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Warum Jeff Koons "Rabbit" 91 Millionen Dollar kostet | BR24

© dpa Report / epa / Daniel Deme

Jeff Koons posiert mit seinem "Rabbit": Der überdimensionierte Hase aus Stahl hat Koons erneut zum teuersten lebenden Künstler gemacht.

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    Warum Jeff Koons "Rabbit" 91 Millionen Dollar kostet

    Erst 111 Millionen Dollar für einen Heuhaufen von Monet, dann 91 Millionen für Koons Karnickel: Wann Rekordpreise auf Auktionen erzielt – und welche Werke zu diesen Summen verkauft werden, ist kein Zufall. So funktioniert der High-End-Kunstmarkt.

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    Es ist jede Menge Geld, das zwei Mal im Jahr – immer im Mai und im November – in den Auktionssälen von Christie`s, Sotheby`s und Phillips in New York für Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern geboten wird. Ort und Termin sind seit dem 20. Jahrhundert gewissermaßen Tradition. Im Mai haben die Sommerferien noch nicht begonnen – und November liegt eben genau einen Monat vor Weihnachten. So banal erklären sich die Daten. In den teuersten Auktionen des Jahres – mit schöner Regelmäßigkeit sind sie das – streiten 300 bis 400 Menschen im Saal, an Telefonen und via Internet um einige hundert Kunstwerke der Klassischen Moderne, also vom Ende des 19. Jahrhunderts an, und Werken der Modernen und Zeitgenössischen Kunst, worunter so ziemlich alles fällt, was nach 1945 entstanden ist.

    Woher kommen nun die sogenannten „Kunstsammler“? Statistiken legen nah: Zu je einem Drittel aus China, aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und aus dem Rest (Europa mit Russland und Nordamerika). Die Auktionshäuser sprechen ihre Klientel gezielt in den Monaten vor den Auktionen an, machen Reisen mit den Kunstobjekten. Nur Kunden mit mehr als 500 Millionen Dollar Privatbesitz kommen hier eigentlich als Interessenten für diese Höchstpreiskunst in Frage. Da der Kreis der möglichen Bieter so klein ist, können die Auktionshäuser eigens öffentlich zugängliche Ausstellungen in ihren Filialen in Hongkong, Abu Dhabi oder London veranstalten, in denen sie ihr Angebot zeigen.

    Im Auktionshaus Gemälde, bei Ausstellungen Performances

    Das Angebot bei den Auktionen setzt sich nicht aus der Kunst zusammen, die gerade in Museen und bei großen Ausstellungen präsentiert wird. Während auf der Kunstbiennale in Venedig 2019, und vor zwei Jahren bei der Documenta in Kassel, politisch kritische Installationen, Performances zwischen Theater, Oper und Tanz sowie Videos und Fotos dominierten und dominieren, geht es bei den Auktionshäusern immer noch um Sammelbares, also hauptsächlich um Gemälde und Skulpturen. Der Kunstmarkt hat sich also inhaltlich meilenweit von der Museumswelt entfernt. Die einen bieten ein Spektakel für viele, die anderen „Kostbares“ für wenige.

    © picture alliance/ZUMA Press/Jayne Russell

    Teure Heuhaufen: Claude Monets Gemälde "Meules" kam beim Auktionshaus Sotheby's für 111 Millionen Dollar unter den Hammer.

    Warum sammeln die Superreichen Kunst? Der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich spricht in einem Buch von „Siegerkunst“: Genau wie beim Adel des 16. bis 18. Jahrhunderts diene ihnen Kunst zur Unterstützung des persönlichen Prestiges. Hier wird der Höchstpreis also zum Beweis für die „Qualität“ der Kunst, was natürlich sehr zweifelhaft ist. Und außerdem soll die Sammlung helfen, sich vom Rest der Gesellschaft abzusetzen.

    Eine unsichere Geldanlage

    Zusätzlich hat Kunst auf diesem Level den Charakter einer Geldanlage. In Zeiten, in denen selbst Aktien durch die Turbulenzen der Märkte und der Politik keinen stetigen Gewinn mehr versprechen, in denen es auf Sparkonten keine Zinsen gibt und selbst Immobilien nur noch an ganz bestimmten Orten Wertzuwachs bieten, da setzen die superreichen Sammler auf Kunst.

    Das ist aber eine durchaus unsichere Rechnung: Vor 120 Jahren kostete es zum Beispiel den Gegenwert einer Villa, sich von dem Münchner Malerstar Franz von Lenbach in Öl porträtieren zu lassen. Heute sind dessen Bilder zwischen 3.000 und 10.000 Euro wert. Eine sehr negative Wertentwicklungs-Bilanz. Und ob die Lieblinge des heutigen Kunstmarkts, Jeff Koons, Damien Hirst, Andy Warhol etwa, in fünfzig Jahren noch für genauso relevant gehalten werden wie heute, das steht durchaus in den Sternen.

    Dieser Höchstpreismarkt in New York ist aber die absolute Ausnahme in Sachen Kunsthandel. Der durchschnittliche Zuschlag auf einer deutschen Auktion liegt im mittleren vierstelligen Bereich. Der Mittelstand hat also auch die Chance, eine eigene Kunstsammlung aufzubauen. Und vielleicht ist dann ja gerade da die wichtigste Künstlerin der Gegenwart vertreten, die heute in New York noch kaum einer kennt?

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    Sendung

    B5 Kultur

    Von
    • Stefan Mekiska
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