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Lichtmess im Lockdown: Hilft ein Blasiussegen gegen Corona? | BR24

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Da kommt er ins Schwitzen: Spätestens zu Lichtmess muss die Weihnachtsbeleuchtung runter, denn die Weihnachtszeit ist jetzt offiziell vorbei.

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Lichtmess im Lockdown: Hilft ein Blasiussegen gegen Corona?

Rituale helfen in Krisensituationen, sagen Psychologen. Klassische Rituale zu Lichtmess: Die Weihnnachtsbeleuchtung endgültig einmotten. Außerdem: der Blasiussegen - hilft angeblich gegen Halskrankheiten. Und wie steht es mit Corona?

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Von
  • Viktoria Hausmann

Mariä Lichtmess, läutet immer exakt 40 Tage nach Weihnachten, das endgültige Ende der Weihnachtszeit ein. Heuer, mitten im Corona-Lockdown ist Lichtmess für viele im wahrsten Sinne des Wortes ein Lichtblick und das liegt an folgenden Worten:

"Auf die Fürsprache des Heiligen Blasius bewahre dich der Herr vor Halskrankeit und allem Bösen. Es segne dich Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist."

Zum Blasiussegen werden den Gläubigen traditionell zwei gekreuzte Kerzen an den Hals gehalten. Wegen Corona fällt diese Geste diesmal weg, stattdessen gibt es den Blasiussegen gemeinschaftlich mit Sicherheitsabstand oder eben digital im Netz, erklärt der katholische Münchner Generalvikar Christoph Klingan, das helfe trotzdem: "Der Segen Gottes hängt vor allem daran, dass die Leute sich geistig darauf einlassen."

Der Heilige Blasius rettete einen Mann vor dem Erstickungstod

Benannt ist der Blasiussegen nach dem Heiligen Blasius von Sebaste, der kurz vor seinem Märtyrertod einem Mann das Leben rettete, als dieser drohte an einer Fischgräte zu ersticken. Deshalb soll der gleichnamige Segen vor Halskrankheiten schützen. Zumindest wenn man dran glaubt. Ob das auch gegen Corona hilft? Ein Blasiussegen kann zumindest nicht schaden, sagt Peter Brieger. Eine Impfung oder gar den Mundschutz ersetzt die Segenshandlung aber nicht, betont der Psychologe: "Mir ist keine wissenschaftliche Studie bekannt, die besagt, dass der Blasiussegen Halskrankheiten im Folgejahr verhindern kann, aber wir Katholiken glauben daran." Wenn der Glaube nur aus Ritualen wie dem Blasiussegen bestünde, wäre das freilich zu wenig, so Brieger. Aber eingebettet in den Kontext der Liturgie mache so ein Ritual durchaus Sinn.

Rituale können Halt geben, aber auch falsche Sicherheit vermitteln

Brieger erforscht Rituale - kleine Alltagsrituale ebenso wie religiöse und esoterische Praktiken. Alles, was Menschen in Krisenzeiten halt gibt, so erklärt der Psychologe die Wirkung der symbolischen Zeichenhandlungen. Neben einem Blasiussegen, können das auch Horoskope sein, das Legen von Tarotkarten oder sehr ausgefallene Dinge wie das Trinken von aufgelöstem Meteoritenpulver, in dunklen Ecken des Internets als vermeintlicher Geheimtipp gegen Corona gehandelt. Gefährlich werden Rituale, wenn sie zum Zwang werden oder falsche Sicherheit vermitteln, wo keine zu haben ist – zum Beispiel eine vermeintliche Corona-Immunität.

Gefährlich ist vor allem ein magisches Ritualverständnis

Ein Blasiussegen aber sei unbedenklich, sagt Axel Seegers, der Weltanschaungsbeauftragte der Diözese München, zumindest wenn man ihn nicht magisch verstehe und sich danach automatisch für immun halte. "Alle Menschen sind gefährdet, sich in einer ideologischen Sackgasse zu verrennen wo es dann keine Auswege gibt", so der Weltanschauungsexperte. "Christliche Rituale können einem gut tun, aber man darf sie nicht magisch verstehen. Sondern Segen heißt, das ist ein guter Wunsch zur Vergewisserung das ich behütet bin."

Lichtmess: letzter Termin fürs Abhängen der Weihnachtsbeleuchtung

Da die übliche Lichtmessprozession wegen der Pandemie ausfällt, kann man am Feiertag anderen Ritualen frönen: Etwa dem Abhängen der Weihnachtsbeleuchtung, die im Coronablues irgendwie übersehen wurde. Spätestens zu Lichtmess, so will es die Tradition: Runter damit! Denn ab heute ist die Weihnachtszeit ganz offiziell vorbei.

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Mariä Lichtmess war früher der wichtigste Tag auf den Bauernhöfen. An diesem Tag erhielten die Knechte und Mägde den Lohn für das ganze Jahr. Eine #BR24Zeitreise aus dem Jahr 1999.

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