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Wie das Kunstmuseum Bayreuth Inklusion praktiziert | BR24

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Mit dem Projekt "Barrierefrei" erleichtert das Kunstmuseum Bayreuth Menschen mit Behinderung den Zugang zu seinen Exponaten. Direktorin Marina von Assel möchte damit auch das Nachdenken darüber anregen, dass wir alle unsere Beeinträchtigungen haben.

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Wie das Kunstmuseum Bayreuth Inklusion praktiziert

Mit dem Projekt "Barrierefrei" erleichtert das Kunstmuseum Bayreuth Menschen mit Behinderung den Zugang zu seinen Exponaten. Direktorin Marina von Assel möchte damit auch das Nachdenken darüber anregen, dass wir alle unsere Beeinträchtigungen haben.

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Wie kann man Menschen mit Beeinträchtigung den Museumsbesuch zu einem anregenden Erlebnis machen? Das Kunstmuseum hat für das Projekt "Barrierefrei" eine Infostation eingerichtet, die gleich am Eingang mit verschiedenen technischen Unterstützungen informiert, was es im Haus zu sehen gibt: Ein Bildschirm mit Gebärden kommt ebenso zum Einsatz wie Video-Information, es werden Texte in leichter Sprache gelesen, ein Ordner stellt Informationen in Brailleschrift zur Verfügung. Und Tastkopien machen ausgewählte Bilder für sehbehinderte oder blinde Menschen zugänglich.

Menschen sind nicht behindert, sondern werden behindert

Dass das "Lesen" mit den Fingern eine besondere Fähigkeit ist, die viele nicht haben, darauf macht Museumsleiterin Marina von Assel im Gespräch mit der Bayern 2-kulturWelt aufmerksam. Das bedeutet umgekehrt auch: "Wir haben alle unsere Beeinträchtigung. Wir machen da eigentlich nicht so einen Unterschied zwischen Behinderung und Nicht-Behinderung. Es gibt ja diesen schönen Satz von Menschen mit Beeinträchtigungen.: 'Sie werden behindert, aber sie sind nicht behindert.'"

Dieses "Behindertwerden" abzubauen und stattdessen Barrieren abzubauen, dazu soll das Projekt des Museums dienen. Es ist breit gefasst und bezieht auch Sprachbarrieren mit ein, die es Menschen aus fremden Kulturkreisen oder mit weniger Bildungschancen schwer machen können, sich das Museum zu erschließen. In Zusammenarbeit mit der Universität findet ein "Speed Speaking" statt, das Deutschlerner und Geflüchtete mit Deutsch-Könnern zusammenbringt. Gemeinsam gehen sie von Bild zu Bild und reden miteinander über das, was sie sehen – was nicht nur ein besseres Sprachverständnis, sondern auch den Austausch über die Kulturgeschichte ermöglicht, die das Museum zeigt.

Keine Ausstellungen für Zielgruppen machen

Das Kunstmuseum Bayreuth hat seit Langem eine gut ausgebaute Museumspädagogik mit vielen unterschiedlichen Angeboten: "Wir fangen bei Dreijährigen an und hören auch bei 103-Jährigen nicht auf", sagt Marina von Assel. Dabei kommt es auch darauf an, wie man Inklusion eigentlich versteht. Der Direktorin geht es nicht darum, Ausstellungen für bestimmte Zielgruppen zu konzipieren, "sondern gute Kunstausstellungen machen, die wir dann an unterschiedliche Zielgruppen vermitteln". Eine feste museumspädagogische Stelle hat das Haus nicht, aber ein großes Team an freien Mitarbeitern, die vom Kurs im Altenheim bis zur klassischen kunsthistorischen Führung für das Bildungsbürgertum Kunst-Vermittlung betreiben.

Und was kann die Kunst für die Menschen tun? "Mit Kunst beginnt die Kultur und beginnt das Menschsein", davon ist Marina von Assel überzeugt. "So wie mit Musik, wie mit Tanz, mit der Sprache und dem Wort." Die Kunst möglichst vielen zugänglich zu machen, kann für den Einzelnen neue Welten eröffnen, ist aber auch ein wichtiges gesellschaftliches Projekt.

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