BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

In Zeiten von Corona: Lernen von den Mönchen in Klausur | BR24

© picture alliance/dpa-Zentralbild

Der Mönch Pater Anselm Grün am 13.12.2019 in Leipzig.

2
Per Mail sharen

    In Zeiten von Corona: Lernen von den Mönchen in Klausur

    Ausgangsbeschränkungen, Quarantäne – Mönche würden sagen: In Zeiten von Corona leben wir in Klausur. Wie lässt sich diese erzwungene Klausur vernünftig leben? Der Benediktinermönch und Bestsellerautor Anselm Grün hat ein Buch darüber geschrieben.

    2
    Per Mail sharen

    "Quarantäne: eine Gebrauchsanweisung" - der Titel des beim Herder-Verlag erschienen E-Books ist Programm: Pater Anselm Grün möchte seinen Lesern etwas von der Lebensrealität der Mönche mitgeben, um die aktuelle Situation in Zeiten von Corona besser durchzuhalten.

    Das Wichtigste: Routinen, die den Tag strukturieren

    "Wir Mönche sind ja gewohnt, in unserer Zelle zu bleiben, wir haben gelernt einsam zu sein, und das ist sicher auch eine Hilfe für die Menschen draußen", sagt Pater Anselm Grün. Aktuell fänden sich die Menschen "da draußen" in einer ähnlichen Situation wieder - wenn auch unfreiwillig. Und das Wichtigste ist nach den Worten des Paters, den Tag zu gestalten, ihn zu strukturieren. Zu wissen, wann man aufsteht.

    "Wie beginnen wir den Tag, wie beschließen wir den Tag? Ich darf mich nicht als Opfer fühlen, sondern ich muss es umwandeln in mein eigenes Tun." Pater Anselm Grün

    Die Bedeutung von Ritualen

    Rituale und ein Rhythmus gehören für den Benediktinermönch unbedingt dazu. Im Kloster sind viele Rituale vorgegeben, fünf Mal am Tag wird gebetet und zwar in Gemeinschaft. Der Pater hat aber auch persönliche Rituale entwickelt, etwa Segensrituale, die jeder für sich allein am Morgen praktizieren kann: "Dass ich im Bad die Hände ausstrecke und alle Familienmitglieder segne, dann werde ich anders auf den Tag zugehen als mit allen möglichen Reibereien".

    Möglichkeiten des Rückzugs sind wichtig

    Wenn einem die Decke zu Hause auf den Kopf fällt, ist es auch wichtig, innerhalb der Wohnung eine Art Herrgottswinkel, einen Rückzugsraum zu haben, sagt der Bestseller-Autor Anselm Grün, einen heiligen Raum. "Wo ich geborgen bin, auch wenn ich nicht raus kann, wo ich weiß, da bin ich geschützt, da stört mich niemand."

    Die Chance: Sich selbst kennenlernen und aushalten

    Eine kleine Mönchszelle eben – wenn man denn dazu bereit ist, sich mal zu besinnen – im Gebet oder beim Yoga oder der Meditation. Fragt sich nur: Wie lange kann man das durchhalten – leben wie die Mönche, unfreiwillig, per Allgemeinverfügung verordnet?

    "Ich halt es lange durch, ich bin seit 55 Jahren Mönch, Quarantäne ist natürlich was anders, eine enge Wohnung ist nicht ein weites Kloster, nicht jeder ist es gewohnt, mit sich selbst auszukommen. Ein wichtiger Weg ist, dass ich mich selbst aushalten kann, das tut am Anfang weh, aber das könnte auch eine Chance sein, zu fragen, wer bin ich eigentlich, was möchte ich für eine Spur eingraben in diese Welt." Pater Anselm Grün

    Anregungen für die Quarantäne - keine Dauerlösung

    Dennoch warnt der Benediktinermönch davor, die Corona-Krise zu bagatellisieren oder spirituell zu überhöhen. Es sich gemütlich machen, lässt sich schwer verordnen, und die Pandemie in eine allgemeine Fastenzeit umzudeuten sei schwierig. Aber Mönche kennen sich eben aus mit Zusammenleben auf engem Raum, so Anselm Grün. Uns Klosternovizen auf Zeit hofft er deshalb Impulse aus seiner Tradition geben zu können. Denn: "Es wird ein Ende der Quarantäne geben, das sollten wir uns immer wieder sagen."