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Löffelholzfenster in Nürnberger Lorenzkirche wird ausgebaut | BR24

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Teile des Löffelholzfenster aus der Nürnberger Lorenzkirche gehen auf Reise. Das Werk des Künstlers Hans Baldung Grien wird an die Staatliche Kunsthalle in Karlsruhe ausgeliehen. Der Ausbau war ein heikles Unterfangen.

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Löffelholzfenster in Nürnberger Lorenzkirche wird ausgebaut

Das Fenster eines großen Künstlers geht auf Reisen: In der Nürnberger Lorenzkirche werden Teile des Löffelholzfensters von Hans Baldung Grien für eine Ausstellung ausgebaut. Leer bleiben die Fenster deshalb aber nicht.

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In der Nürnberger Lorenzkirche ist am Dienstag (12.11.19) Fingerspitzengefühl gefragt: Restauratoren bauen Teile des sogenannten Löffelholzfensters aus. Geschaffen hat es der Künstler Hans Baldung Grien, der von 1503 bis 1508 in Nürnberg lebte und arbeitete. Er gilt als einer der eigenwilligsten Künstler der Renaissance, der sich durch exzentrische, häufig erotische Gemälde einen Namen gemacht hat.

Grien revolutionierte Glasmalerei in Nürnberg

Die Weihnachtsszene, die auf den Glasscheiben des Löffelholzfensters abgebildet ist, geht als Leihgabe an die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, die Hans Baldung Grien (1484/85 – 1545) eine große Ausstellung widmet. Grien veränderte die Glasmalerei in Nürnberg schlagartig, berichtet der Direktor des Germanischen Nationalmuseums, Daniel Hess. "Die Bilder sind viel expressiver, viel zupackender. Auch die Auswahl der Farbgläser ist eine ganz andere. Und diese neue Richtung innerhalb der Glasmalerei verschwindet just zu dem Zeitpunkt, als Hans Baldung Grien von Nürnberg nach Straßburg umsiedelt", so der Kunsthistoriker.

Original-Scheiben werden durch Kopien ersetzt

Dass die bekannte Weihnachtsszene in der Nürnberger Lorenzkirche fehlt, werden die Besucher kaum merken: Die Original-Scheiben werden durch Kopien ersetzt. Auch aus dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg gehen Grien-Werke als Leihgabe nach Karlsruhe. Das Museum verleiht sechs Gemälde, darunter das Werk "Maria mit Kind und Papagei“. Das ungewöhnliche Bild zeigt Maria, wie sie Christus stillt. "Es ist ein sinnliches Madonnenbild", sagt Hess. Der Papagei, der Maria am Hals pickt, gilt als der Vogel der Venus und der Verführung.

Dürer vermachte Hans Baldung Grien eine seiner Locken

In seiner Zeit in Nürnberg lernte Hans Baldung Grien auch Albrecht Dürer kennen. Als Zeichen der großen Verehrung habe Baldung eine von Dürers Haarlocken zugeschickt bekommen, nachdem der Meister gestorben war, berichtet GNM-Direktor Hess. Ob Hans Baldung Grien bei Dürer in die Lehre ging, wie es in verschiedenen Quellen zu lesen ist, sei hingegen nicht gesichert. Zu unterschiedlich seien die Werke. "Grien ist der Maler, der große Meister der Farbe. Dürer ist der große Meister des Zeichnens", so der Kunsthistoriker.

"Heilig – Unheilig“ – Landesausstellung über Grien in Karlsruhe

Die große baden-württembergische Landesausstellung über Hans Baldung Grien mit dem Titel "Heilig – Unheilig“ in Karlsruhe startet am 30. November. Bis zum 8. März sind in der Staatlichen Kunsthalle mehr als 200 Leihgaben zu sehen, unter anderem auch aus Paris, London und New York.

© BR-Studio Franken / Tina Wenzel

Vorsichtig fahren die beiden Restauratoren mit dem Hubwagen an das Kirchenfenster aus dem 16. Jahrhundert heran.

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Teile des Löffelholzfensters von Hans Baldung Grien gehen als Leihgabe nach Karlsruhe.

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Der Ausbau ist ein heikles Unterfangen. Die Restauratoren müssen ein ruhiges Händchen haben.

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Geschafft: Sicher bringen sie die erste Glasscheibe der Weihnachtsszene mit den Heiligen Drei Königen nach unten.

© BR-Studio Franken / Tina Wenzel

Die Fenster bleiben nicht leer. Kopien werden später aufgeklebt.

© BR-Studio Franken / Tina Wenzel

Das Germanische Nationalmuseum verleiht das Bild "Maria mit Kind und Papagei" an Karlsruhe. Im Museum hängt nur noch ein Platzhalter.