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Warum Lucky Luke auf einem Fahrrad durch die USA strampeln muss | BR24

© Lucky Comics, 2019. All Rights Reserved – by Mawil.

Lucky Luke: Drahtesel statt Jolly Jumper

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Warum Lucky Luke auf einem Fahrrad durch die USA strampeln muss

Der berühmteste Comic-Cowboy ist wieder auf besonderer Mission: Er muss die Ehre eines Ingenieurs retten. Mawil, der als erster deutscher Künstler ein Lucky-Luke-Album zeichnen durfte, feiert das Fahrrad. Und erzählt eine Geschichte voller Witz.

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Es dauert nicht lange, da – "Paw" – kracht der erste Schuss. Ein Gangsterpärchen mit dem denkwürdigen Namen Smith und Wesson überfällt in tiefer Nacht einen Herrn, will unbedingt eine ominöse Holzkiste haben, die dieser bei sich führt. Lucky Luke, noch etwas verschlafen, eilt dem Überfallenen zur Hilfe und schlägt, wie üblich mit genialer Schusstechnik, die Gauner in die Flucht. Doch die Rettungsaktion hat weitreichende Folgen. Der einsame Cowboy muss alsbald auf ein Fahrrad umsteigen und, sehr zum Leidwesen seines Pferdes Jolly Jumper, quer durch die USA strampeln. Schließlich hat er versprochen, das noch unbekannte Gefährt sicher an die Westküste zu bringen. In seinem heute erscheinenden Comic-Album "Lucky Luke sattelt um" erzählt Mawil von einer abenteuerlichen Reise.

"Ich hab vom Verlag eine große Kiste mit allen Lucky-Luke-Bänden bekommen und konnte mir noch einmal fast alle durchlesen", sagt der Berliner Comic-Zeichner im Gespräch. "Und es gibt da natürlich schon fast alle Themen. Dann kam mir zum Glück die Idee mit dem Fahrrad. Ich wollte schon immer mal einen Fahrrad-Comic machen." Einen Band zu einem Thema, auf das er selbst richtig Lust hatte.

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Das Cover von "Lucky Luke sattelt um"

Wie das Fahrrad in die USA kam

Mawils Lucky-Luke-Geschichte hat einen realen Hintergrund: Albert Overman, der kleine Herr mit der Holzkiste, gilt als Fahrradpionier in den Vereinigten Staaten. Er hat das "Tretdings", den"Esel aus Draht" im Land eingeführt. Sein Konkurrent im Comic, Albert Augustus Pope, war wiederum Inhaber einer Fabrik für Hochräder. Der Streit über das richtige Gefährt durchzieht das Album bis zum finalen Fahrrad-Rennen in San Francisco. Mawil hat zudem auf bekannte Figuren wie die Daltons oder auch den Hund Rantanplan verzichtet. Stattdessen lauter eigene Charaktere, allein Lucky Luke und Jolly Jumper sind geblieben.

Auch sieht der berühmteste Comic-Cowboy der Welt bei Mawil etwas anders aus als die Figur von Morris und Achdé. Er hat eine rundliche Nase. "Man weiß, er ist als Figur relativ einfach, mit einer normalen Frisur, vorne diese lange Tolle, relativ große Nase", sagt der Zeichner. "Wenn man aber selber mal versucht, diese Figur so zu zeichnen, dann merkt man, dass das zwar von weitem so aussieht, dass es aber einfach nicht derselbe Schwung ist. Und so eine Figur abzuzeichnen, die ein anderer Zeichner vorher sein ganzes Leben lang perfektioniert hat, das klappt einfach nicht. Ich hab das dann irgendwann sein lassen und mich darauf besonnen, dass auf dem Buch vorn 'Hommage' draufsteht – und dass es einfach meine eigene Version eines Lucky Lukes sein darf."

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Jolly Jumper ist auf der Suche nach Lucky Luke

Cowboys, Indianer und lauter Gags

Die Geschichte ist voller Action, es gibt großartige Bilderfolgen: Lucky Luke auf dem Fahrrad, verfolgt von Indianern, von den Söhnen der großen Bärin. Ganz nebenbei eine klitzekleine Reverenz an die Kinderbuchserie von Liselotte Welskopf-Henrich, mit der Mawil – geboren 1976 in Ostberlin als Markus Witzel – groß geworden ist. Einem breiten Publikum bekannt wurde er mit dem großen Band "Kinderland", der Geschichte einer Kindheit in der späten DDR. Vor dem Mauerfall, als Schüler, hat er auch die ersten Lucky-Luke-Geschichten verschlungen. Die unendlich raren Hefte aus dem Westen, die heimlich von Hand zu Hand wanderten.

"Als die Figur Lucky Luke entstand, das war die Zeit in Europa, in der diese Cowboy-und-Indianer-Sache noch ganz frisch war", sagt Mawil. "Für die Kinder und Jugendlichen war das das spannende Ding. Für mich selber ist das Western-Thema gar nicht mehr so ausschlaggebend. Sondern ich – als Mensch, der selber Comics zeichnet – bin ein großer Fan von dem hohen Niveau an Zeichnungen und an Gags, die der Zeichner Morris und der Texter René Goscinny hier über Jahre hinweg abgeliefert haben."

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Szene aus "Lucky Luke sattelt um"

Viel Komik und ein ernster Kern

Mawils Lucky-Luke-Album ist ebenso voller Witz. Etliche Gags zielen auf unsere Zeit. Da hält Lucky Luke – pling – einen Imbusschlüssel in der Hand, um das Fahrrad zusammenzubauen. Dort, in der Westernstadt "Traffic Gulch", muss er Parkgebühren zahlen. Dann wiederum hilft er einem Eisenbahner beim Verladen von Kisten in einen Zug – angesprochen auf die Menge sagt dieser, ja, was die Leute heute alles bestellen würden. Abgesehen von Komik und Spannung hat die Geschichte auch einen durchaus ernsten Kern. Das Umsatteln darf gerne als Einladung verstanden werden: "Ich bin ja auch geheimer Fahrrad-Lobbyist", verrät Mawil im Gespräch. "Ich kriege ganz viel Geld von der Fahrrad-Lobby zugesteckt, damit ich Werbung für die Fahrräder mache – nicht für die Fahrrad-Industrie, sondern für den Fahrrad-Lifestyle. Und ich denke, die Welt wäre ein besserer Ort, wenn mehr Leute mehr Fahrrad fahren würden."

Mawil selbst ist – natürlich – begeisterter Radfahrer. Das ist seinen Bildern anzusehen. So ist sein Lucky-Luke-Album mehr als eine ganz eigene Hommage an den großen Comic-Cowboy. Doch nicht nur die Reiter der „Esel aus Draht“ werden an Mawils Geschichte Spaß haben. Am Ende, das sei noch verraten, ist Lucky Luke, wie immer, ganz plötzlich verschwunden und reitet einsam in Richtung Sonnenuntergang.

Mawils Comic "Lucky Luke sattelt um" ist im Egmont-Verlag Berlin erschienen.

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