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Liebe zwischen Koffern: Lucy van Kuhl gewinnt Scharfrichterbeil | BR24

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Mit der Kölner Klavier-Kabarettistin Lucy van Kuhl bekam nach längerer Zeit mal wieder eine Frau die renommierte Auszeichnung. Insgesamt war das Niveau in diesem Jahr solide, wenn auch nicht spektakulär. Beliebtes Hauptthema: Gesunde Ernährung!

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Liebe zwischen Koffern: Lucy van Kuhl gewinnt Scharfrichterbeil

Mit der Kölner Klavier-Kabarettistin bekam nach längerer Zeit mal wieder eine Frau die renommierte Auszeichnung. Insgesamt war das Niveau in diesem Jahr solide, wenn auch nicht spektakulär. Beliebtes Hauptthema der Satiriker: Gesunde Ernährung!

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Es gibt ja den berühmten Ausspruch von Gerhard Polt, wonach jeder Preis unerbittlich seinen Träger suche. Was den Kabarett-Nachwuchs angeht, so war es in den letzten Jahren allerdings zunehmend so, dass selbst hartnäckige Jurys sich schwer taten, würdige Preisträger zu finden. Doch Walter Landshuter vom Scharfrichterhaus stimmte das Publikum gleich bei der Begrüßung optimistisch, dass heuer alles besser werden würde.

Die Zuversicht war also geweckt, dass die Jury endlich mal wieder die Qual der Auswahl haben würde. So in etwa kam es dann auch, und doch nicht ganz so wie erhofft, denn es war ein Jahrgang, in dem zwar vieles denkbar, aber doch wenig absolut zwingend war. Keine Totalausfälle (alles schon erlebt in den vergangenen Jahren), bloß halt auch keine oder keiner, die oder der durch die Decke gegangen wäre.

Gern genommen: Gesunde Ernährung

Unter den sechs Kabarett-Nachwuchskräften, die zur Belustigung von Jury und Publikum antraten, waren zwei Frauen und vier Männer. Oder anders: vier Deutsche und zwei Österreicher. Oder nochmal anders: Zwei mit Gitarre und eine am Klavier; zwei die auch mal gerappt haben, eine die vorgelesen, statt gespielt hat, und einer, der nur gespielt und gar nicht gesungen hat. Und: viele, die ähnliche Themen umtreiben. Immer gern genommen: Gesunde Ernährung!

Prominentester Starter war Mathias Kellner. Der niederbayerische Song-Poet hat auf seinen Konzerten immer schon gern Geschichten zwischen den Songs eingestreut. Für die Kabarettbühne weitet er das nun aus und erzählt von seiner Jugend in Bogen.

Kellner hat Bühnenpräsenz, ist körperlich ein Schwergewicht, aber seine G‘schichtln vom Aufwachsen in der Provinz sind inhaltlich eher schmalbrüstig. Für’s kleinste der drei Beile reichte es. Eine Nase vor ihm sah die Jury Didi Sommer, der wie Kellner vom Land stammt, und auch eine Figur von dort spielt: Einen Bauern namens Willy – der Speck essende Vegetarier, der bereits zu hören war. Didi Sommer sieht aus wie Josef Hader in jung und stämmig. Klingt auch so ähnlich, denn er kommt aus derselben Gegend, dem österreichischen Mühlviertel. Leider scheint ihm diese Ähnlichkeit auch schon zu reichen.

© Lucy van Kuhl

Singt von Überflussgesellschaft und der Liebe zwischen zwei Koffern: die neue Scharfrichterbeil-Preisträgerin Lucy van Kuhl

Auch bei der Erstplatzierten, der Kölner Klavier-Kabarettistin Lucy van Kuhl, erkennt man die Vorbilder – ohne dass sie einem ganz Bestimmten konkret nacheifern würde. Eher ist es so, dass sie sich bei prominenten Vertretern ihrer Disziplin – von Georg Kreisler bis Sebastian Krämer – ganz genau abgeschaut zu haben scheint, wie so ein Kabarettsong gestrickt sein muss: Wie man dabei ins Publikum guckt, wann man das Tempo wechselt und wann man zwischendurch eher spricht als singt.

Jahrgangsbeste und ein bisschen Streberin

Egal ob Lucy van Kuhl von der Liebe zwischen zwei Koffern singt oder über das überfordernde Zuviel an Auswahl in unserer Überflussgesellschaft: Sie macht das mit der Könnerschaft einer Musterschülerin, die ihre Liedermacher-Lektion perfekt gelernt hat. Die Jury kürte sie zur Jahrgangsbesten, völlig zurecht. Und doch haftet dieser Gewinnerin des großen Scharfrichterbeils ein Hauch des Streberhaften an. Zweifelsohne erfreulich aber: Nach vielen Jahren hat endlich Mal wieder eine Frau gewonnen. Trägerinnen suchen Preise ja leider viel zu selten mit der nötigen Unerbittlichkeit.

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