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Kultur retten: Kunstminister Bernd Sibler reagiert auf Kritik | BR24

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Intendanten hatten ihn teils heftig öffentlich attackiert, aus der freien Kulturszene weht ihm stürmischer Wind ins Gesicht: Mit zwei neuen Förderprogrammen will der bayerische Kunstminister die kulturelle Vielfalt sichern und Veranstalter retten.

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Kultur retten: Kunstminister Bernd Sibler reagiert auf Kritik

Intendanten hatten ihn teils heftig öffentlich attackiert, aus der freien Kulturszene weht ihm stürmischer Wind ins Gesicht: Mit zwei neuen Förderprogrammen will der bayerische Kunstminister die kulturelle Vielfalt sichern und Veranstalter retten.

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Auch diese beiden neuen staatlichen Programme zur Unterstützung der Kulturschaffenden werden den Unmut, ja die Wut vieler Künstler wohl kaum besänftigen: Dreißig Millionen Euro für notleidende Veranstalter in der freien Szene, zehn Millionen für Musikvereine. Das Geld wird sicher gern genommen und kann ab heute beantragt werden, aber reicht es, um Pleiten zu verhindern? Da sind die Politiker vorsichtig. Und auch, wenn es um weitere Lockerungen geht, legt sich Bayerns Kunstminister Bernd Sibler nicht fest.

Lob für den Minister aus der Szene

So fordern viele Intendanten, statt eine Höchstgrenze von 100 Zuschauern in Innenräumen festzulegen, besser flexibel je nach Raumgröße vorzugehen, also zum Beispiel 20 oder 30 Prozent der Sitzplätze zu belegen. Dazu Sibler: "Konzepte haben wir natürlich vorgelegt, aber die stimmen wir innerhalb der Staatsregierung auch immer ab, um möglichst logische Brüche vermeiden zu können und einheitlich vorgehen zu können. Aber natürlich ist es auch eine Möglichkeit, nach Raumgröße vorgehen zu können. Mal schauen, was die nächsten Schritte bringen."

Der Kunstminister muss alle Schritte mit den Kabinettskollegen absprechen, dort gibt es sehr unterschiedliche Meinungen, was Lockerungen angeht. Immerhin, die Maskenpflicht ist am Sitzplatz im Theater und Konzertsaal aufgehoben. Und für die neuen Fördermaßnahmen zugunsten der Live-Kultur bekommt Sibler vom Vorsitzenden des Musikstättenverbandes und Nürnberger Club-Betreiber Axel Ballreich, Lob: "Man muss sagen, dass Bayern als Flächenland da ganz weit vorne liegt, in der schnellen Reaktion, auch in der Qualität der Reaktion, weil es einige Boni in diesem Programm gibt, die es in den meisten anderen schon bestehenden oder noch geplanten Programmen so nicht nicht gibt."

"Hoffnungssignal" aus Bayern?

Ballreich betreibt in Nürnberg die Club-Location "Hirsch", ist also vom Fach. Bis zu 300.000 Euro können Veranstalter wie er jetzt Soforthilfe beantragen. Und Bernd Schweinar vom Verband für Popkultur in Bayern verweist darauf, dass die Betroffenen endlich auch ihren Unternehmerlohn, also ihre eigenen, persönlichen Ausgaben zum Lebensunterhalt, veranschlagen dürfen: "Es geht schon eine Hoffnung von diesem bayerischen Signal aus, dass auch andere Bundesländer sich hier am Beispiel Bayerns orientieren und die Clubs, die überall draußen notleidend sind und um ihre Existenz kämpfen, möglicherweise mit ähnlichen Konditionen zu retten."

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Bernd Schweinar (links), Bernd Sibler, Thomas Goppel (Musikrat, links), Axel Ballreich (rechts)

"Bachler hat Temperament"

Hört sich für Kunstminister Bernd Sibler schmeichelhaft an, aber er kann es auch gebrauchen: In den letzten Tagen gab es scharfe Kritik an seiner Politik, allen voran vom Chef der Bayerischen Staatsoper in München, Nikolaus Bachler. Der hatte von einer "Verordnungs-Republik" gesprochen und davon, dass aus dem Kunstministerium nur "Hygiene"-Vorschriften gekommen seien.

Dazu der Minister: "Bachler hat Temperament, Bachler ist selbst ein guter Schauspieler. Ich habe den Klaus Bachler als zugewandte Persönlichkeit erlebt, ich habe ihn hoch erregt erlebt. Er spielte genauso seine Rolle wie ich meine zu spielen habe. Ich habe jedes Verständnis, wenn es diesen Leuten zu langsam voran geht. Ich bitte aber auch um Verständnis, wenn etwas passiert in einem kulturellen Umfeld, werde ich vermutlich wieder allein dastehen und wenig Rückendeckung aus diesen Kreisen haben. Das ist ein Spagat, den wir noch ein gutes Stück auszuhalten haben."

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Optimismus ist Pflichtaufgabe

Zuversicht ist Pflicht

Starkes Interesse gibt es am Sofortprogramm für "Solo"-Selbstständige in der Kultur, die über drei Monate hinweg mit jeweils 1.000 Euro rechnen können. Rund 8.200 Anträge gab es bereits, wovon nur wenige hundert abgelehnt worden seien, so Sibler: "Dass die 3.000 Euro nicht ausreichen werden, ist jedem klar, aber es ist ein Beitrag des Freistaats Bayern, um jedem deutlich zu machen, dass wir die Nöte dieser Menschen sehen. Wir haben hier das Problem, dass Menschen, die bereits in einem anderen Förderprogramm einen Antrag gestellt haben, hier nicht mehr antragsberechtigt sein können, weil diese Doppel-Förderstrukturen sich leider ausschließen. Das ist ein großes Problem, das wir derzeit haben."

Ein weiteres Problem: Niemand weiß, wie es in der Krise weitergeht, wann Live-Kultur uneingeschränkt möglich sein wird. Am Broadway zum Beispiel bleibt bis 2. Januar alles dicht, der weltweit präsente Cirque du Soleil ist insolvent. Irgendwann, so heißt es aus der Politik, werde sogar dem Staat das Geld ausgehen, den Veranstaltern sowieso. Insofern ist Zuversicht jetzt Pflicht. Bernd Sibler: "Alle Maßnahmen haben nur ein Ziel: Wir wollen unsere kulturelle Vielfalt sichern, das sind wir unserem Kulturstaat schuldig. Damit trotzen wir Corona, damit trotzen wir der Krise. Ich denke, dass wir das kulturelle Leben im Freistaat damit ein gutes Stück aufrecht erhalten können. Kreativität und Engagement sind beeindruckend."

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