Staat kämpfen und dafür Geld von den Vereinigten Staaten und dem gesamten Westen erhalten, dann sind sie rechtlich für ihre illegalen Handlungen verantwortlich."

    "Untergang der Sowjetunion war Tragödie"

    Und als ob er Interviewpartner von Alexijewitsch wäre, die in ihren Büchern immer wieder die Narben untersuchte, die der Sozialismus bei den Menschen hinterlassen hat, sagte er: "Ich bin in der Sowjetunion geboren und habe dort gelebt. Ich habe mich diesem Land verschrieben, ich war Mitglied der Kommunistischen Partei. Die ganze Welt wird mir zustimmen, es war eine Tragödie. Der Zusammenbruch der Sowjetunion ist eine Tragödie."

    Swetlana Alexijewitsch

    Bildrechte: Arne Dedert/Picture Alliance

    Swetlana Alexijewitsch hatte Anfang März bei einer Antikriegs-Kundgebung in Berlin vor der "Geburt eines russischen Faschismus" gewarnt. In einem Interview hatte sie zuvor erklärt, "Heldentum" bestehe für Belarussen und alle anderen derzeit darin, "nicht zu schießen". Sie habe kürzlich mit einem Russen in Berlin gesprochen: "Sie sehen einen Mann, der in einem guten Auto sitzt, in einem guten Anzug steckt, und es war so viel Hass in ihm, als wir anfingen, über die Ukraine zu sprechen. Das ist viel beängstigender als das, was mir über den Zweiten Weltkrieg erzählt wurde."

    Alexijewitsch: "Anruf bei Russen ließ mich ratlos zurück"

    Jede müsse etwas tun, so Alexijewitsch: "In Russland haben angeblich 67 Prozent der Befragten den Krieg unterstützt, aber das sind die Daten offizieller Umfragen. Schon ein kurzer Anruf bei meinen russischen Bekannten ließ mich ratlos zurück. Es scheint, dass sie kluge, gebildete Leute sind, aber sie sagen: 'Die Wahrheit ist unbekannt'. Und das nach dem, was aus Charkiw geworden ist, wir sehen nur noch das Skelett einer schönen Stadt, was aus anderen Städten und Dörfern geworden ist, nachdem die Kinder sich an Katzen festgehalten haben, in der U-Bahn und in Kellern geschlafen haben. Wie können sie danach sagen: 'Weißt du, der Westen ist auch schuld, sie haben Putin verärgert, verstehst du.' Sie haben Putin verärgert! Als gäbe es keine Diplomatie, als ob wir nicht im 21. Jahrhundert lebten."

    Die BR KulturBühne – ein Platz für Konzerte, Events, Debatten und auch großes Vergnügen. Hier geht's lang!

    Aktuelle Debatten, neue Filme und Ausstellungen, aufregende Musik und Vorführungen... In unserem kulturWelt-Podcast sprechen wir täglich über das, was die Welt der Kultur bewegt. Hier abonnieren!

    Schlagwörter