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Future Song Album "Live Reflections": Abschied in Höchstform | BR24

© Audio: BR / Bild: Per Morten Abrahamsen

Marilyn Mazur hat Aufnahmen mit ihrer Band Future Song für das Album "Liev Reflections" zusammengestellt.

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Future Song Album "Live Reflections": Abschied in Höchstform

Marilyn Mazur hat mit Jazzgrößen wie Gil Evans, Wayne Shorter oder Miles Davis gespielt, später gründete sie ihre eigene Band Future Song. Jetzt ist das wohl letzte Album der Formation "Live Reflections" erschienen – und zeigt die Band in Höchstform.

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"Sie spielt wie der Teufel" soll Miles Davis über die Schlagzeugerin und Perkussionistin Marilyn Mazur gesagt haben, die er von 1985 bis 1989 in seine Band holte. Irgendwann aber wollte Mazur nicht mehr nur Rädchen im Getriebe sein – sie hatte genug von der Jazzszene in den USA. "Die Chemie stimmte nicht, ich konnte mich nicht weiterentwickeln", sagte sie später. "Ich hatte die Vision einer Band, die jedem Musiker genug Raum bieten sollte, seinen eigenen, individuellen Ausdruck zu entwickeln."

In ihrer Heimat Dänemark gründete Mazur deshalb 1989 mit den besten Jazzmusikern Skandinaviens die Band Future Song, ihre Traumband, wie sie immer wieder beteuerte. 20 Jahre lang ging die Band weltweit auf Tournee, spielte in diesem Zeitraum allerdings nur drei Studioalben ein, bevor sie sich 2009 offiziell auflöste. 2015, zum 60. Geburtstag von Marilyn Mazur, fanden die Musiker dann noch einmal zusammen und spielten Konzerte in Dänemark und Norwegen. Ausgewählte Livetitel von dieser Tour, ergänzt um zwei bisher unveröffentlichte Aufnahmen aus den Jahren 1990 und 2008, wurden jetzt als "Live Reflections" veröffentlicht.

Musik wie ein Labyrinth

Die Musik auf diesem Album macht noch einmal hörbar, welche Vision Marilyn Mazur mit Future Song verwirklichen wollte. "Mein Ziel war es, eine Art musikalische Symbiose zu ermöglichen", sagt sie. "Statt ein Solo nach dem anderen mit wechselnder Begleitung zu spielen, sollten die Musiker als Gruppe improvisieren, so ähnlich, als ob sie zusammen ein Labyrinth erkunden würden." Dieses gemeinsame Erkunden wird vor allem am Anfang der Stücke immer wieder deutlich. Da scheinen sich die Musiker oft erst in die Stücke hinein zu tasten. Es bilden sich nur langsam rhythmische und melodische Strukturen heraus, aber irgendwann brechen die Dämme und ein Groove nimmt Fahrt auf.

Maßgeblichen Anteil daran hat immer auch Marilyn Mazur, die bei Future Song die Rolle der Perkussionistin übernimmt und neben Gongs und Glocken viele Trommeln aus aller Welt bedient. Kontrabass spielt ihr Ehemann Klavs Hovman, am Schlagzeug sitzt der Norweger Audun Kleive. Auch sonst ist die Band mit skandinavischer Prominenz besetzt: Sängerin Tone Åse, Trompeter Nils Petter Molvær und Gitarrist Eivind Aarset stammen wie der Schlagzeuger aus Norwegen, Saxophonist Hans Ulrik und die aus Japan eingewanderte Keyboarderin Makiko Hirabayashi zählen zur dänischen Jazzszene.

© Stunt Records / in-akustik

"Live Reflections" von Future Song

Würdiger Abschied

Dichte Rhythmen und weite Flächen, verschachtelte Improvisationen und gemeinsame Klangerkundungen sind die Eckpunkte, zwischen denen sich die Musik von Future Song entwickelt. Vieles entsteht dabei im Moment. Das neue Album fängt einige dieser Momente ein und lädt dabei ein zu einer Klangreise, die eine Art akustisches Roadmovie ist – mit vielen Überraschungen.

Falls sich die Band nicht zum 70. Geburtstag ihrer Gründerin ein weiteres Mal zusammenfindet, könnte "Live Reflections" allerdings ein Abschiedsalbum sein. Marilyn Mazur selbst hat wohl wenig Interesse an einer Reunion. Sie ist mit vielen anderen Projekten beschäftigt – unter anderem hat sie eine zehnköpfige Frauenband namens Shamania ins Leben gerufen. Sollte es so sein, wäre das Album auf jeden Fall ein würdiger Abschied für die Band, sowohl in den eher meditativen Passagen als auch während des oft exotisch oder elektronisch grundierten Grooves.

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