BR24 Logo
BR24 Logo
Kultur

Kurt Eisner - Revolutionär und Bayerns erster Ministerpräsident | BR24

© Münchner Stadtmuseum

Kurt Eisner bei einer Demonstration 1919

Per Mail sharen

    Kurt Eisner - Revolutionär und Bayerns erster Ministerpräsident

    Er war der Anführer der Novemberrevolution von 1918, der erster Ministerpräsident des neuen "Freistaats" Bayern: Doch Kurt Eisners Regierungszeit war kurz - am 21. Februar 1919 wurde er auf offener Straße erschossen. Von Ulrich Chaussy

    Per Mail sharen

    Staunend steht man vor der groß aufgezogenen Fotografie: Tausende Münchnerinnen und Münchner, entlassene Soldaten, hungernde Arbeiter zu Füßen der Bavaria an der Theresienwiese an diesem 7. November 1918. Sie lauschen Eisner, der erst ein paar Tage zuvor aus dem Gefängnis entlassen worden war. Die Verzweifelten hören dem Zweifelnden zu.

    Erste friedliche Revolution

    Auf seine Parole "Hoch lebe die Revolution!" ziehen Tausende durch die Straßen vor die Kasernen der Stadt. Es gibt keine Gegenwehr. Kein Schuss fällt. Es ist die erste friedliche Revolution in Deutschland, die gelingt. Eisner führt das Frauenwahlrecht ein. Was hätte ihm noch gelingen können, hätte ihn nicht nach nur 103 Tagen Regierung der rechtsextreme Fanatiker Anton Graf Arco auf offener Straße erschossen?

    Die Schau im Münchner Stadtmuseum porträtiert Eisner, den Bürgersohn, der ins Lager der SPD überwechselt, auch als Grübler: "Bin ich ein Narr", schreibt er in sein Gefängnistagebuch im Februar 1918, "wo diesem deutschen Volk, das von politischer Apathie seit jeher geschlagen, doch nicht zu helfen ist, wo niemand Dich im Grunde braucht, kaum jemand Dich auch nur versteht?"

    Kraft seiner Sprache

    Eisner, der Feingeist und Feuilletonist. Der erst in der Parteizeitung "Vorwärts", dann im Fränkischen Tagblatt Nürnberg, und schließlich in der sozialdemokratischen "Münchner Post" scharf und oftmals satirisch formuliert. Mit der Kraft seiner Sprache und seiner Reden bewegte er die Münchner Munitionsarbeiter zum Streik.

    Bebilderter Zettelkasten

    Die Ausstellung ist wie ein großer, bebilderter Zettelkasten: Zeitungs-Faksimiles seiner Artikel, Briefe an Freunde und Genossen, Zitate aus seinen Reden - echte Fundstücke der Kuratoren Ingrid Scherf und Günter Gerstenberg darunter. So hat Eisner Politik gemacht: mit der Zeitungsrotation, dem Anschlag auf der Mauer, mit Reden, die unter äußerstem Stimmeinsatz ohne Verstärkeranlagen gehalten werden mussten. Politik und Öffentlichkeit funktionierten nur so körperlich.

    Die Ausstellung zu Kurt Eisner ist vom 12. Mai bis 8. Oktober 2017 im Münchner Stadtmuseum zu sehen. Das Filmmuseum begleitet die Schau mit einer eigenen Filmreihe, unter anderem über die Münchner Räterepublik.