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Er verhüllte den Reichstag: Künstler Christo gestorben | BR24

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Er war der Mann, der die Welt verpackte: Verhüllungs-Künstler Christo ist tot. Er starb im Alter von 84 Jahren in New York. Vor 25 Jahren hatte er das Reichstags-Gebäude in Berlin verhüllt.

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Er verhüllte den Reichstag: Künstler Christo gestorben

Der Verhüllungs-Künstler Christo ist tot. Auf seiner Internetseite hieß es, der 84-Jährige sei zuhause in New York eines natürlichen Todes gestorben. Bekannt geworden war Christo mit spektakulären Installationen.

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Besonders mit verhüllten Gebäuden sorgte Christo für Furore: Aktuell bereitete der Künstler zuhause in New York die Verhüllung des Pariser Triumphbogens vor. Das Projekt sollte eigentlich in diesem Jahr umgesetzt werden, musste wegen der Corona-Krise jedoch auf den Herbst 2021 verschoben werden. Nun ist Christo gestorben, mit 84 Jahren. Bleiben werden die Erinnerung an viele große Projekte, die nur temporär zu sehen waren.

Christos vergängliche Kunst

Die Kunst von Christo und seiner Partnerin Jeanne-Claude war nicht von Dauer. Knapp 25 Jahre ist es nun her, dass die beiden in Berlin den Reichstag verpackten. Kunstliebhaber aus aller Welt pilgerten in die Hauptstadt, um das monumentale Kunstwerk zu bestaunen – bevor es wieder verschwand.

© bild pa/dpa wolfgang kumm

Verhüllter Reichstag

"Es ist irgendwie naiv und arrogant, zu glauben, dass dieses Ding für immer bleibt, für die Ewigkeit." Christo

Über 20 Jahre hatte das Künstlerpaar auf die Verhüllung des Berliner Reichstags hingearbeitet. Die Vergänglichkeit der temporären Großinstallationen erinnerte stets auch an die Flüchtigkeit des Lebens selbst.

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Christos Kunstwerke waren immer spektakulär und visuell faszinierend. Nun ist der Künstler im Alter von 84 Jahren gestorben. Eine Zeitreise.

"Floating Piers" Besuchermagnet

Vor vier Jahren reisten eine Million Menschen an den Iseo-See in der Lombardei, um über die orangefarbenen "Floating Piers" zu schreiten, die Christo über das Wasser gelegt hatte. Der Andrang war so groß, dass zeitweise Züge keine Touristen mehr in Richtung See mehr mitnahmen. Nach dem Tod Jeanne-Claudes 2009 arbeitete Christo alleine weiter. Christo experimentierte mit den schwimmenden Stegen, überwachte die Aufbauarbeiten genau. Und ließ sich mit einem Schiff herumfahren, um die schwimmende Installation mit den vielen begeisterten Menschen darauf von allen Seiten zu begutachten. Wenn die Besucher zu jubeln und zu winken anfingen, dann wusste man: Christo ist nicht weit. Zu spüren war immer eine ganz große Zuneigung der Menschen zu diesem Künstler, der ihnen Kunst auf unnachahmliche Art nahe brachte. Die Schönheit seiner Werke faszinierte, und der ganz neue Blick, den die Kunst auf die Natur oder Gebäude bot. Von einer tieferen Bedeutung seiner Werke wollte Christo nichts wissen.

"Es ist total irrational und sinnlos." Christo über seine Werke
© pa/dpa

"Floating Piers"

Christo wurde 1935 in Bulgarien geboren. Vier Jahre lang studierte er an der Nationalen Kunstakademie in Sofia. 1964 zogen er und seine Frau nach New York.

1961 schlugen Christo und seine Partnerin erstmals vor, ein öffentliches Gebäude zu verhüllen. Ein Jahr später fertigte er mehrere Fotomontagen des Triumphbogens in Paris an. Ausgerechnet dieses Projekt kann er nun selbst nicht mehr betreuen.

Berlin, Iseo-See, Central-Park

Zu den berühmtesten der weltweit realisierten Projekte zählten neben neben dem verhüllten Berliner Reichstag und den schwimmenden Stegen auf dem Iseo-See safranfarbenen Tore im New Yorker Central Park sowie eine schwimmende Installation in London. Andere Installationen waren teils aus vielen Kilometern Entfernung sichtbar, etwa "Valley Curtain" in Colorado oder gelbe und blaue Riesen-Sonnenschirme in Japan und Kalifornien.

Das Verschwinden ist Teil unseres Lebens

Die Kunstwerke werden verschwinden, wie unsere Kindheit, unser Leben, sagte Christo in einem Interview. Erst das mache die Erfahrung so intensiv.

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Der Künstler Christo ist im Alter von 84 Jahren in New York gestorben.

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