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KZ-Häftling Shelomo Selinger kehrt mit seiner Kunst zurück | BR24

© BR/Muggenthaler

Die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg eröffnet am Donnerstag eine Ausstellung mit Skulpturen und Zeichnungen von dem ehemaligen KZ-Häftling Selinger

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KZ-Häftling Shelomo Selinger kehrt mit seiner Kunst zurück

Am Donnerstag, dem 13. Februar, wird in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg eine Ausstellung mit Skulpturen und Bildern von Shelomo Selinger eröffnet. Der Künstler war selbst Häftling im KZ-Komplex Flossenbürg.

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Der ehemalige KZ-Häftling Shelomo Selinger kehrt mit seinen Kunstwerken nach Flossenbürg zurück. Die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg (Lkr. Neustadt an der Waldnaab) eröffnet am Donnerstag den 13. Februar um 18 Uhr eine Ausstellung mit Skulpturen und Zeichnungen von Selinger.

Selinger: "Wenn jemand kalt war, wussten wir, er war tot."

Der Pole ist durch viele Konzentrationslager gegangen. Zunächst zog der heute 91-Jährige gemeinsam mit seinem Vater durch die Lager, doch der Vater wurde ermordet. Danach hatte er den Weg alleine zu gehen. 1945 war Selinger Häftling im KZ Flossenbürg.

"Wir hatten sehr wenig zu essen in Flossenbürg, und wir lagen zu mehreren in einer Pritsche, in der Nacht wärmten wir uns gegenseitig. Wenn jemand kalt war, wussten wir, er war tot, den warfen wir aus dem Bett." Shelomo Selinger

Selinger ertrug die Schönheit der Oberpfalz nicht mehr

Die markante Burgruine von Flossenbürg und die Landschaft des Oberpfälzer Waldes beeindruckten ihn. Shelomo Selinger hatte schon als Jugendlicher einen Blick für Ästhetik und das schmerzte umso mehr.

"Die KZ Großrosen und Flossenbürg lagen in einer Landschaft von außergewöhnlicher Schönheit, und wenn ich dort die Augen hob und diese Schönheit sah, verlor ich völlig den Mut. Mein Leben war eine Qual, der Hunger, der Schmutz, die totale Entmenschlichung. Ich ertrug die Schönheit nicht mehr." Shelomo Selinger

Selinger der Meinung: Kunst habe ihn überleben lassen

Selinger gehört zu den bekanntesten Bildhauern in Frankreich. "Liebe, Familie und die Lust am Leben als Symbole des Überlebthabens sind die prägenden Themen seiner Arbeiten", schreibt die KZ-Gedenkstätte.

Der Bildhauer hat aber auch große Denkmäler zur Erinnerung an die Shoah geschaffen, eines steht in Luxemburg, das andere in Drancy vor den Toren Paris.

"Als es 1972 einen internationalen Wettbewerb für die Gedenkstätte in Drancy gab, habe ich davon erfahren. Ich begann, ein Modell herzustellen. Ich sagte mir, vielleicht bin ich deswegen am Leben geblieben, um diese Skulptur zu machen." Shelomo Selinger

"Ich fühlte so eine dumme Art von Schuld"

Auch in Erinnerung an seinen Vater, seine Mutter und seine kleine Schwester, die in der Shoah ums Leben gekommen sind, hat er eine Skulptur geschaffen, die er nach einem jüdischen Gebet "Yskor" genannt hat. Erinnerungsarbeit ist nur ein Teil seiner Kunst, aber natürlich ein wichtiger, wie Selinger erzählt:

"Ich fühlte so eine dumme Art von Schuld – wie kann das sein? Alle um mich sind gestorben, alle sind tot und ich bin am Leben geblieben, und in meinem Kopf habe ich den Gedanken: die Guten sind gegangen und die Schlechten sind geblieben. Es ist also eine Arbeit aus diesem Schuldgefühl heraus." Shelomo Selinger

Gedächtnisverlust nach Befreiung

In Bildern hat er zudem Gewalterfahrungen seiner ganz persönlichen Verfolgungsgeschichte verarbeitet. Befreit wurde Selinger im Ghetto Theresienstadt bei Prag. Nach seiner Befreiung lebte er in Israel. Damals hatte er sein Gedächtnis verloren. Er konnte sich einfach nicht mehr an das Grauen der Lager erinnern. Mit seiner Kunst, seinen Skulpturen kam die Erinnerung zurück. Doch Albträume verfolgen ihn bis heute. Erst in Palästina gelang es ihm, sich wieder für Schönheit zu öffnen. In den 50er-Jahren ging er der Kunst wegen nach Paris, wo er auch heute noch lebt.

Der komplette Beitrag zum Nachhören:

In Paris haben sich Überlebende der Shoah ein neues Leben aufgebaut. Odette Spingarn kehrte in ihre Heimat zurück, Frania Eisenbach-Haverland ging in das Sehnsuchtsland ihres Vaters, Shelomo Selinger kam der Kunst wegen aus Israel:

https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/nahaufnahme/ueberlebende-der-shoah-eine-spurensuche-in-paris-102.html

© BR/Muggenthaler

Die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg eröffnet am Donnerstag eine Ausstellung mit Skulpturen und Zeichnungen von dem ehemaligen KZ-Häftling Selinger

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Die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg eröffnet am Donnerstag eine Ausstellung mit Skulpturen und Zeichnungen von dem ehemaligen KZ-Häftling Selinger

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Die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg eröffnet am Donnerstag eine Ausstellung mit Skulpturen und Zeichnungen von dem ehemaligen KZ-Häftling Selinger

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Die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg eröffnet am Donnerstag eine Ausstellung mit Skulpturen und Zeichnungen von dem ehemaligen KZ-Häftling Selinger