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Ein geschnitzter Kürbis für Halloween steht an einer Straße.

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Kürbis statt Rübe: Wie Halloween die Rübengeister verdrängt hat

Es werden in Bayern kaum noch Futterrüben angebaut, dafür umso mehr Kürbisse. Die Folge: Statt der alten Tradition der Rübengeister gibt es immer mehr Halloween-Kürbisse. Doch warum schnitzen wir überhaupt Geister aus?

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Von
  • Nadja Stempel

An Halloween werden wegen der aktuellen Corona-Situation wohl kaum kleine Geister und Hexen unterwegs sein, von Tür zu Tür ziehen und fordern: "Süßes, sonst gibt's Saures." Nach dem Verband der Kinder und Jugendärzte hat nun auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey von den am Abend vor Allerheiligen üblichen Klingeltouren von verkleideten Kindern abgeraten. "Auch wenn das für Kinder und Jugendliche sehr traurig ist, aber Halloween, so wie sie es kennen, das geht in diesem Jahr nicht", sagte Giffey der Welt. Das Ansteckungsrisiko sei zu groß.

Nichtsdestotrotz ist Halloween dennoch allgegenwärtig. Was nämlich umso häufiger auftaucht: Gruselig geschnitzte Kürbisgesichter, die schon einige Wochen vor dem 31. Oktober an Türeingängen, Fenstern oder Gärten stehen.

Immer mehr Landwirte bauen Kürbisse an

Die Beliebtheit der Halloween-Kürbisse schlägt sich auch bei Landwirten nieder. Halloween ist Kürbiszeit. Im vergangenen Jahr wurden gut 86.000 Tonnen der orangenen Früchte geerntet, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Erntemenge ist seit 2009 mit damals 48.000 Tonnen um 79 Prozent gestiegen. Die Anbaufläche hat sich seitdem mehr als verdoppelt und entspricht jetzt in etwa der Größe von 6.000 Fußballfeldern.

Kürbisse statt Rüben

Dagegen heute nur noch selten zu finden sind die Rübengeister, die noch bis in die 80er-Jahre vor allem in Süddeutschland und in Österreich verbreitet waren. Dabei sind sich Halloween-Kürbis und Rübengeist nicht unähnlich: Noch vor einigen Jahren, als Halloween hierzulande noch kein Thema war, war es um Allerheiligen und Sankt Martin üblich, lustige Grimassen oder furchterregende Fratzen in Rüben zu schnitzen und mit der Dunkelheit mit einem Teelicht zu beleuchten.

Aber die Futterrüben, aus denen sie geschnitzt wurden, werden heutzutage nur noch selten angebaut. "Futterrüben werden kaum mehr angebaut, weil es für die Rinder und das Milchvieh mittlerweile einfach bessere Futteralternativen gibt", erklärt eine Sprecherin der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL).

Auch Martin Beer vom Museum "KulturLand Ries" sieht den Hauptgrund für das Aussterben der Rübengeister im Wandel der Landwirtschaft. "Es wurden einfach so gut wie keine Futterrüben mehr angebaut, die man hätte schnitzen können." Diese Leerstelle habe dann ab der Nuller-Jahre der "amerikanische Kürbis" gefüllt. Außerdem hat der Kürbis einen weiteren, entscheidenden Vorteil: Er ist sei leichter zu schnitzen als die harte Futterrübe.

Doch woher kommt der Halloween-Brauch?

Für die Übernahme des amerikanischen Brauchs spricht ebenso das Datum: Wie bei den Rübengeistern wird auch der Halloween-Kürbis um die Zeit um Allerheiligen geschnitzt. Der aus den USA stammende Grusel-Brauch wird in der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November begangen - zwischen dem evangelischen Reformationstag und dem katholischen Hochfest Allerheiligen.

Dass Halloween jedoch auf 2.000 Jahre alte keltische Wurzeln und heidnische Totenkulte zurückgeht, gilt inzwischen allerdings als widerlegt. Erste Belege für das Brauchtum finden sich im 18. Jahrhundert, und zwar vor allem in Irland und Schottland. Damals luden die Menschen am Vorabend von Allerheiligen ("All Hallows' Eve") zum Festessen ein. Zugleich zogen Kinder von Haus zu Haus, um Spenden zu erbitten. Solche "Heischegänge" und Almosengaben an die Armen sind in Europa seit dem Spätmittelalter für den 31. Oktober belegt.

Irische Einwanderer machten Halloween in den USA populär

Die Iren, von denen viele Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Heimat wegen Hungersnöten verließen, machten das Fest in den USA populär. Dort entstand der Brauch, Kürbisse auszuhöhlen, ihnen eine gruselige Fratze zu verpassen, sie mit einer Kerze zu beleuchten und aufzustellen oder in Geisterzügen durch die Straßen zu gehen. Der sogenannte "Jack o'Lantern", der ausgehöhlte Kürbis mit eingeschnitzter Fratze, geht wohl auf eine irische Legende zurück: Der Nachtwächter Jack schaffte es, kurz vor seinem Tod dem Teufel ein Schnippchen zu schlagen. Er ritzte ein Kreuz in die Rinde eines Baumes, und der Teufel saß im Geäst fest. Dennoch erhielt Jack vom Teufel ein Geschenk, nämlich eine glühende Kohle in einer ausgehöhlten Rübe als Wegbeleuchtung ins Totenreich.

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Ein Halloween in Corona-Zeiten - auf einige Aktivitäten sollte man da besser verzichten, das Eigenheimschmücken aber gehört nicht dazu. So schaffen geschnitzte Kürbisse ein schaurig-schönes Ambiente.