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Hinter der Maske: Fan von "Hanfu"-Kostüm

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    "Liebe die Partei!": Neue Benimm-Regeln für Chinas Künstler

    Abweichler haben es im Reich der Mitte ab 1. März noch schwerer: Der dortige Verband für Schauspieler hat einen "Leitfaden" mit 15 Verhaltensregeln veröffentlicht. Wer sich nicht dran hält, gilt als "unmoralisch" und erhält faktisch Berufsverbot.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Da wird mancher leicht den Überblick verlieren: Sage und schreibe 15 Verhaltensvorschriften müssen chinesische Künstler ab März beachten, um nicht ihre Beschäftigung zu gefährden. Bei der offiziellen chinesischen Auslands-Nachrichtenagentur Xinhua klingt das ziemlich harsch: "Von allen, die in der Unterhaltungsindustrie arbeiten, wird erwartet, dass sie die gesellschaftliche Moral und den Geist ihrer Verträge einhalten und die Mitglieder ihres Teams und ihre Partner im Einklang mit dem Verband respektieren." Wer sich "schlecht benimmt", dem droht demnach ein Berufsverbot von mindestens einem bis zu fünf Jahren. In Ausnahmefällen soll auch ein lebenslänglicher Bann möglich sein. Drei Monate vor dem jeweiligen Ende ihrer erzwungenen Auszeit können Betroffene einen Antrag auf Wiedereingliederung stellen – Genehmigung ungewiss.

    Die Partei spricht von "Qualitätsverbesserung"

    In typischer Partei-Lyrik heißt es in den neuen Richtlinien, sie hätten das Ziel, kontinuierlich die "Qualität" der Darbietungen zu steigern, die Selbstdisziplin zu fördern, die Mitarbeiter in ein "positives" Licht zu rücken und die "gesunde" Entwicklung der Industrie voranzubringen. Betroffen sind neben Schauspielern und Sängern auch Magier, Comedians und sogar Akrobaten. Zu den wichtigsten Geboten zählt die "Liebe zur Partei", die Unterstützung des "Diktats, der Politik und der Prinzipien der Partei", der Dienst an "den Menschen und dem Sozialismus" und die Beachtung der "Grundwerte des Sozialismus".

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    Karriere zwangsweise beendet: Zheng Shuang

    Zu den Vergehen zählt ab 1. März alles, was der chinesischen Sicherheit, der Ehre und der territorialen Integrität schadet. Auch das Schüren von "ethnischen Auseinandersetzungen" und Handlungen gegen die "ethnische Einheit" stehen unter Strafe, womit wohl jede Solidarisierung mit Tibetern, Uiguren und anderen verfolgten Minderheiten verhindert werden soll. Selbstredend dürfen Schauspieler nicht spielen, keine Drogen nehmen, Pornographie konsumieren, betrunken Auto fahren oder die chinesische Geschichte verunglimpfen. Selbst das "lippensynchrone" Mitwirken an kommerziellen Veranstaltungen ist untersagt.

    Wer religiösen Praktiken nachgeht und "Aberglauben" verbreitet, macht sich ebenso schuldig. Unter Punkt acht wird den Verbandsmitgliedern untersagt, an der Darstellung von grausamen Gewalttaten mitzuwirken, bei denen "versehrte" Körper zu sehen sein könnten. Punkt neun verbietet das "Verschweigen der Wahrheit" bei der Vertragsunterzeichnung. Nicht erwünscht sind auch Vergehen gegen die Vertraulichkeit von Vereinbarungen und die "Manipulation" von Unterlagen gegen Vergünstigungen. Der "Irreführung der Verbraucher" durch Auftritte in Werbe-Spots ist ebenfalls ein eigener Absatz gewidmet.

    Wer fehlt, muss zur "Nachschulung"

    Ein besonderes "Ethik-Komitee" wird für die Ahndung zuständig sein. Mitglieder sollen "vorbildliche" Künstler sein. Zu ihren Aufgaben gehört auch, unliebsam gewordenen Kollegen bei der "Wiedereingliederung" zu helfen, etwa mit Hilfe von ehrenamtlicher Arbeit und dem Besuch von "professionellen" Nachschulungen.

    Zu den Beispielen für gesellschaftlich unmöglich gewordene Stars zählt Xinhua die einstige Star-Schauspielerin und Prada-Werbefigur Zheng Shuang, die das "chinesische Volk" mit einer Leihmutter-Affäre gegen sich aufgebracht habe, nachdem sie zwei in den Vereinigten Staaten ausgetragene Babys dann doch nicht annehmen wollte. Daraufhin habe sie sämtliche Verträge verloren. Die Autoren Guo Jingming und Yu Zheng seien wegen Plagiaten tief gestürzt. Andere Medien erwähnen als Negativ-Beispiele Fan Bingbing, der wegen Steuerhinterziehung seinen Beruf an den Nagel hängen musste und Kai Ko, der mit Drogendelikten auffiel. Politische Vergehen im engeren Sinne wurden wohlweislich nicht aufgezählt.

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