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Passau hat beschlossen, an der Kultur jetzt gerade nicht zu sparen, im Gegenteil. Die Stadt will damit ein deutliches Signal senden, sagt OB Dupper.

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Kultur unter Corona-Bedingungen in Passau, Hof & Landsberg

Jetzt haben auch noch fast alle Bibliotheken in Bayern zu. Die Kulturinstitutionen sind von der zweiten Welle der Pandemie besonders betroffen. Wir steht es um die Kulturförderung in der Region? Wir haben uns umgehört - in Landsberg, Hof und Passau.

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Von
  • BR24 Kultur
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In Passau hat man bei der Verabschiedung des Etats ein klares Zeichen für die Kultur gesetzt. Obwohl auch Passau aufgrund der Corona-Pandemie erhebliche Einbußen bei den Steuer-Einnahmen hat, gibt es für kulturelle Veranstaltungen und Vereine im Jahr 2021 die gleiche Förderung wie in den Jahren zuvor - genau genommen sogar knapp 30.000 Euro mehr. "Das wird 2021 sehr schwierig - wir haben es aber wieder geschafft. Auch mit der Maßgabe, auf breiter Front die Zuschüsse im kulturellen, sportlichen und sozialen Bereich wie bisher auszuzahlen: als deutliches Zeichen, nicht nur unserer Wertschätzung. Sondern auch, um der Wichtigkeit dieses sozialen Kitts, den diese Organisationen darstellen, Rechnung zu tragen", sagt Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD).

Mit Immobilien-Verkäufen die Kultur finanziert

Trotz der angespannten Finanzlage hat sich die Stadt Passau in diesen schwierigen Zeiten ganz bewusst entschieden, bei der Kultur NICHT zu sparen: "Das war durchaus in unserem Sinne - eben auch um klar zu machen: 'Leute wir stehen zu euch' - und auch um klar zu machen, dass wir hier keine breite Schneisen im kulturellen Leben haben, die vielleicht Strukturen zerstören, die wir so nicht mehr hinbekommen."

Schon nach der ersten Corona-Welle war Passau eine der ersten Städte, in der wieder Kulturveranstaltungen durchgeführt wurden - zum Beispiel die Europäischen Wochen, wenn auch in abgespeckter Version. Um auch 2021 die Europäischen Wochen und andere kulturelle Veranstaltungen wieder zu ermöglichen, hat die Stadt Passau in anderen Bereichen extrem gespart, so Oberbürgermeister Dupper. Sie hätten zum Beispiel Immobilien verkauft, die sie eigentlich nicht verkaufen wollten, und sie hätten geplante andere Investitionen hintenangestellt.

Für das Jahr 2022 kann und will Passaus Oberbürgermeister noch keine Prognose abgeben - was den Kulturetat angeht. Aktuell könne noch niemand sagen, ob die Förderungen und Zuschüsse weiter ausgezahlt werden können, wenn die Einnahmen der Stadt ausbleiben.

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Landsberg am Lech

Landsberg erhöht den Kulturetat

Aufgrund der anhaltenden Corona-Situation erwartet die Stadt Landsberg erhebliche Mindereinnahmen bei den meisten ihrer Kultureinrichtungen. Der zuständige Kulturreferent der Stadt, Axel Flörke, nennt beispielsweise das Stadttheater und die Volkshochschule. Aber auf der Ausgabenseite solle es im kommenden Jahr keine Veränderung geben. Der Etat der Kulturförderung sei sogar um 30.000 Euro erhöht worden und betrage dann 98.000 Euro. Mit dem Geld solle unter anderem kleineren kulturellen Veranstaltungen ein Defizit-Ausgleich gezahlt werden.

Außerdem seien Förderungen für größere Kulturveranstaltungen vorgesehen, so sie denn stattfinden können. So steht unter anderem der Landsberger Orgelsommer von Juni bis Oktober im Terminkalender der Stadt, außerdem die hauseigenen Rathauskonzerte. Landsbergs Gesamt-Etat für das kommende Jahr hat sich ebenfalls erhöht - auf insgesamt fast 6,2 Millionen Euro. Und das vor allem deshalb, weil die dringend notwendige Sanierung des Neuen Stadtmuseums ansteht. Die allein werde mit 2,4 Millionen Euro im kommenden Jahr zu Buche schlagen.

All das sind aber vorläufige Planungen. Die Stadt steckt mittendrin in ihren Haushaltsberatungen. Im neuen Jahr müssen neue Kredite aufgenommen werden, um das Geplante zu finanzieren, so viel steht schon jetzt fest. Verabschiedet hatte sich Landsberg bereits von der Landesausstellung. Die wollte die Stadt im Jahr 2024 ausrichten, "Räuber und Banditen" sollte sie heißen und das Neue Stadtmuseum sollte Haupt-Ausstellungsort sein. Doch aktuell wolle sich niemand festlegen, ob die bereits genannten Sanierungsarbeiten bis dahin tatsächlich fertig sein können.

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Kino-Schriftzug in Hof, der auf die Situation der Künstler aufmerksam macht.

Hof muss kürzen, aber nicht bei den "Leuchttürmen" des Kulturlebens

Im Hofer Rathaus hat Kulturamtsleiter Peter Nürmberger den Rotstift noch nicht angesetzt. Auch wenn er weiß, dass Kürzungen anstehen: "Also, da bin ich angespannt, aber noch lange nicht panisch." Vom Gesamtetat der Oberfränkischen Stadt in Höhe von 225 Millionen Euro stehen normalerweise jährlich rund 9 Millionen Euro für die Kultur zur Verfügung - davon fließen allein 4,5 Millionen an das Theater. Auch die Hofer Symphoniker und die Internationalen Hofer Filmtage sind Leuchttürme, an denen Nürmberger trotz Corona-Sparzwang nicht rütteln will: "Es wird ein Hauptaugenmerk darauf gelegt werden müssen, die großen standortprägenden Einrichtungen in dem Zustand zu halten, in dem sie sind". Gleichzeitig müsse man schauen, was man schieben könne. Als Beispiel nennt er etwa ein eher zeitloses Buchprojekt des Museums.

Anders als zum Beispiel in Bamberg oder München hat Hof momentan noch keinen Überblick, wie die Stadtkasse 2021 insgesamt gefüllt ist. Coronabedingt gebe es zwar im laufenden Jahr bei den Steuereinnahmen ein Minus von 20 Prozent. Doch dank Sonderzahlungen vom Bund komme Hof zumindest 2020 noch mit einem blauen Auge davon. Peter Nürmberger hofft, dass als Nebeneffekt der Spardiskussionen ein grundsätzlicher Aspekt stärker in den Vordergrund gerückt wird: "Mich treibt bei all diesen Diskussionen jetzt auch bei Corona um, dass wir zum Beispiel mit der Kurzarbeit die Kosten auf einen anderen öffentlichen Etat verschieben und dafür einen erheblichen Aufwand betreiben. Anstatt einfach zu sagen, es ist in beiden Fällen - ob als Zuschuss oder als Beitrag der Bundesanstalt für Arbeit -letztlich immer öffentliches Geld, also Steuergeld." Dann brauche man den zusätzlichen Aufwand durch die ganze Berechnung und Gegenrechnung gar nicht zu betreiben.

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