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Leonardo da Vinci und sein wohl berühmtestes Werk, die Mona Lisa
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Tassilo Forchheimer
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Leonardo da Vinci und sein wohl berühmtestes Werk, die Mona Lisa

Für Lucia Borgonzoni, die Staatssekretärin im italienischen Kunstministerium, ist es im Moment die wichtigste Aufgabe: Sie hat den Auftrag, das Gedenkjahr zum 500. Todestag von Leonardo da Vinci zu koordinieren. Für die junge Politikerin, selbst eine studierte Künstlerin, ist das Universalgenie geradezu der Prototyp eines Italieners. Was ihn großgemacht habe sei die Fähigkeit, von der Malerei zur Erfindung eines Fluggerätes zu springen, um sich dann mit Pferden zu beschäftigen sowie seine Begabung, gedankliche Verbindungen herzustellen. Deshalb sei bei ihm auch so vieles unvollendet geblieben. Weil er von einem Gedanken zum anderen sprang. Für Borgonzoni ist er die Synthese der italienischen Identität, weshalb es für die Politikerin ein ziemlich abwegiger Gedanke ist, den großen Italiener ausgerechnet in Frankreich zu feiern. Geboren und gelebt habe er vor allem in Italien, in Frankreich sei er 1519 nur gestorben, meint sie, nachdem er erst im Jahr 1516 zusammen mit der Mona Lisa im Gepäck über die Alpen gezogen war.

Frankreich benehme sich herrschaftlich

Doch die frühere italienische Regierung habe den Franzosen doch tatsächlich versprochen, fast alle wichtigen Werke des großen Italieners zu einer gigantischen Sonderausstellung nach Paris zu schicken, erregt sich Borgonzoni. Die Franzosen hätten wirklich alles haben wollen und darin zeige sich eine Respektlosigkeit gegenüber den Italienern, das habe etwas Herrschaftliches, so Borgonzoni weiter.

Die kämpferische Norditalienerin stammt aus einer Partisanen-Familie, ist politisch aber auf einem strammen Rechtskurs – als Mitglied der EU-kritischen Lega von Innenminister Salvini, der seit Monaten gegen das Frankreich von Präsident Macron wettert. Insofern liegt die Staatssekretärin ganz sicher auf seiner Linie, wenn sie sagt, bei Leonardo dürfe es mit Paris keine Kompromisse geben.

Für eine große Ausstellung ist man spät dran

Italien und Frankreich hatten eigentlich vereinbart, das Gedenkjahr aufzuteilen. Die wertvollen Leihgaben hätten erst im Herbst nach Frankreich gehen sollen, damit sie zuvor noch in Italien gezeigt werden können. Nun ist klar: Der „Vitruvianische Mensch“ wird ebenso in seiner Heimat bleiben wie „Die Verkündigung“ oder „Das Abendmahl“. Und Borgonzoni hat sich fest vorgenommen, ein ganzes Feuerwerk von Veranstaltungen zu Ehren Leonardos auf die Beine zu stellen. Mindestens 500 Events sollen es am Ende werden. Man versuche derzeit noch eine Ausstellung aufzubauen. Dazu braucht man eigentlich Jahre. Man sei etwas spät dran, um eine wirklich große Ausstellung zu organisieren. Trotzdem sei es möglich, noch etwas zu Leonardo zu machen. Für Januar ist eine Präsentation der anstehenden Veranstaltungen geplant, bei der man aber noch nicht alles vorstellen können Etliche Ministerien seien erst kurzfristig beteiligt worden, sagt die Politikerin.

An vielem wird noch gebastelt

Soll heißen: Im Moment ist noch einiges unklar. An vielem wird gebastelt: Am museumspädagogischen Programm ebenso wie an einem speziellen Logo. Filmprojekte, Apps – Italien-Besucher sind gut beraten, sich kurzfristig zu informieren.

Immerhin: Dank vieler regionaler Initiativen sind bereits einige Höhepunkte absehbar. Noch bis zum 20. Januar ist in den Uffizien in Florenz der berühmte Leicester-Kodex zu bestaunen. Darüber hinaus wird es in der Toskana im Lauf des Jahres noch viele andere Ausstellungen geben. So soll in der Ortschaft Vinci, aus der Leonardo stammt, das erste sicher datierbare Werk des Künstlers zu sehen sein: „Landschaft mit Fluss“, gemalt am 5.8.1473. Weitere große Ausstellungen sind aber beispielsweise auch in Mailand oder Turin geplant. Wer Leonardo sucht, wird ihn auch dank italienischer Improvisationskünste ganz sicher finden.

Autoren

Tassilo Forchheimer

Sendung

kulturWelt vom 04.01.2019 - 08:30 Uhr