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Künstliche Intelligenz: Kann Gott ein Roboter sein? | BR24

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Der Mensch denkt, Gott lenkt - doch was passiert, wenn in Zukunft Maschinen das Lenken übernehmen, wenn sie klüger sind als der klügste Mensch?

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Künstliche Intelligenz: Kann Gott ein Roboter sein?

Der Mensch denkt, Gott lenkt – doch was passiert, wenn in Zukunft Maschinen das Lenken übernehmen, wenn sie klüger sind als der klügste Mensch? Werden Sie damit gottähnlich, oder kann man sie sogar Gott nennen?

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"Wenn etwas eine Milliarde Mal klüger ist als der klügste Mensch, wie soll man solch eine Instanz anders nennen als Gott?" Dieser Satz stammt von Anthony Levandowski. Der amerikanische Multimillionär "vergöttert" Technik, für Google und Uber entwickelte er erfolgreich selbstfahrende Systeme. In Kalifornien hat er eine neue Religion bzw. eine Glaubensgemeinschaft registrieren lassen: "Way of the Future". Levandovskis Gottheit beruht auf Künstlicher Intelligenz und soll zu einer besseren Gesellschaft führen. Im Moment dürfte der Religionsstifter aber ganz anderen Beistand benötigen, nämlich juristischen. Denn er steht wegen Technologie-Diebstahls und Patentrechts-Verletzungen vor Gericht.

Kann ein KI-Gott existenzielle Fragen beantworten?

Bei aller Technologie-Gläubigkeit, sind Menschen bereit, einen Roboter als göttlich anzuerkennen? Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar ist auf den Spuren von Künstlicher Intelligenz auf der ganzen Welt unterwegs: "Es gibt durchaus eine Community in Silicon Valley, die sagt: Warum müssen wir Menschen sterben? Eines Tages wird eine KI so intelligent sein, um die Medizin soweit voranzubringen, dass wir nicht mehr sterben müssen." Ewige Jugend, Reichtum, Macht? Die Magie einer neuen Technologie verspricht viele Revolutionen. Doch der Journalist und Physiker sieht manche Anwendungen von Künstlicher Intelligenz durchaus kritisch: "Wenn man sich zum Beispiel eine Software anschaut, die Bewerber ausfiltert, das würde dann so ablaufen: der Bewerber kommt, hat ein Bewerbungsgespräch und das Gespräch wird per Algorithmus ausgewertet. Und am Ende sagt der Algorithmus 'Kandidat A' und nicht 'Kandidat B'. Da merken wir schon, wie wir Verantwortung delegieren." Ein Algorithmus kann auch Vorurteile lernen und beispielsweise farbige Menschen benachteiligen. Wer sind also Gewinner und Verlierer von Künstlicher Intelligenz?

Ob es jemals eine Art KI-Gott geben wird, das hält Ranga Yogeshwar für zweifelhaft. Er glaubt nicht daran, dass ein KI-Gott Hoffnung und Antworten auf existenzielle Fragen des Lebens geben kann. Und darauf kommt es bei Religionen schließlich an.

Vatikan meets Sillicon Valley

Auch wenn der KI-Gott noch in weiter Ferne zu sein scheint, auch die katholische Kirche beschäftigt sich mit Künstlicher Intelligenz. Ende September fand im Vatikan eine dreitägige Konferenz zum Thema "Gemeinwohl im digitalen Zeitalter" statt. Vertreter von Unternehmen wie Facebook, Mozilla und Western Digital trafen dort auf Ethik-Experten und Regierungsvertreter, wie Vatikan News berichtet. Papst Franziskus sagt: "Wenn die technologischen Fortschritte Ursache für eine immer größere Ungleichheit sind, dann können wir sie nicht als wirkliche Fortschritte bezeichnen." Grundsätzlich, so der Papst, sei eine bessere Welt dank des technologischen Fortschritts möglich. Doch dieser Fortschritt müsse von einer Ethik begleitet sein, die das Gemeinwohl ebenso berücksichtigt wie eine Ethik der Freiheit, Verantwortung und Geschwisterlichkeit.

Mehr zum Thema Künstliche Intelligenz in STATIONEN, am Mittwoch 9. Oktober 2019 im BR-Fernsehen und im Anschluss in der Mediathek. Außerdem findet von 7. bis 11. Oktober 2019 die BR-Themenwoche zur Künstlichen Intelligenz statt.