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Künstlerdemo "Kunstgebung" vor Nürnberger Meistersingerhalle | BR24

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Kunst- und Kulturschaffende werden von Geldsorgen geplagt, denn durch die Coronakrise fallen viele Einkommensquellen weg.

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Künstlerdemo "Kunstgebung" vor Nürnberger Meistersingerhalle

Rund 200 Kulturschaffende und Unterstützer der Kulturszene haben sich vor der Nürnberger Meistersingerhalle zu einer "Kunstgebung" getroffen. Sie forderten schnelle Hilfe für Künstler – denn ansonsten könnte es für viele zu spät sein.

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Namhafte Künstler aus Franken waren vor die Nürnberger Meistersingerhalle gekommen, darunter Bernd Händel, Lizzy Aumeier, Matthias Walz, Matthias Egersdörfer, Bembers, Oliver Tissot, Pino Barone, Michl Müller oder auch TBC. Schon seit Monaten verzeichneten alle starke Einnahmenverluste durch coronabedingte Absagen – die einen mehr, die anderen weniger.

Gemeinsam wollten sie an diesem Abend darauf aufmerksam machen, dass sich die Kulturbranche derzeit auf einem sinkenden Schiff befindet. Und zwar nicht nur die Künstler selbst, sondern auch die damit verbundenen Kollegen der Event- und Technikbranche. Die Kreativen wollten auf ihre prekäre Situation aufmerksam machen und klarstellen, dass die ganze Branche meilenweit von einer Art Normalzustand entfernt sei.

© BR-Studio Franken/Tobias Burkert

Rund 200 Künstlerinnen und Künstler demonstrierten vor der Meistersingerhalle in Nürnberg.

Mehr Mut von den Veranstaltern gefordert

Trotz steigender Coronazahlen seien Aufritte mit gut ausgearbeiteten Hygienekonzepten durchführbar, vielen Veranstaltern fehle dafür aber der Mut und der Rückhalt, so die Künstler. So seien die Leute beim Kartenkauf auch extrem vorsichtig und verunsichert. Das sei verständlich, aber das Infektionsgeschehen bei derartigen Kulturveranstaltungen sei quasi gleich null, betonte Ines Procter, die die "Kunstgebung" mitorganisiert hat.

Betroffene Künstler in ernster Lage

Mitveranstalter und Kabarettist Oliver Tissot lobte das fünf Milliarden Euro schwere Soforthilfe-Paket des Bundes, kritisierte aber gleichzeitig, dass das Geld bei vielen Künstlern aufgrund der undurchschaubaren Vergabekriterien nie ankam oder nur in sehr kleinem Maße.

BR-Fastnachts-Comedian Matthias Walz stellte klar: Kein Künstler wolle mit der Veranstaltung die Corona-Pandemie leugnen oder die Hygienemaßnahmen bemängeln. Es gehe jetzt aber um die Existenz vieler Künstler und in anderen Branchen gäbe es ja auch Hilfen, die ein Überleben möglich machten.

Bernd Händel sprach von einer sinkenden künstlerischen Motivation angesichts der begrenzten, Möglichkeiten – umso wichtiger sei eine Veranstaltung wie die "Kunstgebung".

Finanzielle Forderungen

In einem 12-Punkte-Plan forderten die Künstler unter anderem eine Verlängerung der Soforthilfen sowie einen pauschalen, monatlichen Zuschuss, um die Einnahmeverluste zu kompensieren. Viele hätten seit Monaten nur wenig verdient und die steigenden Coronazahlen in Bayern ließen kaum Hoffnung zu, dass sich die Situation für die Freiberufler verbessere. Auch eine Verlängerung beispielsweise tilgungsfreier Phasen bei Krediten könne helfen oder die Einführung staatlich bezuschusster Corona-Schnelltests bei Veranstaltungen.

Auftritt interruptus

Vor der Meistersingerhalle hatten die Veranstalter eine große Bühne aufgebaut, auf der verschiedene Künstler kurze Einlagen darboten. Diese wurden aber nach wenigen Minuten jäh unterbrochen, etwa durch lautstarke Rückkopplungen, störendes Handyklingeln oder Ausfall der Technik. Damit sollte die Brüchigkeit der Künstlerbranche demonstriert werden.

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