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Protesthand vor Kopf - Symbol

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    Kunstmagazin kürt Klimaaktivisten zu den Top-100 der Kunstwelt

    Kunstmagazin kürt Klimaaktivisten zu den Top-100 der Kunstwelt

    Für die Kunstzeitschrift Monopol zählen sowohl Klimakleber und Breiwerferinnen als auch das umstrittene Kollektiv Ruangrupa sowie weitere Kunstaktivisten zu den einflussreichsten Köpfen der Kunstwelt.

    Sie klebten sich an die Sixtinische Madonna von Raffael, warfen mit Kartoffelbrei auf Monet, schleuderten Öl auf Klimt und Vermeer und Van Gogh bekamen es mit Suppe zu tun. Die Klimaaktivisten der "Letzten Generation" haben sich mit ihren Attacken auf wertvolle Gemälde weltweit einen Namen gemacht.

    Aktivisten auf Platz 19 des Monopol-Rankings

    Ob es sinnvoll ist, sich an Kunst zu vergreifen um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen, ist und bleibt umstritten. Doch obwohl die Aktivisten der Kunst mit Klebstoff den Kampf angesagt haben, landet die Gruppe nun dennoch auf Platz 19 der Liste des Who-is-Who der internationalen Kunstszene. Ein Streich des Kunstmagazins Monopol, das alljährlich mit seinem Ranking die 100 wichtigsten Protagonistinnen und Protagonisten im zeitgenössischen Kunstbetrieb würdigt.

    Das Argument für die Kür der Aktivisten ist, dass ihre Aktionen den Wert der Kunst für die Gesellschaft betone. Und so reiht sich die "Letzte Generation" beinah unscheinbar in die Reihe der einflussreichsten Köpfe der Kunstwelt. Gleich zwischen die Poetin Cecilia Vicuña, die für ihr Lebenswerk im Frühjahr den Goldenen Löwen der Venedig-Biennale erhielt, und Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, dem neuen Intendanten des Hauses der Kulturen der Welt.

    Solidarität für Klimakleber in der Kunstszene

    Mit dem Monopol-Ranking betritt die "Letzte Generation" die internationale Künstlerbühne. Aber auch Künstlerinnen und Künstler befürworten die radikalen Klimaproteste der Gruppe. Mit einem offenen Brief "Klimaschutz ist kein Verbrechen" erklären sich Künstlerinnen und Künstler solidarisch mit der Klimagerechtigkeitsbewegung, zu der sie die "Letzte Generation" zählen: "Wir sagen: Ziviler gewaltfreier Widerstand gegen die Klimanotlage ist legitim und notwendig und verdient unsere solidarische Unterstützung" – heißt es in dem Brief. Knapp hundert Künstlerinnen und Künstler haben ihre Unterstützung bereits bekundet.

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    Nan Goldin Straßenprotestaktion

    Rebellin Nan Goldin auf Platz eins

    Mit der rebellischen Fotografin Nan Goldin auf Platz eins der Top-100 setzt das Magazin auch hier ein Zeichen. Goldin wurde nicht nur für ihre Fotografien bekannt, sondern auch für den Kampf gegen die Familie Sackler, eine amerikanische Milliardärs Familie, die für die Opioidkrise in den USA mit in Verantwortung gezogen wird. 2018 rückten Goldin und ihre Mitstreiter mit einer Protestaktion in den Sackler-Wing im Metropolitan Museum in New York vor. Neben dem ägyptischen Tempel von Dendur ließ die Protestgruppe Dutzende von Pillendosen in das Wasserbecken der kostbaren Ruine fallen und hinterließ einen Teppich aus Pharmamüll, bevor sie sich mit den Worten "Sacklers lie, people die" auf den Boden warfen.

    Die Protestaktion hatte Erfolg, das MET, das Londoner ‚Victoria and Albert Museum‘, das Guggenheim, die National Gallery und das British Museum in London sowie der Louvre entfernten die Spuren der Sackler-Familie aus ihren Räumen. Als Betroffene der Opioidkrise setzte Goldin mit ihrer Aktion ein Zeichen. Gerade in diesem Jahr war Nan Goldin in aller Munde. Erst mit ihrer Retrospektive "This Will Not End Well" und ihrem Kurzfilm "Sirens" bei der diesjährigen Venedig-Biennale, dann mit der Dokumentation "All The Beauty and the Bloodshed" von Laura Poitras, die den Goldenen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig erhielt.

    Kollektiv Ruangrupa auf Platz zwei

    Neben der Kunstaktivistin kürt das Magazin außerdem das umstrittene indonesische Kollektiv Ruangrupa auf Platz zwei. Teils heftig umstritten war die Arbeit von Ruangrupa, weil einige der ausgestellten Arbeiten als antisemitisch interpretiert wurden. "Es gab wohl niemanden in diesem Jahr, der in der Diskussion präsenter war", hieß es bei Monopol. Das Magazin würdigte damit die Präsenz der Gruppe. In der internationalen Kunstwelt sei Ruangrupas Versuch, eine Großausstellung komplett neu zu denken, von vielen als bahnbrechend empfunden worden, argumentierte Monopol.

    Weitere wichtigsten Köpfe der Kunstwelt

    Auf Platz drei landete der belgische Künstler Francis Alÿs, der den Pavillon seines Landes auf der diesjährigen Biennale in Venedig mit Kinderspielen aus aller Welt bestückte. Auf den vierten Platz schaffte es Cecilia Alemani, die Kuratorin der zentralen Biennale-Ausstellung "The Milk of Dreams". Alemani mache mit ihren Werken von Künstlerinnen aus mehreren Jahrhunderten die Kunstgeschichte sehr viel reicher und weiblicher, schrieb das Monopol Magazin. Unter den Top-Platzierten finden sich zudem als Fünfte die US-Künstlerin Joan Jonas, unter anderem für ihre Ausstellung im Münchner Haus der Kunst, auf Platz sechs der Chef des New Yorker Metropolitan Museums, Max Hollein, sowie als Siebte die US-Amerikanerin Simone Leigh, die in Venedig den US-Pavillon gestaltet und den Goldenen Löwen für den besten Beitrag zur Hauptausstellung erhielt.

    Viele weitere namenhafte Künstlerinnen und Künstler haben es auf die Liste geschafft. Von der Konzeptkünstlerin Maria Eichhorn (Platz 38), über dem Kunsthistoriker Noah Horowitz (Platz 44), dem Künstler Wolfgang Tillmans (Platz 12), Künstlerin Henrike Naumann (Platz 63), über große Namen wie Damien Hirst (Platz 75) bis hin zu Ai Weiwei (Platz 100).

    Bildrechte: picture alliance / Jochen Eckel | Jochen Eckel

    Kuenstlerin Shirin Neshat.

    Kür der Kunstaktivisten

    Neben dem Who-is-Who der Kunstszene haben es auch der israelische Architekt und Mitbegründer des Kollektivs "Forensic Architecture", Eyal Weizman, mit auf die Liste geschafft. Auf Platz 28 wurde er sowohl für seine Aufklärungsarbeit, zum Beispiel zu dem rassistischen Terroranschlag in Hanau, gewürdigt, als auch für seine Essays zur Debatte um die Documenta Fifteen, mit denen er eine kritische jüdische Perspektive hinzufügte.

    Außerdem schaffte es die Künstlerin Shirin Neshat, auf Platz 31. Neshat war in den vergangenen Monaten mitunter eine Stimme der Kunstwelt zur Lage im Iran geworden. Mit ihren Installationen und Mahnwachen gab sie den Protesten im Iran eine Bühne. Eine weitere Aktivistin der Kunstwelt, die Regisseurin Laura Poitras, wurde auf Platz 49 gewürdigt. Die Filmemacherin unterstütze Whistleblower wie Edward Snowden und mache mit ihren Arbeiten auf politische Missstände aller Art aufmerksam.

    Die lange Liste des Monopol Magazins in diesem Jahr macht deutlich, dass Mut in der Kunst, egal welche drastische Formen er annehmen mag, einen Platz in der Kunstwelt findet und dafür gewürdigt wird.

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