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Jerry González
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Autoren

Peter Jungblut
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Jerry González

González lebte seit einem Werbe-Auftritt im Jahr 2000 in Spanien, nach Angaben der Zeitung "El País" auch deswegen, weil er zuvor in seiner Wohnung in New York ein Brandopfer wurde und daraufhin ein Land suchte, wo die medizinische Betreuung erschwinglich war. Feuer habe ihn regelrecht verfolgt, so das Blatt, obwohl das melodramatisch klinge: Auch in früheren Anwesen des Musikers in Madrid habe es schon gebrannt. Der jüngste Unfall ereignete sich im Stadtteil Lavapiés unweit des Zentrums der spanischen Hauptstadt. Nach Angaben der Nationalpolizei brach dort in der Nacht zum Montag gegen Mitternacht im ersten Stock ein Feuer aus, der Künstler kam in "kritischem Zustand" ins Krankenhaus, wo er verstarb.

González wuchs als Sohn puerto-ricanischer Eltern im New Yorker Stadtteil Bronx auf. Die Familie war ausgesprochen musikalisch, der Vater sang mit Stars wie Claudio Ferrer, der jüngere Bruder Andy arbeitete als Bassist eng mit Jerry zusammen, der vom Be-Bop fasziniert war und sich als Trompeter und Perkussionist betätigte.

Mit seinem Idol Dizzy Gilliespie nahm er 1970 das Album "Portrait of Jenny" auf, seine Eintrittskarte ins Musikgeschäft, das er mit seiner Art des Fusion-Jazz bereicherte. Es folgten Aufnahmen mit den Beach Boys, George Benson, McCoy Tyner und der Sängerin Abbey Lincoln, für die er Congas spielte. Die Salsa-Welle in den 1970er Jahren verschaffte ihm zahlreiche Gigs und Studioaufnahmen, etwa mit Tito Puente, Ray Barretto und Eddie Palmieri. Als Solist präsentierte sich González erstmals 1979 mit Ya Yo Me Cure, woraus die Fort Apache Band entstand, die sich 1988 mit "Rumba für Monk" einen Namen machte, einem Album, das Thelonius Monk gewidmet war.

In sich versunken: Jerry González

In sich versunken: Jerry González

Nach Madrid kam González eigentlich nur für einen einzigen Auftritt, nämlich um den Film "Calle 54" zu präsentieren, einen Dokumentarfilm über Latin Jazz von Fernando Trueba, an dem er mitgewirkt hatte. Prompt ließ sich González vom Flamenco inspirieren und trat mit Diego El Cigala, Niño Josele und El Piraña auf. 2004 produzierte er das Album "Los Piratas del Flamenco". Wegen seiner angeschlagenen Gesundheit konnte der Musiker schon länger nicht mehr auftreten. Zuletzt erschien 2011 "Jerry González & Miguel Blanco Big Band: A Tribute to the Fort Apache Band". Für "Jerry González y el Comando de la Clave" war er für den Grammy nominiert und erhielt von Kritikern eine Auszeichnung für das "Latin Album des Jahres".

Jerry González wurde 69 Jahre alt.

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Peter Jungblut