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Ein eigenständiges Leben zu führen, wird jungen Erwachsenen mit Down-Syndrom nicht leicht gemacht. Ludwig Wittmann hat Glück, er lebt recht selbstständig in einer Wohngemeinschaft. Fehlt nur noch ein neuer Job - und die große Liebe

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Liebe inklusive: Sehnsucht nach Beziehung

Ein eigenständiges Leben zu führen, wird jungen Erwachsenen mit Down-Syndrom nicht leicht gemacht. Ludwig Wittmann hat Glück, er lebt recht selbstständig in einer Wohngemeinschaft. Fehlt nur noch ein neuer Job - und die große Liebe.

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Von
  • Claudia Wörner

Ludwig Wittmann ist 24. Es gibt Tage, an denen er ziemlich verzweifelt ist. Dann denkt er nur daran, wie sehr er sich nach der großen Liebe sehnt. "Ich bin ein bisschen traurig, weil ich noch keine Freundin habe. Und ich hoffe, dass irgendwann die Richtige zu mir kommt. Ich möchte ein Mädchen, das es ernst mit mir meint. Ich möchte eine Frau, die immer in meinem Leben ist und immer meine Hand hält", sagt Wittmann.

Ludwig hat aber noch einen anderen Traum: einen neuen Job. Er bewirbt sich im Integrationscafé "Balan Deli". Dort arbeiten auch Menschen mit Down-Syndrom. Wenn alles gut läuft, kann Ludwig hier als Kellner anfangen. Ein neuer Job wäre toll. Aber: Ein Treffen mit seiner ehemaligen Mitschülerin Julia, die auch in dem Café arbeitet, ein Traum. Ob sie mit ihm ausgehen würde?

Der Traum von der großen Liebe

Eine Woche später wartet Ludwig an der Isar auf Julia. Es ist sein erstes Date. Er ist nervös. Einen Schritt nach dem anderen, hat Ludwig sich vorgenommen. Aber dann verrät er Julia doch, dass er sich Kinder wünscht, zwei Mädchen und zwei Jungs. Am meisten begeistert ihn, dass Julia das gleiche Hobby hat wie er: Tanzen. Ob Julia wirklich Interesse an ihm hat, das weiß Ludwig noch nicht. Immerhin: Sie kommt zum Sommerfest seiner Wohngemeinschaft. Und bald werden die beiden zusammenarbeiten. Denn Ludwig hat den Job im Café bekommen. Ob sein Traum dann in Erfüllung geht, Julia für sich zu gewinnen? Die große Liebe zu finden? Noch ist alles offen.

Ein eigenständiges Leben in einer Wohngemeinschaft

Das besondere Haus, in dem Ludwig und seine Mitbewohner wohnen, steht in Höhenkirchen-Siegertsbrunn, südlich von München, mitten in einem Neubaugebiet. 40 Eltern haben es für ihre Kinder gebaut und sich zu dem Verein "Zukunft trotz Handicap" zusammengeschlossen.

Entstanden ist ein Wohnprojekt, das es so noch sehr selten gibt. Andrea Hanisch hat die Eltern zusammengebracht, ihr Neffe Benedict hat das Down-Syndrom. "Deine Kinder haben es gut", hatte Benedict einmal zu ihr gesagt, "sie können von zu Hause ausziehen". Für ihn selbst war dieser Gedanke bisher nicht vorstellbar. Seine Eltern wiederum treibt die Sorge um, wo ihr Sohn leben wird, wenn sie einmal nicht mehr da sind. Sie haben festgestellt, dass es sehr schwer ist, ein geeignetes Wohnheim zu finden, in dem auch andere junge Menschen leben.

Lebenslanges Wohnrecht für die Kinder

Das Haus in Höhenkirchen finanzieren alle Eltern gemeinsam, auch eine Stiftung beteiligt sich. Betrieben wird es vom Heilpädagogischen Zentrum Augustinum. Die jungen Erwachsenen leben in eigenen Apartments in drei Wohngruppen, so selbstständig und unabhängig wie möglich. Tagsüber arbeiten sie in Werkstätten, abends kochen und essen sie gemeinsam, am Wochenende verbringen sie ihre Freizeit miteinander. Betreuerinnen und Betreuer helfen nur, wo es nötig ist. Und für ein lebenslanges Wohnrecht haben ihre Eltern gesorgt.

Der Beitrag ist Mittwoch, 24. März 2021 um 19 Uhr in STATIONEN im BR-Fernsehen zu sehen, und in der BR-Mediathek.