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Kultur

Mit "Supervision" feiert La Roux ein meinungsfreudiges Comeback | BR24

© dpa/picture-alliance

Elly Jackson alias La Roux im Februar 2020 in London

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Mit "Supervision" feiert La Roux ein meinungsfreudiges Comeback

Ehrgeizige Texte und ein Sound voll Leidenschaft und Groove: Elektronische Musik reizt Elly Jackson alias La Roux kaum noch, statt dessen R&B, Funk und Soul. La Roux meldet sich mit "Supervision" eindrucksvoll zurück.

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Für Elly Jackson war das letzte Jahrzehnt eine echte Herausforderung. Dabei fing alles so positiv an: Mit Produzent Ben Langmaid bildete sie ein Duo, das ihren Spitznamen trug, verkaufte zwei Millionen Exemplare ihres Debüts, hatte Welthits wie "Bulletproof" und wurde mit einem Grammy ausgezeichnet. Dann stellten sich Erfolgsdruck und interne Spannungen ein. Es kam zur Trennung von Langmaid und das zweite Album erwies sich als Flop. Jetzt macht Elly Jackson alles im Alleingang: Mit eigenem Label und Songs, die sie in ihrer Küche im Stadtteil Brixton aufgenommen hat. "Im Grunde bin ich unglaublich dankbar, dass mir der ganze Mist passiert ist", sagt sie jetzt. "Sonst hätte ich nie solche wertvollen Erfahrungen sammeln können. Im Ernst: Auf diese Weise habe ich viel über andere und über mich gelernt. Etwa was Vertrauen betrifft. Ich tue alles, damit mir das nie wieder passiert."

Politisch, mit Durchblick und Kontrolle

Die heute 31-Jährige gibt sich geläutert und selbstbewusst. Das äußert sich auch im Titel "Supervision" – auf Deutsch: Durchblick oder Kontrolle. Genau wie in den autobiografischen Texten, in denen sie ihre Ängste und Erfahrungen aufarbeitet. Gleichzeitig blickt Elly Jackson aber auch über den privaten Tellerrand und äußert sich kritisch zur Musikindustrie und zum Zeitgeschehen auf der Insel. So lässt "Supervision" kein gutes Haar an den Mächtigen aus Politik und Wirtschaft, die – so die Künstlerin - mit dem Schicksal der Bevölkerung spielen wie mit Schachfiguren. Die den Brexit nur zum eigenen Vorteil durchgeboxt haben und die alles tun, um die Bevölkerung zu manipulieren. Da sei es ihre Pflicht, Stellung zu beziehen.

"Das ist reiner Wahnsinn. Hier in England hält man die Menschen bewusst dumm. Einfach, weil sie ja leichter zu kontrollieren sind, wenn sie ungebildet sind, einen Heißhunger auf Fastfood haben und nur Sportbekleidung tragen. Dann stellen sie keine Bedrohung dar. Doch wenn du dich öffentlich für diese Leute einsetzt, die gar nicht mitkriegen, wie ihnen geschieht, wirft man dir vor, Teil der bevormundenden Mittelschicht zu sein. Also Bildungsbürger und Demokraten, die die Arbeiterklasse für ungebildet halten. Man kann da gar nicht gewinnen."

"Elektronische Musik reizt mich dagegen kaum noch"

So ehrgeizig wie ihre Texte, erweist sich auch ihre Musik. Die acht Stücke auf "Supervision" sind längst nicht mehr im Elektro-Pop der frühen 80er – im Sound von Depeche Mode, OMD oder Yazoo – verhaftet. Sie weisen auch Anleihen bei R&B, Funk und Soul auf. Bei Marvin Gaye, George Michael oder den Jackson 5. Sprich: Sie haben Leidenschaft und Groove. "'In For The Kill', 'Bulletproof' und auch einige Stücke vom zweiten Album klangen extrem weiß. Dabei höre ich privat meist Sachen, die von starken Basslinien dominiert sind – und von schwarzen Musikern stammen. Das ist alles, was mich in den letzten acht Jahren interessiert hat. Elektronische Musik reizt mich dagegen kaum noch. Und das neue Album nähert sich eher Künstlern wie Tom Tom Club, Grace Jones oder Sly & Robbie.", sagt Elly Jackson.

Das einzige, was diesem Comeback fehlt, sind die ganz großen Melodien. Sie wären das I-Tüpfelchen auf einem ansonsten bemerkenswerten Pop-Album, das sich nicht dem Einheitsbrei der Charts anbiedert, sondern eigenwillig und meinungsfreudig ist. Eben ein Werk, mit dem sich La Roux eindrucksvoll zurückmeldet und zugleich einen baldigen Nachfolger ankündigt. Eine charmante Drohung.

© Digipack/ Montage BR

Cover: Supervision von La Roux

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