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Landesverein sammelt 750.000 historische Sterbebilder | BR24

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Sterbebilder sind mehr als eine Erinnerung an Verstorbene für Freunde und Verwandte. Sie können auch für die Familienforschung von Bedeutung sein. Deshalb lässt sie der bayerische Landesverein für Familienkunde seit fünf Jahren sammeln und erfassen.

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Landesverein sammelt 750.000 historische Sterbebilder

Sterbebilder sind mehr als eine Erinnerung an Verstorbene für Freunde und Verwandte. Sie können auch für die Familienforschung von Bedeutung sein. Deshalb lässt sie der bayerische Landesverein für Familienkunde seit fünf Jahren sammeln und erfassen.

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Die betenden Hände von Albrecht Dürer, mal in schwarz-weiß, mal sepiafarben. Sie führen die Hitliste der Sterbebilder an. Jedenfalls auf dem Computer von Sabine Scheller. "Das ist ein älteres Bild von 1951 – die Lokomotivführerswitwe aus Burglengenfeld", sagt die Krankenschwester aus Kempten und scrollt weiter. Sie ist eine der Verantwortlichen des Digitalisierungsprojekts für Sterbebilder im Landesverein für Familienkunde.

"Die schönsten Sterbebilder sind um die Jahrhundertwende entstanden, 1890 bis 1910. Da gibt es sehr viele, die fast dreidimensional wirken. Die farbig sind, glitzern und bestimmt nicht billig waren. Sowas findest du heute nicht mehr." Sabine Scheller

750.000 Sterbebilder hat der Verein inzwischen von Sammlern bekommen, erfasst und katalogisiert. Das älteste stammt aus der Zeit um 1850. Früher waren Sterbebilder eine rein katholische Tradition. "Da sind Gebete drauf" – Scheller blickt auf ein älteres Sterbebild, das zum Ablass-Gebet auffordert – "und die Inschrift: 'Mein Gott, du bist alles, möge auch ich Dir ganz angehören. 300 Tage Ablass.' Also je mehr die Menschen für denjenigen beten, desto kürzer wird die Zeit im Fegefeuer."

Sterbebilder von Prominenten

Für den getöteten US-Präsidenten John F. Kennedy wurde im Jahr 1963 ebenfalls noch für den Ablass gebetet: Nachzulesen in der Sammlung von Sabine Scheller. Auch von anderen "Promis" hat die schwäbische Familienforscherin Sterbebilder digitalisiert: Bayerns früherer Ministerpräsident Franz-Josef Strauß ist darunter. Sein Sterbebild ziert eine goldene Madonnenfigur. Er selbst ist im Trachtenjanker abgebildet, das Erinnerungskärtchen ist schlicht gehalten – eher unpersönlich.

Sabine Scheller sagt, mit den Druckmöglichkeiten heute wären individuellere Sterbebilder möglich – vom Leporello mit mehreren Fotos bis zu kurzen Texten, die die Lebensgeschichte des Verstorbenen nachzeichnen, "dass einfach ein bisschen was Persönliches mit dabei ist, nicht nur die reinen Daten – sondern dass man sich vielleicht auch vorher schon ein bisschen Gedanken dazu macht." Damit am Ende – und in der Erinnerung – eben nicht nur Zahlen bleiben. Gerade für spätere Generationen, die auf den Spuren ihrer Wurzeln sind, wären solche Sterbebilder ihrer Vorfahren ein Geschenk, findet Sabine Scheller.