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Wie der Impressionismus von Frankreich nach Kanada kam | BR24

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Winter im Sommer: In der Ausstellung "Kanada und der Impressionismus“ in der Kunsthalle München können sich Besucher beim Betrachten von Schneelandschaften erfrischen und eine kühle Seite des Impressionismus entdecken. Viele Werke sind von Frauen.

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Wie der Impressionismus von Frankreich nach Kanada kam

Winter im Sommer: In der Ausstellung "Kanada und der Impressionismus“ in der Kunsthalle München können sich Besucher beim Betrachten von Schneelandschaften erfrischen und eine kühle Seite des Impressionismus entdecken. Viele Werke sind von Frauen.

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Sie kamen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus Kanada bis nach Barbizon, in den Wald von Fontainebleau bei Paris, um die damals ganz moderne Malerei kennen zu lernen. Einige trauten sich sogar nach Giverny, um Claude Monet bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Etliche besuchten Kurse an der École des Beaux-Arts in Paris oder an den privaten Kunstschulen Julian und Colarossi.

Lernen von den Franzosen

Die junge kanadische Konföderation, gegründet 1867, entsandte ihre Maler nach Frankreich, um den Impressionismus zu lernen. Keine andere Kunst eignete sich besser dazu, nach der Rückkehr in die Heimat die kanadische Landschaft zu malen, meint die Kuratorin der Ausstellung in der Münchner Hypo Kunsthalle, Nerina Santorius: "Der Impressionismus lässt sich wunderbar auf die Schneelandschaften Kanadas anwenden, ein Land, in dem gefühlt die Hälfte des Jahres Winter ist. Es sind sehr viele Winterlandschaften, großartige, atmosphärisch stimmungsvolle Winterlandschaften zu sehen, in blau-violetten bis rosa Tönen."

Winter- und Sommerlandschaften

„Die Eisernte“ heißt ein Gemälde des in Neufundland geborenen Maurice Cullen. Man sieht drei Ochsen, die vor einem mächtigen Schneesturm einen Schlitten ziehen und frisch geschlagenes Eis transportieren, das man für den kommenden Sommer in Eiskellern lagern musste. Der Kühlschrank war noch nicht erfunden. Und der Schatten, den die dunklen Wolken auf das Eisfeld werfen, ist leuchtend blau.

© Hypo Kunsthalle München

Kanada, Land der Malerinnen: Die Ausstellung zeigt viele Werke von Frauen: "Das rosa Kleid" von Laura Muntz, 1897

Die Ausstellung zeigt Gemälde von insgesamt 36 Malerinnen und Malern, aus Museen Kanadas, aber auch von Privatsammlern. In der Reihenfolge der Räume beschreiben sie erst, was die Kanadier in Frankreich malten – etwa Mohnfelder in der ganz engen Nachfolge Claude Monets. Dann gingen die Künstler auf weite Reisen – nach Venedig oder nach Marokko. Und immer folgte ihr Malstil dem jeweiligen Licht. Schließlich kehrten sie nach Kanada zurück und gaben die Lehre vom Impressionismus an jüngere weiter.

Kanada, Land der Impressionistinnen

Dass so viele Gemälde von Frauen in der Ausstellung seien, erklärt die Kuratorin Nerina Santorius mit der besondere Situation in Kanada und am Beispiel des Künstlers William Brymer: Brymer sei ein Maler der ersten Generation von Künstlern gewesen, die, wieder aus Frankreich zurückgekehrt, ihr Können in der Heimat gelehrt und weitergegeben haben. Zwei Drittel der Künstler, die in der Ausstellung zu sehen sind, seien Brymer-Schüler. Und der habe von Anfang an auch Frauen unterrichtet. In einer Zeit, in der in Europa Frauen noch gar nicht zum Kunststudium zugelassen waren.

Die Ausstellung in der Münchner Hypo Kunsthalle zeigt sehr attraktive Bilder von Künstlern, deren Namen man noch nicht kennt und die man vielleicht auch bald wieder vergessen haben wird. In Zeiten der Flugscham ersetzt sie eine Reise in die kanadische Landschaft, auch wenn die erst am Schluss des Parcours richtig zu sehen ist. Außerdem ist sie eine echte Erfrischung im Sommer – nicht nur wegen der Klimaanlage, sondern auch wegen der vielen Schneebilder. Viele Nationen sind stolz auf ihre regionale impressionistische Kunst. Kanada durchaus zurecht.

"In einem neuen Licht: Kanada und der Impressionismus" ist bis zum 17. November in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München zu sehen.

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