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Das ist das One-Shot-Experiment von fünf HFF-Absolventen | BR24

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Szene aus "Limbo"

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Das ist das One-Shot-Experiment von fünf HFF-Absolventen

Ein Thriller in einer Einstellung gedreht, funktioniert das? Fünf Absolventen der Hochschule für Fernsehen und Film haben die Probe aufs Exempel gemacht. Jetzt kommt ihr Film "Limbo"ins Kino. Produzent Fabian Halbig über den aufregenden Dreh.

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In dem Kinofilm "Limbo" entdeckt Ana, eine junge Managerin im Kontrollwesen einer großen Firma, ein Geldwäsche-Netzwerk. Sie will das aufklären, man lässt sie aber nicht. Das Besondere an dem Thriller: Der Film entwickelt sich über 90 Minuten in einer einzigen Einstellung. Joana Ortmann hat mit Fabian Halbig, einem der beiden Produzenten von "Limbo", darüber gesprochen, was das Schwierige am One-Take-Verfahren ist.

Joana Ortmann: Sie hatten bei diesem Film vermutlichen keinen ganz normalen Produzenten-Job, oder?

Fabian Halbig: Ich dachte natürlich erst mal als 'gewiefter' Jungproduzent, dass das eine total einfache Aufgabe ist, weil man sich ja etliche Drehtage spart. Bei einem normalen Spielfilm hat man zwischen 30 und 50 Drehtagen. Bei uns waren nur zwei, drei Drehtage angesetzt, und dementsprechend blind sind wir in dieses Projekt gegangen und haben dann aber gemerkt: Umso genauer müssen wir vorbereitet sein, gerade bei einem One-Shot-Film, wo man die Kamera nicht ausschaltet, muss alles sitzen.

Heißt das besonders viel Proben im Vorfeld?

Ja, und besonders viel organisieren. Man muss es auch immer im begrenzten Kontext eines Abschlussfilms sehen. Aber in dem Rahmen haben wir das Maximum an Proben-Zeit rausgeholt. Wir haben wirklich erst mal mit den Schauspielern jede Szene einzeln geprobt, zum Teil noch in der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Dann sind wir langsam Richtung Set gegangen und haben zum Schluss das ganze Team dazu geholt. Das ist ein ganz wichtiger Punkt bei dieser Art des Filmemachens, dass man wirklich jeden einzelnen und jede einzelne im Team braucht. Jeder muss wissen, was der andere tut. Wenn einer einen Fehler macht, dann ist der ganze Tag verhauen. Und dann ist der Film tot.

Soviel Demokratie herrscht bisher nicht an vielen Filmsets...

Absolut. Und das hat sich tatsächlich bis zuletzt so geäußert, dass wir nach jeder Probe, nach jedem Take am nächsten Morgen ins Kino gefahren sind und den rohen Film dem ganzen Team gezeigt haben, also Head Of Department, Szenenbild, Kostüm, Ton, Licht – alle waren da und haben über Stärken und Schwächen gesprochen. Und dann noch mal und noch mal, bis das ganze Set mit allen Komparsen stand. Und da kommt natürlich noch mal eine ganze andere Eigendynamik rein, wenn dann hundert Leute komplett ins kalte Wasser geschmissen werden. Das ist natürlich wahnsinnig spannend, aber das Team hinter der Kamera muss dabei jeden Schritt kennen.

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Szene aus "Limbo"

Hatten Sie als Produzent auch mehrere Funktionen?

Ja, ich hatte vier bis fünf Funktionen. Aufnahmeleitung für die Komparsen. Eine kleine Rolle als Barmann. Und in einer Szene war ich auch der Fahrer, was eine Riesenaufgabe war. Ich dachte erst, ja klar, Auto fahren kann ich. Allerdings ist das etwas völlig anderes mit vier, fünf Schauspielern und einem Kamerateam hintendran – da merkt man jeden noch so kleinen Ruckler. Und auch dann ist der Tag einfach für die Katz. Also, es war eine richtige Teamerfahrung.

One-Shot-Filme sind gerade 'in'. Letztes prominentes Beispiel aus Deutschland war "Victoria" von Sebastian Schipper. Sie haben nun mit Ihrem Team einen Thriller in einer Einstellung gedreht. Das hat es in sich, vermute ich, weil man ja dann die Handlung fast nur über Personen bzw. Personenwechsel weitertreiben kann, das heißt, es müssen sich immer zwei begegnen, damit es 'weiter geht'.

Das war tatsächlich ursprünglich die Idee des Kameramanns Holger Jungnickel, es war ja auch sein Abschlussfilm. Natürlich kennen wir im Team "Victoria", wir lieben diesen Film! Aber wir haben auch einfach überlegt, unter dem Schutzmantel der Hochschule noch einmal etwas richtig Experimentelles zu machen, bevor es rausgeht in die freie Branche. Und inhaltlich haben wir dann nach der richtigen Geschichte dafür gesucht. weil wir diese Frage total spannend fanden: Was kann in 90 Minuten maximal und im worst case passieren?

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