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Die Zukunft des Landestheaters Niederbayern steht auf dem Spiel | BR24

© Bayern 2

Das Landestheater Niederbayern hat Spielstätten in Passau, Straubing und Landshut. Landshut begnügt sich seit Jahren mit einem Zelt – eine Zwischenlösung, bis das Theater saniert ist. Jetzt soll die Sanierung eingefroren werden. Das gibt Ärger.

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Die Zukunft des Landestheaters Niederbayern steht auf dem Spiel

Das Landestheater Niederbayern hat Spielstätten in Passau, Straubing und Landshut. Landshut begnügt sich seit Jahren mit einem Zelt – eine Zwischenlösung, bis das Theater saniert ist. Jetzt soll die Sanierung eingefroren werden. Das gibt Ärger.

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Am Samstag soll in Landshut Premiere von "Amadeus" sein, einem Theaterkrimi von Peter Shaffer über Mozart, Salieri und Musik. Noch hält das niederbayerische Landestheater an der Premiere fest. Intendant Stefan Tilch führt selbst Regie, er weiß, was es heißt, im Theaterzelt zu proben:

"Die Kanalisation funktioniert nicht. Wir haben Fäkaliengeruch über allem liegen, unter den Garderoben verenden die Ratten und stinken bestialisch und das alles unter diesem kontinuierlichen Lärm. Wir sind hier am Messegelände und es muss nur ein wenig regnen und wir schreien uns bei den Proben an. Nun ist Theaterspielen ja nicht etwas bauen, sondern wir spüren feine Emotionen auf, wir ziehen Seelen aus – und das während wir uns anschreien. Das alles haben wir geduldet im Vertrauen darauf, dass die Stadt ihr Wort einhält, uns schnellstmöglich in die Stadt zurückzuholen." Stefan Tilch, Intendant Landestheater Niederbayern
© Peter Litvai / Landestheater Niederbayern

Der Innenraum des Zeltbaus

Der Entwurf für die Generalsanierung stand im Februar

Das Proben und Spielen im Zelt auf dem Messegelände in Landshut sollte nur eine Zwischenlösung sein, weil die alte Spielstätte in der Altstadt sanierungsbedürftig ist. Immer wieder wurden Umbaupläne gemacht, verschoben und dann, endlich, eine Lösung gefunden. Im Februar feierte die Stadt Landshut den Entwurf des Architekturwettbewerbs für die Generalsanierung: einen Um- und Neubau der Spielstätte an alter Stelle, Fertigstellung vielleicht schon 2024. Das gab Aufwind, auch den Zuschauern, sagt Stefan Tilch:

"Wir haben wachsende Zuschauerzahlen, 5.000 mehr in der letzten Spielzeit. Wir haben entgegen jedem Trend auf Bundesebene wachsende Abozahlen, allein der Freundeskreis des Theaters ist auf über 1.000 gestiegen. Wir stehen da wie eine Eins." Stefan Tilch, Intendant Landestheater Niederbayern

Die Auslastung in Landshut liegt – trotz der widrigen Umständen im Zelt – bei rund 70 Prozent, in Straubing und Passau bei über 90 Prozent. Das Gute am Zelt übrigens: Endlich ist Platz für mehr Orchester. "Der Ring des Nibelungen" und "Tristan und Isolde" stehen auf dem Spielplan.

Solche Produktionen hätten auch im neu geplanten Haus Platz. Doch jetzt sind die Pläne gestoppt. Die Stadt hat Angst vor Überschuldung: Im neuen Haushaltsentwurf fehlen 110 Millionen Euro – zu viel, sagt Oberbürgermeister Alexander Putz und muss Projekte streichen.

© dpa/picture-alliance

Der Landshuter Oberbürgermeister Alexander Putz

Eishockeyhalle bekommt Geld, der neue Theaterbau nicht

"Wir haben feststellen müssen, dass die Baukosten für die dringend notwendigen Schulbauten deutlich nach oben gehen, und auf der anderen Seite haben wir eine deutliche Abschwächung der Konjunktur. Die Gewerbesteuer ist in allen kreisfreien Städten um 20 Prozent nach unten gegangen, das war nicht absehbar." Alexander Putz, Oberbürgermeister Landshut

Man könne jeden Euro nur einmal ausgeben und die Stadt müsse es für Schulen und Kindergärten tun, das seien Pflichtausgaben, ein Theater bauen sei eine freiwillige Leistung. Und was freiwillig ist, bestimme die Finanzaufsicht des Bezirks Niederbayern, nicht die Stadt, betont der Oberbürgermeister.

Besonders bitter: Landshut hat gerade damit begonnen für geschätzte 22 Millionen Euro die Eishockeyhalle zu sanieren, diese Ausgabe wurde genehmigt, also nicht als freiwillig eingeordnet. "Der Eishockeysport hätte in Landshut sofort beendet werden müssen, wir hätten die Halle sperren müssen, die Statik des Daches war nicht mehr tragfähig. Bei der haushaltsrechtlichen Würdigung der Regierung von Niederbayern werden uns die Investitionen in die Eishalle nicht abgezogen, die Investitionen ins Theater schon", erklärt Putz.

© Peter Litvai / Landestheater Niederbayern

Intendant Stefan Tilch

Wird aus dem Landestheater ein Staatstheater?

Dabei übernimmt der Freistaat bei der Landestheater-Sanierung einen Großteil der Kosten, nämlich drei Viertel der veranschlagten 50 Millionen Euro. Oberbürgermeister Putz fragt, warum Landshut eigentlich kein Staatstheater werde, so wie Würzburg 2022. Da ist der Freistaat eingesprungen, will die Subventionen jährlich erhöhen. Der zuständige Kunstminister Bernd Sibler, gerade außer Landes, betonte in einer schriftlichen Stellungnahme "die zentrale Rolle des Theaters im kulturellen Leben in der Region und auch darüber hinaus".

Ob die Umwidmung in ein Staatstheater eine Lösung wäre? In jedem Fall muss bald etwas passieren. Morgen treffen sich Theaterfamilie und OB zum Krisengespräch. Denn den Theaterleuten im Zelt geht langsam die Luft zum Durchhalten aus.

"Wir hängen hier seit zehn Jahren in einer nicht enden wollenden Dauerwarteschleife, wie wir aus dieser Situation in Landshut herauskommen, hier wieder eine Spielstätte bekommen. Das zieht sich, schleppt sich, so harren wir aus. Wenn es aber die Aussage ist: 'Wir nehmen die Planungen 2024 wieder auf', dann reden wir von einem Rückzug in die 2030er-Jahre, dann kann ich klar drauf antworten: Das bedeutet das Ende des Landestheaters." Stefan Tilch, Intendant Landestheater Niederbayern

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