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Kunstkompass 2020: Gerhard Richter weiter wichtigster Künstler | BR24

© Marc Vorwerk/Picture Alliance

Hat gut lachen: Gerhard Richter ist vorn

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    Kunstkompass 2020: Gerhard Richter weiter wichtigster Künstler

    Wenig Veränderung unter den Top Ten der internationalen Kunstszene. Auch im Kunstkompass 2020 liegt Gerhard Richter auf Platz 1, gefolgt von Bruce Nauman und Georg Baselitz. Den größten Sprung macht Katharina Grosse.

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    Gerade hat er verkündet, mit der Malerei aufzuhören und sich allenfalls kleinere Arbeiten wie Zeichnungen vorzunehmen: Der 88-jährige Gerhard Richter muss niemandem mehr etwas beweisen, nicht einmal sich selbst. Seit 17 Jahren steht er auf Platz 1 des alljährlichen Kunstkompass der Wirtschaftszeitschrift "Capital", und auch in diesem Jahr hat sich nichts daran geändert. Übrigens war Richter schon 1970 als junger Maler in der Hitliste, damals auf Platz 57, nicht weit hinter dem legendären Joseph Beuys (damals auf Rang 32).

    "Der Markt ist ein bisschen krank"

    Schon vor zwei Jahren klagte er, dass er kaum noch zur Malerei komme, es gebe "so viele Anfragen und Kram". Die Millionen-Summen, die für seine Bilder gezahlt werden, findet der Kölner selbst etwas unheimlich: "Ja, der Markt ist seltsam geworden, ein bisschen krank", sagte er 2018 der Berliner BZ: "Weil es einfach zu viel ist. Ich finde es nicht gut, die Preise sind verrückt, und die Qualität stimmt dann auch nicht mehr." Zuletzt machte Richter Schlagzeilen mit drei großformatigen Glasfenstern für die saarländische Abtei Tholey. Die Werke verschenkte der Künstler, sie sind seit Mitte September zu sehen.

    © Peter Steffen/Picture Allliance

    Rosemarie Trockel bei der Verleihung des Kaiserrings

    Auch auf den weiteren Plätzen gibt es wenig Bewegung: Der amerikanische Licht-Künstler Bruce Nauman auf Platz zwei, dahinter der Deutsche Georg Baselitz. Erste Frau auf der Liste ist auf Platz vier Rosemarie Trockel, die mit feministischen Werken gerade im Münchner Lenbachhaus in der Ausstellung "Die Sonne um Mitternacht schauen" vertreten ist. In den achtziger Jahren machte sie mit gestrickten "Woll-Bildern" Furore. Auch die weiteren Namen unter den Top Ten sind bestens bekannt, etwa Cindy Sherman, Olafur Eliasson und Tony Cragg. Die deutsche Künstlerin Katharina Grosse schaffte den größten Sprung nach vorn, von Platz 109 auf Rang 94. Sie sorgt gerade mit einer überlebensgroßen Styropor-Skulptur im Hamburger Bahnhof in Berlin für Besuchermassen. Eine kleinere Ausführung des spektakulären Werks ist in Hamburg in der Rothenbaumchausee zu sehen, in Kunststoff gefertigt und mit Acryl bemalt.

    Entscheidend ist mediale Resonanz

    "Führende Nation der Gegenwartskunst des Jahres 2020 ist Deutschland mit 29 Künstlern unter den Top 100, dicht gefolgt von den USA mit 27 Künstlern", schreibt das Magazin "Capital". Den Kunstkompass gibt es seit fünfzig Jahren. Rund 30 000 Künstlerinnen und Künstler sollen dort erfasst sein. Gemessen wird natürlich nicht ästhetische Qualität, die immer ein sehr subjektives Erleben ist, sondern mediale Resonanz. Die Kölner Kunstjournalistin Linde Rohr-Bongard notiert also in erster Linie Veröffentlichungen, Ausstellungen, Auftritte, Rezensionen. Die aktuellen Preise bei Auktionen und Auszeichnungen sollen dagegen keine Berücksichtigung finden.

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