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Kultur-Lockdown: Theater und Konzertsäle im November geschlossen | BR24

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Die Gastronomie und die Kultur leiden besonders unter der Corona-Krise. Die Beschränkungen treffen vor allem Restaurants, Bars, Theater oder Kinos: weniger Gäste, weniger Besucher, weniger Umsatz - viel Frust.

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Kultur-Lockdown: Theater und Konzertsäle im November geschlossen

Alle Proteste aus der Veranstaltungs- und Kulturbranche haben nichts gebracht: Bund und Länder fahren das Kulturleben ab 2. November für einige Wochen wieder auf null runter. Die wirtschaftlichen Folgen sind für Künstler und Betriebe nicht absehbar.

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Von
  • Peter Jungblut

Das Kulturleben wird in Deutschland ab 2. November drastisch heruntergefahren, alle Veranstaltungen, die der "Unterhaltung dienen", behördlicherseits bundesweit untersagt. Obwohl es nach derzeitigem Stand in Bayern auch bei den drei "Pilotversuchen" mit jeweils bis zu 500 Zuschauern pro Vorstellung keinen einzigen Fall gab, bei dem sich ein Zuschauer während einer Vorstellung mit Covid-19 infiziert hätte, setzt die Politik auf einen scharfen Lockdown, der mindestens bis Ende November anhalten wird. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von "harten, belastenden Maßnahmen". Priorität hätten allerdings die Aufrechterhaltung des Wirtschaftslebens und die Schulen und Kindertagesstätten.

Söder: "Tag, an den wir uns alle noch erinnern"

Das Argument aus der Kultur, wonach die Theater keine Infektionsquellen seien, ließ die Kanzlerin auf einer Pressekonferenz am späten Nachmittag nicht gelten. Tatsächlich wüssten die Behörden derzeit schon bei 75 Prozent aller Fälle nicht mehr, wo sich die Betroffenen infiziert hätten. Deshalb würden alle Spielstätten, aber auch Bäderbetriebe, Messen und Kinos geschlossen. Gottesdienste allerdings werden nicht stärker reglementiert als bisher. Laut Merkel seien sie und die zugeschalteten Ministerpräsidenten "sehr stark in den Freizeit- und Reisebereich" gegangen, als es um die angestrebte Reduzierung der Kontakte ging.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sprach ebenfalls von einem "harten und bitteren Tag" und erklärte, es sei ihm "sehr schwer gefallen" die Beschlüsse mitzutragen. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach von einer "bitteren Pille" und einem "Tag, an den wir uns alle noch lange erinnern werden". Er verwies ausdrücklich darauf, dass sich Gastronomie-Betriebe und Theater "unglaublich viel Mühe" mit Hygiene-Konzepten gegeben hätten. Gleichwohl sei es darum gegangen, "konsequent und klar" zu entscheiden. Deutschland sei "eine Solidaritätsgesellschaft und kein Ego-Land". Ziel sei es, 75 Prozent der bisherigen Kontakte zu verringern.

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Proteste in München

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) setzte sich im Interview mit der "Bild"-Zeitung für ein neues Hilfspaket zugunsten der Kultur- und Veranstaltungsbranche ein. Wörtlich sagte sie: "Es geht für die Branche um Leben und Tod. Die Künstler und Kreativen haben sich in der ganzen Krise ungeheuer fair verhalten, obwohl es an ihren Lebensnerv geht." Die Unterstützung, die der Gastronomie in Aussicht gestellt worden sei, müsse auch für die Kulturschaffenden geleistet werden. Der Freistaat Bayern hatte bereits gestern ein zusätzliches Paket in Höhe von 370 Millionen Euro für die Kultur angekündigt, nachdem ein erstes Hilfsprogramm Ende September mit wenig Resonanz ausgelaufen war.

In Berlin hatten während des virtuellen Gipfeltreffens im Kanzleramt tausende von Menschen für mehr staatliche Hilfen zugunsten der darnieder liegenden Veranstaltungsbranche demonstriert. Ein Bündnis "Alarmstufe Rot" hatte einen Lastwagen-Korso organisiert. Seit Monaten werden im Messe- und Tourneegeschäft praktisch keine Umsätze mehr gemacht. Betroffene Unternehmer fürchten die Abwanderung ihrer Fachkräfte in andere Branchen, womit "gewachsene Strukturen" zerstört würden. Damit wäre ihrer Ansicht nach ein möglicher Neubeginn im kommenden Sommer erheblich erschwert, im Einzelfall sogar unmöglich. Hunderte von Events wurden von diesem aufs nächste Jahr verschoben - ob sie dann überhaupt zu organisieren sind, erscheint unabhängig von der Pandemie inzwischen fraglich.

Christian Stückl: "Alle tappen im Dunkeln"

Der Intendant des Münchner Volkstheaters, Christian Stückl, sagte im BR, den Bühnen "fehle jegliche Planungssicherheit". Die Schauspieler seien frustriert, Zuschauer verärgert, alle tappten völlig im Dunklen. Für Stückl ist auch eine Klage der Künstler nicht ausgeschlossen, schließlich seien Theater nicht nur zur Freizeitgestaltung da, Kunst sei "systemrelevant und verfassungsrechtlich geschützt".

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Proteste: Demo von Kulturschaffenden in München

Am Vormittag hatten sich noch die Ensembles von Münchner Theatern gegen einen weiteren Lockdown gestemmt. Es könne nicht darum gehen, möglichst viele Einrichtungen zu schließen, sondern es sei im Gegenteil anzustreben, möglichst viele Einrichtungen offen und somit am Leben zu halten, so die Unterzeichner, darunter die Mitarbeiter der Bayerischen Staatsoper, des Münchner Volkstheaters, des Gärtnerplatztheaters und der Schauburg, wo Kinder- und Jugendtheater zu sehen ist. "Wir wollen spielen", hieß es in dem Offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder, Kunstminister Bernd Sibler und den Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter.

Keine Sondergenehmigungen für Theater

Die Ensembles weiter: "Theater sind geschützte Räume, in denen soziale und künstlerische Begegnungen stattfinden. Wir verstehen es als unsere Pflicht, unsere Kunst, die eine darstellende ist, weiter auszuüben. Wir vertrauen auf die Risiko-Einschätzungen." Bereits zuvor hatte das Münchner Kreisverwaltungsreferat Anträge auf Ausnahmegenehmigungen abgelehnt. Vor der Entscheidung im Berliner Kanzleramt galt für "dunkelrote" Städte und Landkreise, in denen mehr als 100 Infizierte pro 100 000 Einwohnern in einer Woche auftraten, eine Zuschauer-Höchstgrenze von fünfzig. Die Theater wären gerne bei den davor gültigen 200 bzw. sogar 500 Zuschauern pro Vorstellung geblieben. Eine Regel, die angesichts rasant steigender Infektionszahlen obsolet ist.

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