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Open Air in Moers: Wenig Zuschauer, viel Aufwand

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    Kulturfonds: Bundesregierung subventioniert Eintrittskarten

    Damit die Veranstaltungsbranche trotz sehr beschränkter Zuschauerzahlen schnell wieder in die Gänge kommt, will der Bund einen Zuschlag auf Tickets finanzieren und eine Ausfallversicherung übernehmen, falls Events doch abgesagt werden müssen.

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    Von
    • Peter Jungblut

    "Das Leben geht nach dem langen Corona-Winter langsam wieder los", so Bundesfinanzminister Olaf Scholz auf einer Pressekonferenz in Berlin. 2,5 Milliarden Euro nimmt die Bundesregierung in die Hand, um der darbenden Veranstaltungsbranche unter die Arme zu greifen. Ein "Signal der Zuversicht", so Bundeskulturstaatsministerin Monika Grütters: "Viele Menschen haben in dieser Krise gespürt, wie sehr die Kultur als Gemeinschaftserlebnis fehlt – als Brückenbauerin, als Spiegel unserer Identität, als Einladung zum Zweifeln, Nachdenken und Diskutieren. Die Sehnsucht nach Kulturgenuss ist gewaltig – beim Publikum, vor allem aber bei den Künstlerinnen, Künstlern und Kreativen, die endlich wieder zum Einsatz kommen wollen. Mit dem Sonderfonds des Bundes drücken wir unsere Wertschätzung für die Kreativen und unsere Anerkennung dafür aus, wie sehr sie unsere Gesellschaft bereichern."

    Wegen der Pandemie werden auch in diesem Sommer Konzerte und Theateraufführungen nur vor vergleichsweise wenigen Zuschauern möglich sein, wenn überhaupt. Für kommerzielle Veranstalter rechnet sich das nicht, ganz abgesehen davon, dass sie wie alle anderen auch nicht wissen können, wie sich die Infektionszahlen in der nächsten Zeit entwickeln werden und wie dann die Lockdown-Maßnahmen aussehen werden. Wegen dieser großen Unsicherheiten legen Monika Grütters und Olaf Scholz einen "Corona-Kulturfonds" auf und wollen damit für die Branche eine gewisse Planungssicherheit schaffen.

    Ausfallversicherung bis Ende nächsten Jahres

    Ab 1. Juli sollen "Wirtschaftlichkeitshilfen" für Veranstaltungen möglich sein, und zwar bis Jahresende. Zunächst können Events bis zu 500 Teilnehmern abgesichert werden, ab August auch solche mit bis zu 2.000 Zuschauern. Welche Art von Vorstellungen unterstützt wird, regelt eine "Positivliste". Bis zur einer bestimmten Anzahl von Eintrittskarten will der Bund einen Aufschlag zahlen, die Tickets also subventionieren. Dafür sind 1,9 Milliarden Euro vorgesehen. Konkret soll das für Events gelten, die pandemiebedingt mindestens zwanzig Prozent weniger Zuschauer haben als sonst üblich.

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    Bildrechte: Robin Utrecht/Picture Alliance

    Konzert in Den Haag: Lauter Getestete

    Für 500 Karten bzw. die ersten 1.000 Karten bei größeren Aufführungen will der Bund 100 Prozent des Ticketpreises drauflegen: "Bei besonders strengen Hygieneauflagen und einer Begrenzung der Zahl der Teilnehmenden auf unter 25 Prozent der Maximalauslastung kann der Zuschuss aus dem Sonderfonds bis zur Höhe der doppelten Ticketeinnahmen Tickets ansteigen." Die "Wirtschaftlichkeitshilfe" ist bei 100.000 pro Veranstaltung gedeckelt.

    Bis zu acht Millionen Euro Ausfallkosten werden erstattet

    Für größere Events soll es in diesem und dem gesamten nächsten Jahr eine staatliche Ausfallversicherung geben, damit die Veranstalter nach einer Absage finanziell abgesichert sind. Im Budget sind dafür 600 Millionen Euro veranschlagt. "Die Wiederbelebung des kulturellen Lebens verdient dieselben Anstrengungen, die auch anderen Branchen zuteil werden", so Grütters.

    Für kleinere Events unter 2.000 Zuschauern gilt: "Für den Fall, dass wegen der Verschärfung der öffentlichen Pandemiebestimmungen eine Kulturveranstaltung, die für die Wirtschaftlichkeitshilfe registriert war, nicht stattfinden kann, erhalten die Veranstalter eine Entschädigung. Diese beträgt 50 Prozent der nachgewiesenen, veranstaltungsbezogenen Kosten." Für Großevents, die ab 1. September 2021 geplant werden, liegt die Absicherung bei maximal achtzig Prozent der Ausfallkosten, die Deckelung liegt bei acht Millionen Euro pro Event: "Bei Teilabsagen oder Reduzierung der Teilnehmerzahl werden die erzielten veranstaltungsbezogenen Einnahmen von den Ausfallkosten abgezogen."

    Die FDP hatte die Pläne für den Kulturfonds bereits Anfang April heftig kritisiert. Die Regierung lasse damit "die Kulturbranche am ausgestreckten Arm verhungern". Der Verweis auf die Corona-Programme sei "keine wirkliche Hilfe", die Menschen in der Kulturbranche bräuchten jetzt mehr Unterstützung.

    Grütters: "Kultur kann uns aus der Isolation holen"

    Bereits vor den Einzelheiten des "Corona-Kulturfonds" war bekannt gegeben worden, dass der Bund im Rahmen des "Kultursommers 2021" insgesamt 117 Projekte in Städten und Landkreisen mit rund 30 Millionen Euro unterstützt. Die Mittel stammen aus dem in der Corona-Pandemie aufgelegten Hilfsprogramm "Neustart Kultur" von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU): "Die Sehnsucht nach Kulturgenuss ist gewaltig - beim Publikum, vor allem aber bei den Künstlerinnen, Künstlern und Kreativen, die endlich wieder zum Einsatz kommen wollen", so Grütters. Der "Kultursommer" leiste einen wichtigen Beitrag dazu, die Künste und das Kulturleben in Stadt und Land wiederzubeleben: "Die Kultur kann uns jetzt aus der Isolation herausholen, sie kann vielen Menschen wieder Anregungen und Denkanstöße liefern, sich mit anderen Themen als mit ihrer schwierigen Situation in den langen Monaten des Lockdowns auseinanderzusetzen."

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