Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Die Kunst war sein Leben – zum Tod von Frieder Burda | BR24

© dpa picture alliance

Der Mäzen und Sammler Frieder Burda in seinem Museum Baden-Baden.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Die Kunst war sein Leben – zum Tod von Frieder Burda

Frieder Burda stammte aus einer Verlegerfamilie. Doch sein wahres Interesse galt der Kunst. Wie Burda eine der wichtigsten deutschen Sammlungen schuf. Ein Nachruf.

Per Mail sharen

Obwohl Frieder Burda in wohlhabenden, in luxuriösen Verhältnissen aufwuchs, möchte man eher nicht behaupten, er habe immer auf der Sonnenseite des Lebens gestanden. Klein von Gestalt, bescheiden, vorsichtig, rhetorisch wenig beschlagen, war Frieder Burda in der meist auftrumpfenden Burda-Familie sicherlich die Figur mit der demütigsten Selbsteinschätzung. Schicksal des Zweitgeborenen, des Sandwichs unter drei Söhnen?

Sein Vater war ein selbstherrlicher Großverleger, Weiberheld und Arisierungs-Profiteur, die Mutter eine emanzipierte Frau, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihr eigenes Strickmuster-Imperium aufbaute. Der ältere und der noch selbstbewusstere jüngere Bruder übernahmen Schlüssel-Positionen im Verlag, während Frieder Burdas Aufgaben dort eher unklar blieben. Sein wahres Interesse galt der Kunst, und als reicher Mann konnte er es sich leisten, nur vom Feinsten zu kaufen. Dabei wird, wer Frieder Burda kannte, ihm dabei nicht in erster Linie pekuniäre Interessen unterstellen. Sicher, wer in Kunst investiert, der tätigt eine Geldanlage. Aber Burda war auch beseelt von dem Gedanken, dass er da etwas kaufte, das größer war als er selbst. Die moderne Kunst eröffnete ihm eine Welt, die in den Druckereien und Betrieben des Vaters keine Rolle gespielt hatte.

Eine der größten Kunstsammlungen der Bundesrepublik

Frieder Burda bewunderte Picasso unendlich und empfand jede Begegnung mit großen Künstlern als Geschenk, fast als Ritterschlag. Seine erste Erwerbung war 1968 ein Lucio Fontana, den er auf der documenta gesehen hatte. Daraus entwickelte sich eine der größten Kunstsammlungen der Bundesrepublik – mit Schwerpunkten bei Kirchner und Beckmann, beim Abstrakten Expressionismus, bei Sigmar Polke, Gerhard Richter und Georg Baselitz. Als das Projekt eines Burda-Museums im südfranzösischen Mougins scheiterte, dem letzten Wohnort Picassos, gründete Burda 1998 eine eigene Stiftung und eröffnete 2004 ein eigenes, von dem New Yorker Architekten Richard Meier entworfenes Museum in Baden-Baden.

Es ist viel darüber diskutiert worden, dass das Grundstück für dieses Museum in schönster Lage Baden-Badens von der Stadt zur Verfügung gestellt wurde und Burda keinen Heller gekostet hat. Andererseits baute Burda sein lichtdurchflutetes Museum selbst und finanzierte auch dessen Betrieb – und er brachte seine großartige Sammlung als Grundstock für seine Ausstellungen und den Leihverkehr ein. Das heißt: im Grunde profitierten alle von dieser Konstruktion, die Bürger, die Stadt, die Region, und natürlich auch Burda selbst.

Ein Denkmal für Fontana, Polke, Richter und Banksy

Doch es ging Burda nicht nur darum, sich selbst ein Denkmal zu setzen. Er wollte die ihm gehörenden Kunstwerke, ihre Betrachtung und ihre Interpretation, tatsächlich mit anderen teilen und sie im Kontext hochkarätiger Retrospektiven würdigen. Man mag die Besetzung der Kuratoren- und Direktoren-Posten des Museums Frieder Burda konservativ nennen. Denn hier durften die verdienten Grand Old Men des Kunstbetriebs immer noch einmal ihre Lieblingskünstler präsentieren.

Auch mag man manche künstlerische Vorlieben Burdas abseitig nennen – was er an dem amerikanischen Comic-Künstler William Copley fand, wird wohl ewig unerforscht bleiben. Auch die Aufmerksamkeit heischende Präsentation des geschredderten Banksy-Oeuvres "Love is in the Bin" war äußerst merkwürdig.

Tatsache aber ist, dass seit 2004 im „Museum Frieder Burda“ sehr viele und sehr hochkarätige Ausstellungen zur klassischen Moderne und zur Gegenwartskunst stattfanden, letzthin aufwändige Shows zu dem kanadischen Konzeptkünstler Rodney Graham und dem amerikanischen Lichtkünstler James Turrell.

Sammlermuseen in der Kritik

Sammlermuseen waren seit den 1990er Jahren der letzte Schrei. Das Museum Brandhorst in München oder die Kunsthalle Weishaupt in Ulm sind Beispiele dafür. Das Problem all dieser Museen ist, dass sie den öffentlichen Museen die Bilder wegkaufen und die Preise hochtreiben, andererseits beim Betrieb ihrer Häuser oft gern die Hand aufhalten. So wäre es zu wünschen, dass Stiftung und Museum Frieder Burda tatsächlich so gut aufgestellt sind, dass dieses Haus völlig selbständig weitergeführt werden kann. Dann hätte Frieder Burda wirklich etwas fürs Allgemeinwohl getan.

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

Hörspiele, Krimis, Kinder-Angebote, Features, Dokumentationen, Gespräche und vieles mehr finden Sie in der ARD Audiothek.