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Kunst ist für alle Menschen: Keith Haring im Folkwang Museum | BR24

© Audio: BR; Bild: pa/dpa

Harings Bild- und Zeichensprache ist einfach, aber immer auch mehrdeutig. Und sie weckt hie und da Assoziationen an Kalligrafie, die Malerei australischer Aborigines oder der Azteken, die Haring auch interessiert hat.

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Kunst ist für alle Menschen: Keith Haring im Folkwang Museum

Der Künstler Keith Haring reagierte mit seiner Kunst auf die Themen seiner Zeit: Rassismus, Homophobie, Drogensucht, Aids – Intensiv, unverwechselbar und schnell. Das Folkwang Museum in Essen widmet ihm jetzt eine große Überblicksschau.

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Kunst ist für alle Menschen, davon war der US-amerikanische Künstler Keith Haring überzeugt. Inspiriert von den Comiczeichnungen seines Vaters zeichnete er bereits früh. Er begann ein Grafik-Design-Studium, ging nach zwei Jahren jedoch seinen eigenen künstlerischen Weg. Sein Ziel, eine Bild- und Zeichensprache zu entwickeln, die alle Menschen verstehen. Zu seinen populärsten Bilderfindungen zählen das "Radiant Baby", das krabbelnde Baby, und der bellende zweibeinige Hund. So wie er seine Kunst schuf, lebte Keith Haring auch in den 1980er Jahren in New York. 1958 geboren starb er mit nur 32 Jahren 1990 an den Folgen von Aids.

Im zentralen Saal der lichten und offenen Ausstellungsräume hängt auf einer grün gestrichenen Wand ein 15 Meter langes Gemälde von Keith Haring: eine wuselnde schwarze Pinselzeichnung ineinander verschlungener Figuren auf weißem Papier. "Eine Art Bilderfries, der viele seiner bekanntesten Motive versammelt: Das Baby, der Hund, der auf zwei Beinen läuft. Fernseher, Ufos, Pyramiden, das Kreuz, das Herz, der Delphin, das Atomzeichen, Nuklearzeichen. Bilder, die auf einander bezogen sind, zwei Ufos, die mit ihren Strahlen den Hund auf zwei Beinen erreichen, ihn aktivieren, ihn auch vielleicht beeinflussen oder erleuchten wollen. Das ganze Fries wird gerahmt von zwei schwangeren Frauen, links außen und rechts außen sieht man große aufrecht stehende Frauen mit einem Bauch, und in dem Bauch der linken Figur steckt ein Baby, und im Bauch der rechten ein Herz", erklärt Hans-Jürgen Lechtreck, der Kurator der Keith Haring Ausstellung im Museum Folkwang in Essen.

"Eine Art globaler Zeichen-Bildsprache"

Die Schau entfaltet das beeindruckende Werk, das der amerikanische Künstler in wenig mehr als zehn Jahren geschaffen hat. Eine Überfülle von Bildideen und künstlerischen Aktivitäten, die bei Haring alle gleichzeitig präsent sind; so ähnlich wie in seinen frühen Zeichnungen, in denen er Bildszenen comicartig über- und nebeneinander anordnet, aber dennoch keine zusammenhängende Geschichte erzählt. Seine Bild- und Zeichensprache ist einfach, aber immer auch mehrdeutig. Und sie weckt hie und da Assoziationen an Kalligrafie, die Malerei australischer Aborigines oder der Azteken, die Haring auch interessiert hat.

"Er möchte nicht bestimmte Botschaften vermitteln, aber er möchte eine Bild- und Schriftsprache entwickeln, die über kulturelle Grenzen, über auch zeitliche Abstände hinweg und soziale Räume hinweg funktioniert und verstanden wird", erklärt Hans-Jürgen Lechtreck. "Sein Ziel ist eine Art globaler Zeichen-Bildsprache."

© pa/dpa

Werk von Keith Haring mit dem Titel "Cup Man 1989"

Global sind auch Keith Harings Themen: Leben und Tod, Rassismus, das Ufo als Symbol der Transzendenz, Gut und Böse, Geschlechtlichkeit, Homosexualität, die Party des Lebens und die Angst vor Aids. Kurator Hans-Jürgen Lechtreck sagt: "Er hat sich zeitlebens politisch engagiert, hat sich zusammen getan mit Aktivisten, Gruppen, mit Betroffenen gegen Rassismus, gegen Drogenmissbrauch, gegen Gewalt, für Aids-Aufklärung, für Minderheiten." Er selbst habe offen homosexuell in New York gelebt. Habe sich frühzeitig zusammengetan mit Aktivisten, als 1981 Aids ausbrach, habe er sich engagiert, zum Beispiel Motive gestaltet für Plakate.

Leicht erreichbare und allgemein zugängliche Orte für die Kunst

Eine ebenso tragisch-makabre wie komische Zeichnungsserie hat er dem "death sperm", dem Todessperma gewidmet: Es ist schwarz und hat neben dem langen Fortbewegungsfaden noch zwei kürzere, die wie Teufelshörnchen aussehen. Haring zeichnete auf Papier, auf LKW-Planen und auf Leinwand, er gestaltete Plattencover und Poster, experimentierte mit Performance und Video auf der Straße. "Er hat ganz bewusst Orte aufgesucht, um seine Kunst zu platzieren, die allgemein zugänglich sind, leicht erreichbar, z.B. die U-Bahnstationen der New Yorker Subway", berichtet Hans-Jürgen Lechtreck.

Er zeichnete auf freie Werbeflächen in der Subway, mit weißer Kreide auf schwarzem Papier. Alle Menschen sollten seine Kunst sehen können. "Er wollte nicht in Galerien ausstellen. Hat aber dann doch entschieden, mit einer Galerie zusammenzuarbeiten, weil sehr schnell sein großer Erfolg dazu geführt haben, dass immer mehr Sammler ihn im Atelier besucht haben." Dieser Galerist sei Tony Shafrazi gewesen, so Hans-Jürgen Lechtreck.Die erste Galerieausstellung bei Shafrazi hat Keith Haring mit Leuchtfarben und Schwarzlicht inszeniert. Sie ist in der inspirierenden und sehenswerten Schau in Essen nachzuerleben. Haring gelang es, mit persönlichen Inhalten politische, allgemein gültige und bis heute aktuelle Werke zu schaffen.

Die Austellung Keith Haring mit rund 200 Werken des Künstlers ist noch bis 29. November im Folkwang Museum in Essen zu sehen.

© pa/dpa

Ein Besucher schaut sich 2015 die Ausstellung "Keith Haring – Gegen den Strich" in München an. Der Künstler gab den meisten Werken keine Titel.

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Eine Besucherin der Ausstellung "Keith Haring – Gegen den Strich" in München (Gemäldeausschnitt). Die Bilder und Objekte sind großformatig.

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Sotheby's präsentiert eine private Sammlung von 21 Werken zum Motiv des Dollars. Hier der Ausschnitt eines Gemäldes von Keith Haring.

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